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Jahreszahlen vorgelegt - Bei Siemens läuft es nur halbrund

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Die Flaute im Kraftwerksgeschäft funkt dem Elektrokonzern dazwischen: In seinen anderen Sparten, vor allem im Bahnsektor, ist Siemens aber gut unterwegs. Die Börse honoriert das.

Joe Kaeser (r), Vorstandsvorsitzender von Siemens, und Ralf Thomas, Finanzvorstand von Siemens am 08.11.2018 in München
Konzernumbau, Krise im Kraftwerksgeschäft, Ringen um einen Milliardendeal im Irak - die Aufgaben für Siemens-Chef Joe Kaeser (rechts) sind groß.
Quelle: dpa

In München herrscht zum Ende des Geschäftsjahres 2017/2018 (30. September) zwar nicht eitel Sonnenschein, jedoch spürbare Erleichterung. Der Weltkonzern Siemens bleibt in der Spur und verdient 6,12 Milliarden Euro - etwas weniger als im Vorjahr. Der weltweite Umsatz legte auf 83 Milliarden Euro zu; das verdankt man dem gut laufenden Bahngeschäft, wo allein ein Auftrag für weitere ICE-4-Züge im Wert von 600 Millionen Euro keinen Arbeitsmangel aufkommen lässt.

Siemens will mit Zuggeschäft viel erreichen

Siemens hat bekanntlich mit dieser Sparte noch Großes vor: Das Zuggeschäft soll mit dem des französischen Konkurrenten Alstom zusammengelegt werden, sobald die Brüsseler Wettbewerbshüter zustimmen. In China, dem wichtigsten Exportmarkt, haben die dortigen Kartellbehörden bereits grünes Licht gegeben.

Am Ende soll Siemens Dachgesellschaft für drei Geschäftsbereiche werden: Mobility, Power & Gas und industrielles Geschäft. Einige Töchter, darunter die Medizintechnik, hat Siemens bereits zu Teilen an die Börse gebracht. Genau genommen begann dieser Prozess schon vor vielen Jahren mit der Abspaltung der Chipherstellung, die unter der Dachmarke Infineon im Dax-Index börsennotiert ist.

Siemens hat damit offenbar eher als andere die Notwendigkeiten des weltweiten Geschäfts erkannt - das Gegenbeispiel findet sich mit General Electric (GE) in den USA. Der einst weit vorn liegende Technikgigant und Siemens-Angstgegner ist nur noch ein Schatten seiner selbst, muss aus schierer Not seine Geschäftsbereiche versilbern und taumelt möglicherweise der Insolvenz entgegen.

Kraftwerkssparte läuft nicht rund

Zwar erscheint Siemens, vor allem verglichen damit, grundsolide - so dass der alte Spruch, das Unternehmen sei eigentlich eine Bank mit angeschlossenem Elektroladen, zumindest nicht völlig danebenliegt. Um Sorgen muss man sich aber schon angesichts der wahren Vielfalt der Geschäftsfelder nicht extra bemühen. In diesen Tagen ist es die Kraftwerkssparte, die wegen weltweiter Überkapazitäten nicht mehr rundläuft; Tausende Stellen sind bereits gestrichen oder stehen auf dem Spiel, und der Konzernumbau in diesem Sektor kostet richtig Geld.

Im letzten Quartal des Geschäftsjahres sorgte das für einen Gewinnrückgang auf 681 Millionen Euro, und davon stammen allein 236 Millionen aus dem Bahngeschäft. Nur in sehr speziellen Sektoren der Gasturbinenherstellung kann man dagegen noch etwas verdienen. Das Turbinenwerk in Görlitz bekommt dies zu spüren, dort wird abgebaut, während in den USA Großturbinen für den amerikanischen Kontinent gefertigt werden sollen.

Der Geschäftsbereich leidet außerdem unter den Krisen der Welt: Die US-amerikanische Handelspolitik ist da nur ein Lieferant für Kopfzerbrechen. Bangen muss Siemens noch um einen wahrhaft riesigen Auftrag aus dem Irak: Dort bewerben sich die Münchener wie auch GE aus den USA um den Aufbau des Stromnetzes. Hinter den Kulissen wird da heftig gerungen, aber nichts Genaues weiß man nicht. Außer vielleicht, dass die Amerikaner auf begleitenden Druck ihrer Regierung gegenüber dem Irak hoffen dürfen. Ob der Ruf deutscher Wertarbeit dies ausgleichen kann, wird wohl demnächst offenbar werden.

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