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Größtes Land Lateinamerikas - Sieben Fakten über Brasilien

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Brasilien wählt einen neuen Präsidenten. Und kämpft gleichzeitig gegen steigende Armut, Korruption und die Zerstörung des Regenwalds. Ein Überblick mit sieben Fakten über das Land.

1. Das größte Land des Kontinents

Brasilien ist der größte Staat Südamerikas und gleichzeitig mit rund 207 Millionen Einwohnern das fünftgrößte Land der Welt. Die Präsidentschaftswahl hat deshalb Auswirkungen auf den gesamten Kontinent.

1822 erlangte Brasilien die Unabhängigkeit von Portugal. Bis heute ist Portugiesisch die Landessprache der Brasilianer. Die Hauptstadt des Landes ist Brasilia.

Karte: Brasilien
Karte: Brasilien
Quelle: ZDF

2. Ein Präsident - ohne Wahl

Brasiliens amtierender Präsident Michel Miguel Temer wurde nicht von der Bevölkerung in sein Amt gewählt. Er trat die Nachfolge von Dilma Rousseff an. Rousseff wurde 2014 demokratisch gewählt, allerdings im August 2016 durch ein Amtsenthebungsverfahren als Präsidentin entlassen. Ihr wurde vorgeworfen, Haushaltszahlen geschönt zu haben.

Die Parteienlandschaft in Brasilien ist stark zersplittert. Im aktuellen Parlament sitzen 26 Parteien. Die Regierungskoalition besteht aus elf Parteien.

Bei den kommenden Wahlen wird der Präsident durch eine absolute Mehrheit bestimmt. Das bedeutet, dass - aller Voraussicht nach - zwei Wahlgänge stattfinden werden. Die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen aus der ersten Wahlrunde treten im zweiten Wahlgang zu einer Stichwahl an. Der amtierende Präsident Michel Miguel Temer kandidiert jedoch nicht.

Brasiliens Staatschef Michel Temer grüßt am 25.10.2017 in Brasilia, Brasilien, nachdem er ein Krankenhaus verlassen hatte
Brasiliens Staatschef Michel Temer
Quelle: dpa

3. Korruption schwächt die Wirtschaft

Brasilien ist die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Allerdings hat das Land in den vergangenen Jahren unter einer starken Rezession gelitten, von der es sich nur langsam erholt. Hinzu kommen zahlreiche Korruptionsskandale von Regierungsmitgliedern, die in Verbindung zu privaten Unternehmen standen. Unter der Regierung Temer wurden zahlreiche Reformen zur Stabilisierung der Wirtschaft angestoßen. Dazu gehören Investitionen in die Infrastruktur und Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Die Arbeitslosenquote ist enorm hoch. Sie beträgt rund zwölf Prozent.

Brasilien gehört dem Binnenmarkt Mercosur an. Dieser besteht aus Brasilien, Uruguay, Paraguay und Argentinien. Zurzeit verhandeln diese Länder über ein gemeinsames Freihandelsabkommen mit Kanada und der Europäischen Union.

Die Handelsbilanz Brasiliens ist positiv. Das bedeutet, dass der Staat jährlich mehr exportiert (217 Mrd. Dollar), als er importiert (153 Mrd. Dollar).

Ernte von Sojabohnen in Brasilien
Der Soja-Anbau ist einer der größten Wirtschaftszweige des Landes.
Quelle: Reuters

4. Die Armut steigt

Brasiliens Bevölkerung ist ethnisch und kulturell sehr vielfältig. Die Mehrheit der Menschen ist römisch-katholischen Glaubens, allerdings finden protestantische Gruppen und Sekten immer mehr Zuspruch unter den Brasilianern. Die Armut in Brasilien ist in den letzten Jahren wieder gestiegen. Laut einer Studie der Weltbank wuchs der Anteil der Menschen unter der Armutsgrenze in Brasilien im Jahr 2017 um ca. drei Millionen. Insgesamt leben rund 20 Millionen Brasilianer in armen Verhältnissen. Die Ungleichheit in der Einkommensentwicklung ist eine der höchsten der Welt.

Hinzu kommt, dass sich der weitaus größte Teil der Bevölkerung in den Ballungsgebieten von Sao Paulo und Rio de Janeiro sowie an der Atlantikküste ansiedelt. Dort gibt es große Armutsviertel - sogenannte Favelas. Der deutlich größere Landesteil im Zentrum des Kontinents ist nur spärlich besiedelt.

Wohnhäuser in der Favela Santa Marta
Wohnhäuser der Favela Santa Marta in Rio de Janeiro.

5. Das Rennen um die Präsidentschaft

Die Brasilianer wählen einen neuen Präsidenten, aber der Favorit darf nicht antreten. Der frühere Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, der die Umfragen lange klar anführte, musste nach einer Verurteilung wegen der Annahme von Schmiergeldern für zwölf Jahre hinter Gitter. Seine Arbeiterpartei schickt an Lulas Stelle den Ex-Bürgermeister von Sao Paulo, Fernando Haddad, ins Rennen. Bei der Wahl am Sonntag tritt der 55-Jährige gegen den Rechtsaußen-Kandidaten Jair Bolsonaro an. Der von vielen als "Trump Brasiliens" bezeichnete Ex-Fallschirmjäger kommt in aktuellen Erhebungen auf 31 Prozent der Stimmen, gefolgt vom linken Haddad mit 21 Prozent. Im ersten Wahlgang dürfte keiner der beiden die absolute Mehrheit erringen. Bei der Stichwahl am 28. Oktober würde es laut Umfragen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen.

Ex-Präsident Lula - Brasilien
Ex-Präsident Lula
Quelle: ap

6. Regenwald vs. Soja

Ein großes Problem Brasiliens könnte nach der Wahl noch größer werden: die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes. Denn Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Soja. Die riesigen Sojafelder breiten sich immer weiter aus - auf Kosten des Waldes. Die Politik gibt regelmäßig neue Flächen des Amazonas-Regenwaldes zur Rodung frei. Und dort wo es keine Freigabe gibt, setzen Agrarunternehmen auf illegale Brandrodungen, um neue Anbauflächen zu erschließen.

Abgeholzter Regenwald in Brasilien
Abgeholzter Regenwald in Brasilien
Quelle: ap

7. Brasilien hat einen der schönsten Strände der Welt

Das behauptet zumindest das Reisportal "TripAdvisor". Die Website krönt jährlich die 25 schönsten Strände der Welt. Auf Platz zwei in diesem Jahr: der Strand Baia do Sancho in Brasilien. 2017 konnte der Strand sogar den ersten Platz belegen. Die schöne Bucht mit klarem und türkisfarbenen Wasser liegt jedoch nicht an der brasilianischen Atlantikküste, sondern auf einer kleinen, abgelegenen Insel vor dem Festland. Deshalb können jährlich nur wenige Touristen den Strand besuchen. Die Baia do Sancho ist somit noch immer eine vom Massentourismus verschonte Naturschönheit.

Strand Baia do Sancho in Brasilien
Der Strand Baia do Sancho in Brasilien.
Quelle: imago/robertharding

Zusammengstellt von Lukas Wilhelm mit Material von Reuters, dpa, kna, Auswärtiges Amt, United Nations und CIA.

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