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#ZDFcheck17 - Mit Sprüchen und Konterfei in die Regierung?

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Seit Wochen sind Bäume und Laternenmasten überall mit Wahlplakaten behängt. Alle Parteien haben im Wahlkampf auf die klassische Form des Werbens gesetzt. Aber um den politischen Gegner ins falsche Licht zu rücken, werden auch Slogans verfremdet, Aussagen gefälscht oder Lügen verbreitet.

Bei den Grünen sind es auf Anfrage von #ZDFcheck17 rund 300.000 – bei den Linken über 400.000 Plakate, die im Wahlkampf eingesetzt worden sind. Und auch SPD, CDU/CSU und FDP haben Sprüche und Bilder in den Hunderttausenden in der Bundesrepublik verteilt. Union und Sozialdemokraten bleiben dabei mit ihren Leitsprüchen "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" und "Zeit für Gerechtigkeit" eher unkonkret. Die Grünen besinnen sich auf ihre Wurzeln mit Umweltthemen und dem Slogan "Darum Grün", die Linke bleibt ebenfalls ihren Kernthemen treu mit Schlagworten zu Pflege, Rente, Armut. Die AfD setzt auf traditionelle deutsche Werte. Besonders auffällig haben die Liberalen ihre Kampagne 2017 gestaltet: Schwarz-weiß-Fotos und gelbe Schrift in pinken Balken. Dreh- und Angelpunkt der FDP-Kampagne: Spitzenkandidat Christian Lindner.

Der klare Blick auf die Themen

Mehrere Millionen Euro investieren alle Parteien in den Wahlkampf insgesamt. Mit rund 5 Millionen Euro gibt die FDP da noch am wenigsten aus. Bei der SPD sind es rund 24 Millionen Euro – bei der Union insgesamt fast 30 Millionen Euro. Aus diesen Budgets wird auch die Plakatwerbung finanziert: Die Parteien gehen also von einer Wirkung aus. Kommunikationswissenschaftler glauben, dass Plakate das Wahlverhalten auch weiterhin beeinflussen. So erklärt Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Uni Hohenheim, dass Wähler durch Plakate hauptsächlich auf Themen aufmerksam gemacht werden sollen. Besonders sollen die Wähler vor der Wahl an die Themen denken, in den die jeweilige Partei als kompetent gilt. "Das geht am besten mit klar gestalteten Bildplakaten, einem Schlüsselbegriff und der Parteizuordnung", so Brettschneider.

Der Hauptvorteil des Plakatwahlkampfes laut Brettschneider: Plakate sind omnipräsent und werden von fast allen Menschen wahrgenommen. "Der Social-Media-Wahlkampf dient hingegen eher dazu, bestimmte Zielgruppen zu erreichen." Im Wesentlichen gehe es dort um die Mobilisierung der eigenen Anhänger. Fakt ist: Während Plakate für alle Bevölkerungsgruppen sichtbar sind, kann man in sozialen Netzwerken ganz gezielt einzelne Gruppen ansteuern. Nur die Männer zwischen 35 und 55 Jahren in westdeutschen Städten sollen angesprochen werden? Kein Problem: Auf Facebook richtet man sich mit passenden Postings genau an diesen Personenkreis. Darüber hinaus sind über ein Drittel der deutschen Wahlberechtigten laut Bundeswahlleiter über 60 Jahre alt und von daher schwieriger über Twitter, Instagram und Co. zu erreichen. Mit Plakaten geht das leichter.

Mit Photoshop Plakate "umdesignen"

Die Verfälschung von Wahlplakaten hat während des Wahlkampfes durchaus wilde Blüten getrieben. Der Verein " Recht und Freiheit" will mit einer großangelegten Kampagne die AfD unterstützen. Dabei hat er auf ein Bild des CSU-Politikers Franz Josef Strauß zurückgegriffen. Er würde die AfD wählen, heißt es auf einem Plakat im blauen Design der AfD. Die Familie Strauß distanzierte sich klar von dem Motiv. Gegenüber dem "Münchner Merkur" vom 8. September stellte Strauß-Sohn Franz Georg klar: "Mein Vater würde auf gar keinen Fall AfD wählen."

Die FDP-Plakate wurden an vielen Stellen als Vorlage benutzt. Motto: gleiches Bild, geänderter Text. So sorgten die Grünen mit einer gezielten Twitter-Kampagne  gegen die Liberalen unter dem Hashtag #lindnersprueche für Aufruhr. Der grüne Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin postete unter anderem ein Plakat, auf dem FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner zu sehen ist, mit der Aufschrift "Freie Fahrt für freie Porsche-Fahrer? Eigentlich wollte ich nie was anderes." Verkauft wurde die Aktion der Grünen als Satire. Die FDP empfand das Vorgehen unzulässig – hat aber von rechtlichen Schritten abgesehen.

Auch die SPD ist Opfer umgestalteter Plakate geworden. Jasmin Fahimi zum Beispiel, Staatssekretärin im Bundesarbeits- ministerium, wurde auf einem gefälschten Plakat die Aussage "Der Islam ist deutsch" untergeschoben. Auch dieses Plakat wurde in den sozialen Netzwerken verbreitet. Verantwortlich bei diesem Fake: Uwe Ostertag. Unter der Kennzeichnung "In Satira Veritas" hat Ostertag während der Wahl mehrere Plakate verändert und Politikern Aussagen untergeschoben.

Wozu das alles?

Für Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider soll mit all diesen Verfremdungen ein klares Ziel erreicht werden: "Damit soll zum einen der Urheber des Ursprung-Plakates diskreditiert oder lächerlich gemacht werden", sagt er. "Zum anderen sollen damit die eigenen Anhänger mobilisiert werden." Die Aktionen seien ein typischer Bestandteil des sogenannten Negative Campaigning.

Ohne belastbare Zahlen zu nennen, geht Brettschneider davon aus, dass die Verfremdungen von Plakaten in den letzten Jahren zugenommen haben. Grund: Mit digitalen Vorlagen kann alles leichter bearbeitet werden und das frühere Bemalen von aufgestellten Plakaten wird dadurch abgelöst.

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