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Israel, Russland, USA treffen sich - Iran - raushalten, entspannen, angreifen?

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Erstmals sprechen die Sicherheitsberater der USA, Russlands und Israels über Syrien und den Iran. Die Interessen der drei Mächte sind sehr unterschiedlich - ein Überblick.

Die USA verhängten Sanktionen gegen die Hisbollah.
Die Aktivitäten der Hisbollah in Syrien und die mutmaßlichen iranischen Interessen dahinter werden ein zentrales Thema bei den Gesprächen in Jerusalem sein.
Quelle: epa Mohamed Messara/EPA/dpa

Was tun im Konflikt mit dem Iran? Bei den Gesprächen in Jerusalem werden die Sicherheitsberater Nikolai Patruschew aus Russland, John Bolton aus den USA und Israels Vertreter Meir Ben-Schabat teilnehmen. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach im Vorfeld von einem "beispiellosen, historischen Treffen".

Welche Interessen die drei Staaten im Syrien-Konflikt und in Bezug auf dem Iran verfolgen, ordnen ZDF-Korrespondenten ein:

Israels Schattenkrieg in Syrien

Einschätzung von Nicola Albrecht aus Tel-Aviv

Nicola Albrecht
ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht leitet das ZDF-Studio in Tel Aviv.

In Israel herrscht durch alle Parteien und quer durch die Gesellschaft absoluter Konsens darüber, dass der Iran die größte Bedrohung für den jüdischen Staat darstellt. Dementsprechend steht der Kampf gegen den Erzfeind, der immer wieder damit droht, Israel auslöschen zu wollen, schon lange ganz oben auf der außenpolitischen Agenda von Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Und dieser Kampf existiert nicht nur in Reden auf der politischen Bühne, sondern ganz real als Schattenkrieg in Syrien. Ein Geheimnis macht Israels Regierung daraus längst nicht mehr. Regelmäßig erklärt ein Militärsprecher morgens in den israelischen Nachrichten: "Wir haben damit begonnen, Ziele der iranischen Al-Kuds-Brigaden in Syrien zu attackieren."

Denn Israels größte Sorge gilt dem Macht- und Expansionsbestreben Teherans auf syrischem Boden. Denn der Iran baut auch nach Einschätzung internationaler Beobachter über seinen Stellvertreter, die schiitische Hisbollah-Miliz, und mit eigenen Kräften seine Position in Syrien konstant aus. Vor allem im Westen, Richtung israelische Grenze.

Und so hat die israelische Armee unilateral und bislang weitgehend widerstandsfrei Hunderte Luftschläge gegen angebliche Stellungen der iranischen Brigaden oder ihre Unterstützer durchgeführt. Nun gilt es, sich mit den Weltmächten USA und Russland, die sehr unterschiedliche Interessen verfolgen, abzustimmen. Das ist angesichts der erhöhten Spannungen zwischen Teheran und Washington eine extrem heikle Angelegenheit.

Russland im Bunde mit Assad und dem Iran

Einschätzung von Roland Fritzsche aus Moskau

Es wird nicht einfach für Nikolai Patruschew, den Sekretär des russischen Sicherheitsrates, wenn er in Jerusalem mit John Bolton und Meir Ben Shabbat den Verhandlungsmarathon beginnt. Zu unterschiedlich sind die Interessen in Bezug auf Syrien. Moskau will Präsident Baschar Assad nicht fallen lassen und hat dabei Teheran (das zumal eigene handfeste Ziele in Syrien verfolgt) als Partner an seiner Seite.

Überdies hat die seit September 2015 laufende russische Militäroperation in Syrien unbestreitbar zu einer spürbaren Veränderung des Kräfteverhältnisses geführt. Weite Teile des Landes werden wieder von Damaskus kontrolliert. Russland sieht sich auch nach eigener Darstellung beinahe allein als einziges Land, das beim Wiederaufbau Syriens hilft. Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete so dieser Tage, dass seit Beginn des Prozesses zur Konfliktregelung 2.143 humanitäre Aktionen durchgeführt und insgesamt über 3.400 Tonnen Hilfsgüter geliefert wurden.

Entgegengesetzte Positionen bestehen gleichfalls zum Iran. Patruschew wird die Moskauer Auffassung vehement vertreten, dass eine Verstärkung des Drucks auf Teheran - vor allem nach den jüngsten Vorfällen in der Hormus-Meerenge - in keiner Weise zu einer Entspannung führen würde. Die von den USA angedrohten weiteren scharfen Sanktionen würden letztlich nur die Iraner veranlassen, ab dem 27. Juni gänzlich aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 auszusteigen und die Anreicherung von Uran wieder aufzunehmen. Die Folgen sind nur schwer abzusehen.

Es ist alles in allem eine schwierige Gemengelage, die in Jerusalem behandelt werden soll. Sicher wird es kein Treffen von historischer Tragweite, wie Israels Premier Benjamin Netanjahu meinte, doch es bietet auch für Moskau eine Gelegenheit, Wege für einen Konsens zwecks Verringerung der Spannungen im Nahen Osten zu suchen und möglicherweise gar abzustecken. 

Unklare US-Interessen

Einschätzung von Britta Jäger aus Washington

Britta Jäger | ZDF-Korrespondentin
Korrespondentin Britta Jäger berichtet aus dem ZDF-Studio in Washington.

Trumps Sicherheitsberater John Bolton teilt in Israel weiter aus gegen den Feind: Der Iran habe keinen Jagdschein für den Nahen Osten, meint der Nationale Sicherheitsberater der USA. Die Vereinigten Staaten wollen verhindern, dass das Regime Atomwaffen in die Hände bekommt, dafür ist Donald Trump sogar bereit, einen Militärschlag in Betracht zu ziehen.

Dabei hatte der US-Präsident ursprünglich verkündet, seine Soldaten aus Konflikten im Ausland, vor allem aus denen im Nahen Osten, raushalten zu wollen. Und so gab er im vergangenen Dezember bekannt, die rund 2.000 in Syrien stationierten US-Soldaten bald nach Hause holen zu wollen.

Über die Zukunft Syriens bestimmen ohnehin längst andere - allen voran Russland. Aber eben auch der Iran - als zweiter großer Verbündeter von Syriens Machthaber Assad - würde von dem Machtvakuum profitieren, das die USA bei einem Abzug hinterlassen werden. Trump schien das damals egal zu sein: "Sie können dort tun, was sie wollen."

Dann aber kam der Rückzug vom schnellen Abzug: Weil Israel als Verbündeter der USA nach Trumps Ankündigung rot sah, weil US-Verteidigungsminister James Mattis aus Protest zurücktrat. Aber auch, weil Sicherheitsberater Bolton und Außenminister Mike Pompeo der Ansicht sind, die USA müssten dem Iran auch in Syrien etwas entgehen setzen - auch durch die Präsenz der US-Armee.

Es bleibt also unklar, mit welcher Strategie John Bolton zum Treffen mit seinen Amtskollegen aus Russland und Israel gereist ist.

Israel, Syrien und der Iran

  • Israelische Flagge vor dem Felsendom in Jerusalem

    Israel will iranischen Einfluss zurückdrängen

  • Syrien Flagge auf einer Mauer

    Russland und die USA führen Stellvertreterkrieg

  • Iranische Flagge vor einer Öl-produzierenden Plattform

    Gefährliche Eskalation nach Tanker-Vorfall

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