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Konflikte mit Gefahrenpotenzial - Sicherheitskonferenz: Brisante Krisenherde

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Sicherheit als rares Gut: Zahlreiche komplexe Konflikte bereiten Experten auf der Münchner Sicherheitskonferenz Kopfzerbrechen. Brisante Krisenherde im Überblick.

Archiv: Ein Mann räumt Trümmer aus seinem Haus am 05.04.2018 in Al-Rakka (Syrien)
Fast acht Jahre Krieg: Syrien
Quelle: dpa

Etwa 400 Konflikte weltweit zählt das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung derzeit. Mehr als die Hälfte davon werden gewaltsam ausgetragen. Während der dreitägigen Münchner Sicherheitskonferenz, die am heutigen Freitag beginnt, können die rund 600 Experten für Sicherheitspolitik nur einen Bruchteil der Probleme thematisieren. Die folgenden Krisenherde aber werden mit Sicherheit heiß diskutiert - ein Überblick über die Konflikte mit dem größten Gefahrenpotenzial für die internationale Sicherheit:

Syrien-Krieg

Während US-Präsident Donald Trump den Kampf gegen die IS-Terrormiliz in Syrien für gewonnen hält, haben mehrere Alliierte, darunter auch die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), gründlich widersprochen. Fakt ist, dass die IS-Terroristen in Syrien noch immer zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten haben und von diesen verbliebenen Bastionen auch weitere Anschläge auf ihre internationalen Gegner planen und finanzieren können.

Doch Syrien bleibt nicht nur wegen der IS-Kämpfer einer der gefährlichsten Krisenherde der Welt. In dem inzwischen fast acht Jahre andauernden gewaltsamen Konflikt sind neben diversen syrischen Kontrahenten die unterschiedlichsten internationalen Kriegsparteien involviert: Russland, Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz, mehrere Golfstaaten, die USA mit ihren Anti-IS-Alliierten (darunter auch Deutschland) sowie die Türkei. Deren Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte mehrfach damit gedroht, im Nordosten Syriens gegen kurdische Truppen vorzugehen. Die Kurden wiederum sind Alliierte der USA im Kampf gegen den IS und haben einen immensen Blutzoll gezahlt.

Fazit: Syrien steht als hochexplosiver Konfliktherd mit starker Relevanz für die internationale Sicherheit erneut als Topthema auf der Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz: Ein wichtiges Thema wird Ministerin von der Leyen zufolge dabei sein, "wie wir die schleichende, auch überregionale Ausbreitung des IS über Untergrundnetzwerke verhindern und bekämpfen können".

Afghanistan-Krieg

Der Krieg in Afghanistan fordert zwar seit 2001 immense Opfer vor allem unter Zivilisten, allerdings verliert die internationale Gemeinschaft nach fast zwei Jahrzehnten ohne nennenswerte Erfolge zusehends ihr Interesse, den Konflikt zu bewältigen. Nach Stand der Dinge wird es weder für die Taliban noch für die afghanische Regierung und die internationalen Truppen im Land einen Sieg geben - und von Frieden scheint Afghanistan weiter entfernt denn je zu sein.

Es herrscht eine gefährliche Patt-Situation zwischen den Kriegsparteien. Die Taliban und weitere Terrorgruppen wie jene des "Islamischen Staats" kontrollieren etwa die Hälfte des Landes. Die Opiumproduktion aus Schlafmohn läuft dort auf Hochtouren - und damit auch die Finanzierung des Terrors.

Fazit: Afghanistan hat nach wie vor ein Problem mit islamistischen Terroristen. Ihr Kampf bringt tagtäglich vor allem Zivilisten ums Leben und destabilisiert zudem massiv mehrere Nachbarländer, darunter die Atommacht Pakistan. 

Libyen-Konflikt

Libyen ist nur auf dem Papier ein Staat. Tatsächlich führen dort unzählige Milizen und Rebellengruppen einen Bürgerkrieg miteinander. Seit Jahren gibt es keine funktionierende Regierung. Nutznießer sind vor allem IS-Terroristen und Menschenschmuggler, die Kriegsflüchtlinge und Armutsmigranten vor allem aus den Subsahara-Staaten auf Schiffe verfrachten, die sie nach Europa bringen sollen.

Etwa 90 Prozent der Afrikaner, die eine Überfahrt über das zentrale Mittelmeer nach Europa wagen, gehen in Libyen an Bord eines Schiffes. Seit Jahren unterstützt die Europäische Union vor allem finanziell den Aufbau einer effektiven libyschen Küstenwache - bislang allerdings mit zweifelhaftem Erfolg. Ein Grund hierfür: Grassierende Korruption lässt das Geld in dunkle Kanäle fließen.

Fazit: Libyen ist ein Hotspot des internationalen Terrorismus, Drogenhandels und Menschenschmuggels. Die negativen Auswirkungen spüren vor allem Nachbarländer wie Ägypten und Tunesien, aber auch Mittelmeerstaaten wie Italien und Malta und damit die EU im Ganzen.

Indien-Pakistan-Konflikt

"Wir sind vorbereitet für einen Krieg" - immer wieder versetzen solche Botschaften von Militärs der beiden benachbarten verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan Millionen Menschen in Angst und Schrecken. Denn bereits viermal führten die beiden Staaten in den vergangenen 70 Jahren Krieg miteinander; zahlreiche weitere Grenzscharmützel in Jammu und Kaschmir nicht mitgerechnet. Ein erneutes Ausbrechen gewaltsamer Feindseligkeiten könnte katastrophale Folgen haben.

Der Grund: Indien und Pakistan zählen nach Informationen des Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI in Stockholm Jahr für Jahr international zu den größten Importeuren konventioneller Waffensysteme. Zudem verfügen beide Staaten über große Atomwaffenarsenale.

Fazit: Indien und Pakistan liefern sich einen hochbrisanten Rüstungswettlauf. Ebenso hochexplosiv ist die Rhetorik von Politikern und Militärs auf beiden Seiten. An vertrauensbildenden Maßnahmen hingegen herrscht völliger Mangel. Auch deshalb halten Sicherheitsexperten wie Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik den Konflikt zwischen Indien und Pakistan global betrachtet für den gefährlichsten schlechthin: "Die Gefahr ist groß, dass dieser Konflikt nuklear eskaliert."

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