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BND-Jubiläum - 70 Jahre Spionage-Geschichte

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Vor 70 Jahren begann in Pullach die Geschichte des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND. Hauptaufgabe damals: Ostspionage. Heute geht es vorrangig um internationalen Terrorismus.

Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin am 15.11.2017
Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin am 15.11.2017 Quelle: dpa

Es ist der 6. Dezember 1947. An diesem Tag bezieht Reinhard Gehlen, Ex-Major der Wehrmacht, mit handverlesenen Mitarbeitern die ehemalige "Reichssiedlung Rudolf Hess" in Pullach. Gehlen arbeitet im Dienst der amerikanischen Besatzer. Mit wertvollen Informationen über die russische Armee konnte er bei den Amerikanern punkten, weiß Buchautor und Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom.

Organisation Gehlen - Geheimdienst der Amerikaner

"Gehlen besaß Aktenschätze der Wehrmachstabteilung 'Fremde Heere Ost'. Diese waren für die amerikanischen Nachrichtendienste, die in den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs extrem schwach waren, von großer Bedeutung." In Pullach gründete Gehlen die nach ihm benannte "Organisation Gehlen". Für seine Hauptaufgabe Ostspionage holte er gezielt ehemalige NSDAP-Mitglieder nach Pullach. Und das ohne Einwände seiner amerikanischen Auftraggeber: "Die Amerikaner hatten ja in erster Linie ein Interesse daran, dass fachliche Kompetenzen, die in der Wehrmacht vorhanden waren, weiter angewandt werden für eine freie, westliche Welt. Deshalb hatten die Amerikaner damals wenig Berührungsängste", erklärt der heutige BND-Präsident Bruno Kahl.

Konrad Adenauer gründet den Bundesnachrichtendienst

Nach der Gründung des Bundesrepublik Deutschland drängte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer darauf, Gehlens Dienst unter deutscher Regie zu übernehmen. Zu groß war die Angst vor dem Erzfeind "Sowjetrussland", wie Adenauer die Sowjetunion nannte. So wurde am 1. April 1956 aus der "Organisation Gehlen" der Bundesnachrichtendienst (BND).

Bis zum Ende des Kalten Kriegs blieb die Ostspionage Kernaufgabe auch des BND und bis dahin gab es Befürchtungen vor einem territorialen Angriff Russlands. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs musste sich der BND erst wieder neu definieren. Allerdings, sagt BND-Präsident Bruno Kahl, "sind mit dem Ende des Kalten Kriegs die Gefahren nicht weniger geworden. Sondern im Gegenteil - die Anzahl der Konflikte, die Anzahl der Herausforderungen hat zugenommen." Diese neuen Herausforderungen waren zum Beispiel der Kampf gegen den internationalen Drogen- und Waffenhandel, der Kampf gegen Geldwäsche oder Nuklearschmuggel.

Der BND im Strudel der NSA-Affäre

In all den Jahren seiner Existenz geriet der BND immer wieder in die Kritik. Vor allem die Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowden 2013 sorgten für Furore und belasteten den Bundesnachrichtendienst. Die Affäre brachte ans Licht, dass der BND gezielt für die Amerikanische Sicherheitsbehörde NSA abhörte. Unter anderem Politiker in europäischen Nachbarstaaten. Geheimdienstexperte Eenboom fordert daher "eine sehr viel intensivere Fachaufsicht aus dem Bundeskanzleramt. Denn die ganzen Grenzüberschreitungen des BNDs bei der Kooperation mit der amerikanischen Abhörbehörde waren im Kanzleramt nicht bekannt."

Bei der derzeit größten Herausforderung, den internationalen Terrorismus, ist die Zusammenarbeit aller Geheimdienste jedoch unerlässlich, sagt BND-Chef Kahl: "Bei Gefährdern, die unterwegs sind, um Attentate zu begehen, geht es gar nicht anders, dass jeder Staat dem anderen mitteilt, über welches Wissen er verfügt und welche Warnhinweise er hat. So sind schon etliche Attentate in Deutschland und den benachbarten europäischen Ländern verhindert worden."

Technische Aufklärung weiterhin in Pullach

Im kommenden Jahr wird der Bundesnachrichtendienst mit der Mehrheit seiner Mitarbeiter in die neue BND-Zentrale nach Berlin umziehen. Doch viele Informationen und Analysen zum Beispiel im Kampf gegen den internationalen Terrorismus werden auch künftig aus Pullach kommen. Denn die Technische Aufklärung mit rund 1.000 Mitarbeitern wird in Bayern bleiben.

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