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Berlusconi im Wahlkampf - Der Cavaliere steht noch

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Nicht der schon wieder, denkt da mancher: Silvio Berlusconi macht wieder Wahlkampf in Italien. Trotz körperlicher Schwäche ist der 81-Jährige sogar überraschend erfolgreich.

Silvio Berlusconi
Silvio Berlusconi Quelle: Getty Images

Zwei Stunden intensives Training im Schwimmbad und im Fitnessstudio - das perfekte Mittel für Silvio Berlusconi, um nach anstrengenden Tagen im Wahlkampf wieder zu sich zu kommen. So erklärt es zumindest der Arzt von Italiens mehrfachem Ex-Ministerpräsidenten. Es gehe dem 81-Jährigen schon wieder gut, also macht euch keine Sorgen, soll das heißen. Nach Ermüdungserscheinungen hatte Berlusconi diese Woche Interviewtermine abgesagt und eine Pause einlegen müssen. Nicht nur in seiner Partei wirft das die Frage auf, ob der "Cavaliere" den stressigen Wahlkampf überhaupt durchhalten kann.

Der Multimillionär hat wieder enormes Oberwasser, was angesichts seiner skandalumwitterten vier Amtszeiten und dem Imageschaden für sein Land für außenstehende Betrachter erstaunlich genug ist. Die Allianz seiner konservativen Forza Italia mit der ausländerfeindlichen Lega-Partei und mit den rechtspopulistischen Fratelli d'Italia liegt in Umfragen mit rund 37 Prozent vorne. Sollte das Bündnis bei den Wahlen am 4. März eine regierungsfähige Mehrheit bekommen, wäre Berlusconis Rehabilitation perfekt - auch wenn er selbst wegen einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung nicht kandidieren darf.

Berlusconi: "Mir geht es wirklich gut."

Doch dass Berlusconis Gesundheitszustand nicht der beste ist, ist kein Geheimnis. Im Sommer 2016 hatte er eine Herz-OP, später folgten immer wieder Krankenhaus-Besuche. Öffentlich tritt der Mailänder Medien-Unternehmer im Wahlkampf fast gar nicht auf - geführt wird der vor allem in seinen Sendern, wo ihn keine kritischen Fragen erwarten, und in sozialen Netzwerken, wo er seine Botschaften und Wahlversprechen ganz nach seinem Geschmack in das Land sendet.

Auch wenn die Presse über ein "Geheimnis um Berlusconis Schwächeanfall" zu berichten weiß: Er selbst versichert, es gehe ihm blendend. Er habe sich nur ein wenig bei der Zusammenstellung der Wahllisten überanstrengt. "Es tut mir leid, unsere Konkurrenten zu enttäuschen, aber mir geht es wirklich gut und ich habe lediglich zwei Tage pausiert", so seine Botschaft. "Opa geht es gut", schrieb die Zeitung "Corriere della Sera".

Berlusconi hat das Vakuum geschickt genutzt, das sich nach dem Sturz des damaligen sozialdemokratischen Regierungschefs Matteo Renzi im vergangenen Jahr aufgetan hat: Es fehlt in Italien eine Führungsperson, die die Menschen aus ihrer Politikverdrossenheit herausholen könnte. Der Spitzenkandidat der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio: zu brav, zu uncharismatisch, zu wankelmütig. Renzi: Nach seinem kometenhaften Aufstieg ist sein Stern verglüht, der 43-Jährige gilt als einer der unbeliebtesten Politiker des Landes. Der Chef der Lega, Matteo Salvini: Ein Mann, der mit fremdenfeindlichen Parolen polarisiert. An Frauen mangelt es im Wahlkampf bei den großen Parteien unterdessen gänzlich.

Kandidat Tajani nur ein Schachzug Berlusconis?

Berlusconi hat es geschafft, sich als "Elder Statesman" zu verkaufen. Gerne brüstet er sich damit, dass er auch international wieder hoch angesehen sei. Er sei der Einzige, der Italien vor den Fünf Sternen bewahren kann, die er selbst als "Sekte" bezeichnet hat und die auch in Brüssel wegen eurokritischer Positionen skeptisch beäugt werden.

Das große Rätsel bleibt: Wenn die Silvio-Allianz wirklich gewinnen würde, wer würde dann den Regierungschef machen? Berlusconi hat den derzeitigen Präsidenten des Europa-Parlaments, Antonio Tajani, auserkoren. Doch dies könnte nur ein Schachzug sein, mit dem er sich einen europafreundlichen Anstrich geben will. Tajani als EU-Freund würde der europafeindlichen Lega aber nur schwer passen.

Berlusconi wieder an der Macht? Bei vielen in Brüssel keine Traumvorstellung, auch wenn die Forza Italia das immer wieder betont. "Wir setzen darauf, dass die italienischen Wählerinnen und Wähler vermeiden wollen, Berlusconi zum italienischen Kaczynski zu machen, der aus dem Hinterzimmer über Mittelsleute rechtspopulistische Politik ohne offizielles Amt betreibt", sagte Jens Geier, deutscher Europaabgeordneter der SPD, mit Bezug auf Polens Rechtspopulist Jaroslaw Kaczynski.

Mit dem Alter punkten

Und auch viele Auslands-Italiener schauen mit Sorge auf ihre Heimat. Dass einer wie Berlusconi, der das Land dem Staatsbankrott nahe gebracht hat, immer noch die Strippen ziehe, sei "eine Schande", sagte Schriftstellerin Lisa Mazzi, die in Deutschland lebt und ein Frauen-Netzwerk gegründet hat. "Jahrzehntelang hat er die Menschen manipuliert."

Dass er auch trotz Ermüdungserscheinungen weiter erfolgreich Einfluss ausübt, daran besteht kein Zweifel. Berlusconi versuche, sein Alter nicht mehr zu vertuschen, sondern es geschickt zu nutzen, sagte Antonio Noto, Direktor eines Umfrageinstituts, der Zeitung "La Repubblica". Er könnte damit Mitgefühl für eine "leidende" Person im fortgeschrittenen Alter auslösen, die sich erneut aufopfere.

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