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70-jähriges Jubiläum - Happy Birthday, Saarland-Verfassung

Datum:

Als 1947 die Verfassung beschlossen wurde, war das Saarland relativ eigenständig - mit eigener Nationalelf. 70 Jahre später fühlt es sich besonders dem Europagedanken verpflichtet.

Die Verfassung des Saarlandes
Die Verfassung des Saarlandes Quelle: imago

Das Saarbrücker Rathaus hieß damals noch "Gouvernement Militaire de Sarrebruck" und in der Verfassungskommission waren außer den Saar-Politikern Johannes Hoffmann und Richard Kirn auch ein französischer Gouverneur und Mitglieder der französischen Führung. Die verfassungsgebende Versammlung beriet, dann war es soweit: Am 17.12. 1947 hatte das Saarland seine Verfassung.

Frankreich, Deutschland und das "Saargebiet"

Es war eine besondere Verfassung für ein besonderes Bundesland, das zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Bundesland war und auch so schnell nicht wurde. In der Präambel der Saar-Verfassung wurde festgelegt, dass das Saarland von Deutschland abgetrennt wird, ab nun wirtschaftlich zu Frankreich gehört und ansonsten eigenständig ist.

Freude in Frankreich, denn "La Sarre" war reich und wirtschaftlich stark, es gab ein hohes Kohleaufkommen und eine blühende Stahlindustrie. Den Saarländern ging es damals deutlich besser als vielen anderen Menschen in Deutschland und in Teilen Frankreichs. Und so hatten die Saarländer besondere Personalausweise, die im Laufe der Geschichte fünf Mal wechselten. Meist waren sie zweisprachig. Die Landesflagge 1947 zeigte ein weißes Kreuz auf blauem und rotem Hintergrund - bleu blanc rouge wie in Frankreich. Gezahlt wurde nach dem Krieg erst mit Saarfranken, dann mit französischen Francs. Noch heute denken übrigens einige Franzosen, dass das Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg eine französische Kolonie gewesen sei. Weit gefehlt!  

Eigene Fußballnationalmannschaft

Denn das Saarland hatte sogar eine eigene Fußballnationalmannschaft! Vier Jahre lang wurde die Saarland-Elf von Super-Trainer Helmut Schön trainiert. Beim Qualifikationsspiel für die WM im Jahre 1954 spielte Deutschland gegen Saarland (3:1), das Saarland konnte sich nicht qualifizieren. Dafür war die Saar-Nationalelf früher Mitglied im Fußballverband FIFA als Deutschland.

Die Grenzen des Saarlandes wurden mehrfach verschoben. Groß war es nie, flächenmäßig zumindest, aber die besondere Position zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg bestimmte von Anfang an das Leben im Saarland.

Erstes "neues Bundesland"

Der besondere "Saarstatus" mit der eingeschränkten Unabhängigkeit war nicht unumstritten. Es gab die Unabhängigkeitskämpfer und die Befürworter einer Angliederung an die BRD - es gab heftige politische Auseinandersetzungen. Deshalb kam es 1955 zur Volksabstimmung: Soll das Saarland unabhängig bleiben oder zur Bundesrepublik gehören? Die Mehrheit wollte in die BRD. Deutschland und Frankreich unterzeichneten einen "Vertrag zur Regelung der Saarfrage" und  am 1.1. 1957 wurde das Saarland dann zum ersten "neuen Bundesland" - man spricht auch von der "kleinen Wiedervereinigung". Damit wurde die historische Präambel hinfällig.

Wieder eine Verfassungsänderung also, insgesamt gab es davon 21. Sie alle haben die Grundlagen für das geschaffen, was das Saarland heute ist. Eine der bedeutendsten Änderungen gab es 1992. Da schrieb das Saarland als erstes deutsches Bundesland den Europagedanken in seine Verfassung. Der amtierende Justizminister Stephan Toscani (CDU) ist darauf noch heute stolz. "Die Landesverfassung ist das zentrale Dokument unseres Landes. Sie bildet die Grundlage für das Zusammenleben, gibt die Werte wieder, der sich eine Gesellschaft verschrieben hat" sagt Toscani. Er ist auch Minister für Europa, seine Frau ist Französin - typisch saarländisch.

 Deutsch-französischer Alltag

In den Ministerien arbeiten Deutsch-Franzosen, das Saarland hat ein eigenes Repräsentationsbüro in Paris, und das Land hat eine eigene "Frankreichstrategie", auch das gibt es sonst nirgendwo in Deutschland. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass das Saarland in den nächsten Jahrzehnten zweisprachig sein möchte. Wichtige deutsch-französische Behörden wurden im Saarland angesiedelt, es gibt zweisprachige Kinderkrippen, Schulen, Universitäten.

Samstags hört man in der Saarbrücker Innenstadt mindestens genausoviel Französisch wie Deutsch, auf dem Weihnachtsmarkt gibt es saarländische Fleischwurst, aber auch Saucisson aus dem Nachbarland. Morgens früh am deutsch-französischen Gymnasium: "Bonjour, ca va?" "Oui! Hast Du die Mathehausaufgaben?" - selbstverständlich wechseln die Kinder zwischen beiden Sprachen.

Europaorientiert

Auf dem Weg von einer Stadt in die andere überquert man manchmal sogar mehrmals die Grenze - merkbar nur an den Straßenschildern und an der Geschwindigkeitsbegrenzung, 130 km/h auf den französischen Autobahnen. Das Saarland ist "das französischste Bundesland Deutschlands" - weltoffen und europaorientiert. Denn der Europagedanke steht nicht nur in der Verfassung, er wird hier täglich gelebt.

So auch in Perl. Der kleine Winzerort liegt gleich neben dem Ort Schengen in Luxemburg, der durch das gleichnamige Abkommen bekannt ist. Ein Teil der Schengener Weinberge wiederum liegen auf französischem Boden, gleich gegenüber von den Weinbergen des Perler Winzers Thomas Schmitt. Schmitt hat gemeinsam mit einem luxemburgischen und einem französischen Kollegen einen Wein gemacht: "Schengener Eck" heißt der - gelebtes Europa. "Unsere Großväter haben sich hier bekriegt, unsere Väter haben irgendwie nebeneinander gelebt, wir arbeiten zusammen und unsere Kinder gehen gemeinsam in die Schule", sagt Schmitt. Das ist zwar kein Zitat aus der saarländischen Verfassung, trotzdem hängt das alles ziemlich direkt zusammen.

Flaggen zum Geburtstag

Heute gibt es im Saarbrücker Schloss einen großen Festakt zum Verfassungsgeburtstag. Künftig wollen Staatskanzlei und Landtag regelmäßig einen Tag der offenen Tür organisieren, um den Bürgern ihre Verfassung näher zu bringen - und ab jetzt werden an jedem 17. Dezember landesweit die Saarland-Flaggen wehen.

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