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Siemens- und Alstom-Fusion - IG Metall sieht in Zug-Allianz "europäische Chance"

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Die IG Metall hat die geplante Fusion der Zugsparten von Siemens und Alstom als mögliche "europäische Chance" bezeichnet. Mit der deutsch-französischen Zugfusion treiben die Unternehmen die lange erwartete Konsolidierung in der Branche voran. Der harte Wettbewerb zwinge die Hersteller zum Handeln.

Auf der Hauptversammlung in München kann Siemens-Chef Joe Kaeser gute Zahlen vorlegen. Allein in Deutschland sollen dieses Jahr Tausende neue Stellen entstehen. Dafür sind an anderen Standorten Arbeitsplätze bedroht.

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"Der Zusammenschluss führt zu einem europäischen Konzern mit guten Erfolgschancen im harten globalen Wettbewerb", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Jürgen Wechsler. Umfangreiche Zusicherungen von Siemens stellten sicher, "dass die Beschäftigten dabei keine Nachteile erleiden".

Der ICE-Hersteller Siemens und sein französischer Konkurrent Alstom hatten am Dienstag verkündet, ihre Zugsparten zusammenzulegen und einen europäischen Eisenbahngiganten zu schmieden. Dafür unterzeichneten die beiden Konzerne eine Absichtserklärung über die Zusammenlegung ihrer Mobilitätsgeschäfte im Rahmen "einer Fusion unter Gleichen".

Wirtschaftsminister: Ohne Mut gäbe es Airbus nicht

Bedenken gegen die Fusion hat Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zurückgewiesen. "Das ist eine gute Nachricht für Alstom", versicherte Le Maire am Mittwoch vor Journalisten in Paris. Frankreich habe solide Garantien erhalten, was den Erhalt der Beschäftigung und der Standorte im Land angeht. In der französischen Opposition gibt es Kritik, weil der deutsche Siemens-Konzern an dem vereinten Bahn-Hersteller eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent halten wird. "Man verscheuert ein industrielles Aushängeschild", so der konservative Politiker Laurent Wauquiez.

Le Maire verwies auf die Konkurrenz des chinesischen Zug-Giganten CRRC: Es gehe darum, die Kräfte Frankreichs und Deutschlands zu vereinen, um Marktanteile zu erobern und ebenso dynamisch und stark zu sein wie der chinesische Konkurrent. Mit dem Zusammenschluss der Bahn-Sparten von Siemens und Alstom entstehe die weltweite Nummer zwei im Bahn- und Signaltechnikgeschäft. "Falls einige nicht den Mut gehabt hätten, die Kräfte Frankreichs und Deutschlands in der Luftfahrt zu vereinen, gäbe es kein Airbus, das mit Boeing rivalisieren kann", argumentierte Le Maire.

Sorge um Stellenabbau

In der französischen Presse wird der Deal teilweise als "delikat" bezeichnet, "Le Figaro" sprach von einer "bitteren Pille". Schließlich ist der von Alstom produzierte Hochgeschwindigkeitszug TGV ein industrielles Aushängeschild des Landes, das damit in deutsche Hände kommt. Zumal die frühere Gasturbinensparte von Alstom erst vor wenigen Jahren an den amerikanischen Großkonzern General Electric verkauft wurde.

Und die Fusion weckt auch Ängste vor einem Verlust von Arbeitsplätzen. Einsparpotenziale könnten sowohl im Einkauf als auch im Vertrieb und Projektmanagement zu heben sein - das könnte nach dem Ende der Beschäftigungsgarantien auch einen Stellenabbau nach sich ziehen - schon kursieren erste Schätzungen von rund 3.000 Jobs, die dann ins Wanken kommen könnten. Siemens beschäftigt in Deutschland rund 13.500 Menschen im Zuggeschäft, vor allem an den Standorten Krefeld und Braunschweig sowie unter anderem in München-Allach, Erlangen und Berlin. Bei Alstom sind es in Deutschland rund 3.000 Beschäftigte, davon arbeitet ein Großteil in Salzgitter.

Zweifel an Einspareffekten

Analysten zweifeln angesichts politischer Rücksichtnahmen und des Verhaltens der Kunden an den Einspareffekten der Fusion von Alstom und Siemens im Zuggeschäft. Die binnen vier Jahren erwarteten 470 Millionen Euro an Synergieffekten machten einen "überambitionierten Eindruck", urteilte Deutsche-Bank-Analyst Gael de-Bray am Mittwoch. Knapp die Hälfte davon wäre realistischer. Der größte Teil der Synergien sei in der Signaltechnik zu erreichen, dagegen könnte Siemens Alstom im Zuggeschäft sogar verlieren, weil Kunden ihre Aufträge lieber auf mehrere Anbieter verteilten. Eine Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörden zu der Fusion sei wahrscheinlich, so de Bray.

Den Unternehmensplänen nach sollen die Konzernzentrale und die Geschäftsführung der Bahnsparte im Großraum Paris angesiedelt sein, Berlin soll zentraler Firmensitz der Sparte Mobilitätslösungen werden. Vorstandschef des neuen Unternehmens wird Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge.

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