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Jobabbau und Werksschließungen - "Jede Menge Druck" gegen Siemens-Pläne

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Siemens fährt Rekordgewinne ein, dennoch sollen Tausende Jobs wegfallen und Werke schließen. Die IG Metall wirft dem Konzern "Vertragsbruch" vor und will "jede Menge Druck" machen.

Siemens-Mitarbeiter protestieren am 16.11.2017 in Görlitz (Sachsen)
Frust bei den Siemens-Beschäftigten: Proteste im sächsischen Görlitz. Quelle: dpa

Der Frust bei den Beschäftigten über die Siemens-Pläne ist groß. Schon zur Verkündung der umstrittenen Pläne am Donnerstag gab es erste Proteste, weitere sind geplant. So hat die IG Metall heute zu einer Demonstration gegen die drohende Schließung des Siemens-Standorts Offenbach aufgerufen. Auch im Berliner Dynamowerk ist eine Kundgebung geplant.

Der Münchener DAX-Konzern hatte die Streichung von weltweit 6.900 Stellen angekündigt, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Die Werke in Görlitz und Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen sollen komplett geschlossen werden. In Berlin stehen insgesamt 870 Stellen auf der Streichliste, am Standort Mülheim an der Ruhr sollen 640 Stellen wegfallen. Auch Offenbach gilt als hoch gefährdet, weil die Kraftwerksplanung im gut 200 Kilometer entfernten Erlangen konzentriert werden soll.

"Jede Menge Druck"

Als Grund für die Einschnitte nannte Siemens schlechte wirtschaftliche Perspektiven für die Sparten Kraftwerksbau und Antriebstechnik. Der Chef der IG Metall Berlin, Klaus Abel, warf dem Konzern "Vertragsbruch" vor. Er bezog sich auf Zusagen des Unternehmens aus dem Jahr 2008 zu Standort- und Jobgarantien. Sollte der Konzern seine Kürzungspläne durchsetzen wollen, "muss er sich auf enormen Widerstand einstellen", sagte Abel im "Tagesspiegel". Abel kündigte "jede Menge Druck" an, unter anderem mit Demonstrationen und der Vorstellung von Konzepten zur profitablen Weiterentwicklung von Standorten.

Die Schließungspläne für Görlitz und Leipzig haben auch in Sachsen Empörung ausgelöst. Die IG Metall kündigte an, die Pläne nicht hinnehmen zu wollen. Man werde "alles dafür tun", dass der Standort Görlitz erhalten bleibe, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto.

Für den 23. November sei eine Demonstration in Berlin mit 300 Mitarbeitern des Turbinenwerks geplant. In Leipzig hatten am Donnerstag schon vor Bekanntwerden der Kürzungspläne 300 Mitarbeiter für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes demonstriert, wie die Gewerkschaft mitteilte. Am Abend versammelten sich mehrere Dutzend Angestellte vor dem Görlitzer Werk zu einer Art Mahnwache.

Vom Jobabbau betroffene Sparten

IG Metall: Siemens muss Pläne zurücknehmen

In Berlin sollen im Dynamowerk 570 Arbeitsplätze wegfallen, im Gasturbinenwerk in Berlin-Moabit ist der Abbau von etwa 300 Stellen geplant. Die IG Metall kündigte an, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Siemens-Chef Joe Kaeser habe "erst letzte Woche Rekordgewinne verkündet. Die seit zehn Jahren geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung, die Kündigungen und Standortschließungen ausschließt, wird von Siemens mit Füßen getreten", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel. "Wir fordern Herrn Kaeser auf, die Pläne für Schließungen und Stellenabbau zurückzunehmen."

Erlangens Bürgermeister Florian Janik, sprach im Bayerischen Rundfunk von einem "gewaltigen Arbeitsplatzabbau am Standort Deutschland" insgesamt. An dem Standort seien 120 Jobs bedroht. Er habe die "klare Erwartung an das Unternehmen", dass das ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehe und die Menschen eine Perspektive bekämen, sagte der SPD-Politiker. "Siemens ist jetzt in der Pflicht."

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