Sie sind hier:

UN-Vollversammlung - Gabriel: Großer Auftritt, ungewisse Zukunft

Datum:

Es ist Sigmar Gabriels erste Teilnahme an einer UN-Generalversammlung als Außenminister - und es könnte auch seine letzte sein. Es kann aber auch so kommen, wie Gabriel es sich wünscht. In Richtung Trump macht Gabriel eine klare Ansage.

Sigmar Gabriel würde auch nach der Bundestagswahl gern Außenminister bleiben. In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung in New York bringt er sich dafür in Stellung. Trumps "Amerika zuerst" hält er "internationale Verantwortung zuerst" entgegen.

Beitragslänge:
21 min
Datum:

Hin und wieder wird Außenminister Sigmar Gabriel in New York dann doch auf die bevorstehende Bundestagswahl angesprochen. Wann sie denn nun genau sei, und was man erwarten könne, wird er dann gefragt. Aber nur so nebenbei. Es gibt so viele bedrohliche Krisen auf dieser Welt, dass eine Wahl in einem der wohlhabendsten und stabilsten Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen hier im UN-Hauptquartier nur eine kleine Randnotiz ist.

Nach mehr als 50 Auftritten in Deutschland hat sich Gabriel in der Schlussphase des Wahlkampfs eine Auszeit genommen, um für 48 Stunden erstmals an der UN-Generalversammlung teilzunehmen - natürlich in dem Wissen, dass solche Auftritte auf der großen Weltbühne mehr Punkte für die SPD bringen können als jede Wahlkampfrede zu Hause.

Gabriel: Weltpolitik keine Arena

Die einwöchige Veranstaltung in New York jeden September gilt als größte Kontaktbörse der Weltpolitik. Gabriel nutzt sie zu Gesprächen über den Atomstreit mit Nordkorea, den Flüchtlingsbrennpunkt Libyen, die UN-Reform, Hilfe für Afrika, die Ukraine-Krise und vor allem: das Atom-Abkommen mit dem Iran, das wegen der Unzufriedenheit von US-Präsident Donald Trump zu platzen droht.

Gabriel, der nach Abschluss des historischen Vertrags 2015 der erste westliche Spitzenpolitiker war, der Teheran besuchte, hält die Quertreiberei der USA für eine Katastrophe. Er nutzt seinen Aufenthalt in New York vor allem dafür, Druck auf die USA zu organisieren und richtet scharfe Worte an Trump. "Für die amerikanische Politik scheint eher die Idee zu sein, dass die Weltpolitik eine Arena ist, eine Kampfbahn, wo der Stärkere sich gegen den weniger Stärkeren durchsetzt", sagt er. "Das ist das Gegenteil unserer europäischen Idee."

Gabriel will nach der Wahl weitermachen

In das Manuskript für seine erste Rede vor der UN-Vollversammlung baut er demonstrativ einen ehemaligen US-Präsidenten ein, mit dessen Ideengerüst er sich eher Identifizieren kann: John F. Kennedy.

Für Gabriel ist New York auch eine Reise ins Ungewisse. Verabschieden muss er sich dort von seinen Amtskollegen jedenfalls noch nicht. Ob es eine zweite Amtszeit für ihn geben wird, weiß man vielleicht erst in einigen Wochen. Was er selbst will ist klar: weitermachen. Daraus hat er seit seinem Überraschungscoup im Januar, als er Martin Schulz Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz überließ, nie ein Geheimnis gemacht.

Gabriel wirbelt Außenpolitik durcheinander

In den vergangenen acht Monaten hat sich sein Gefallen an dem Amt von Tag zu Tag gesteigert - parallel zu seinen Beliebtheitswerten in den Umfragen. Mit extrem hohem Tempo, oft unkonventionellen Ideen und seiner undiplomatischen Art hat Gabriel die deutsche Außenpolitik zwar nicht auf den Kopf gestellt, aber zumindest durcheindergewirbelt.

Vizekanzler und Wahlkämpfer

Gabriel hat als Außenminister aber nicht nur Außenpolitik gemacht, sondern in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit vorwiegend Wahlkampf. Die These, als Vizekanzler und Chefdiplomat könne man die Kanzlerin nicht attackieren, hat er eindrucksvoll widerlegt - und dem Kanzlerkandidaten damit so manches Mal die Schau gestohlen. Zwar beteuert Gabriel, das jedes seiner Interviews mit Schulz abgesprochen sei. Trotzdem gibt es so manchen in seiner Partei, der von der Dauerpräsenz des Außenministers auf allen Kanälen leicht genervt ist.

Doch wie geht es nun nach der Wahl weiter? Zwar hat Gabriel im Wahlkampf Front gegen die Große Koalition gemacht. Sie ist für ihn aber auch die einzige realistische Chance, Außenminister zu bleiben. In allen anderen Konstellation würde eine andere Partei den Chefdiplomaten stellen.

Schulz könnte Gabriel den Job streitig machen

Aber auch in einem Bündnis mit der Union gibt es keine Garantie, dass Gabriel seinen Job behalten kann. Parteichef Schulz könnte ihn für sich beanspruchen und an seiner Stelle Vizekanzler werden.

Für den Fall, dass die SPD in die Opposition geht, baut Gabriel jetzt schon vor. In einem Interview des Online-Journalisten Tilo Jung sagte er kürzlich, der wichtigste Posten sei für ihn nicht Bundeskanzler, Bundespräsident oder Minister, sondern der frei gewählte Abgeordnete.

Und falls alle Stricke reißen, hat er noch eine andere Option parat. Bei der niedersächsischen Volkshochschule habe er noch einen ruhenden Arbeitsvertrag, scherzt Gabriel. Dort hatte er vor Beginn seiner Parlamentarierkarriere 1990 Deutsch für Ausländer unterrichtet. "Wenn es schief geht jetzt am 24. September, kann ich wieder anfangen. Wird ja gebraucht."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.