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Vor dem Verkehrskollaps - Singapur begrenzt Kfz-Zulassungen

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Was in Deutschland undenkbar erscheint, ist in Singapur Realität geworden: Die Regierung hat die Zahl der KfZ-Zulassungen eingefroren - um dem Verkehrsinfarkt zu entkommen.

Obwohl im Stadtstaat Singapur, der so groß wie Hamburg ist, dreimal mehr Menschen leben, gelingt es der Regierung den Verkehr effektiv zu leiten.

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Für jedes neue Auto muss seit 1. Februar ein anderes abgemeldet werden. Beim Kauf eines neuen Autos haben die Bewohner lediglich die Möglichkeit, eine Lizenz zu ersteigern – allerdings ist das Angebot begrenzt und die Nachfrage enorm. Das sogenannte "Certificate of Entitlement" (kurz: COE) kostet umgerechnet bis zu 35.000 Euro. Auch für die vielen wohlhabenden Singapurer ist das kein Schnäppchen. Dennoch prägen zahlreiche Luxuskarossen das Stadtbild. Denn für viele Einheimische ist ein großes Auto schlicht ein Statussymbol.

Teure Lizenz zum Fahren gilt zehn Jahre

Die begehrte Lizenz zum Fahren ist zehn Jahre lang gültig. Danach steht der Autobesitzer vor der Entscheidung: Will er wieder tief in die Tasche greifen, um das COE zu verlängern? Oder will er sein Auto verschrotten? Zweimal im Monat können die Einheimischen online ihr begehrtes Zertifikat ersteigern - und müssen bangen, eines zu ergattern.

Mit dem Kauf der Lizenz sind allerdings noch nicht alle Kosten gedeckt. Wer ins Stadtzentrum fährt, zahlt zudem Straßengebühren, die während der Rush Hour um ein Vielfaches ansteigen.

Autofahrer sollen auf ÖPNV umsteigen

Ist damit Autofahren in Singapur nun nur noch ein Luxusvergnügen für Reiche? Dass Geld den Verkehrsfluss regelt, hält der Singapurer Verkehrsexperte Walter Theseira dennoch für die beste Methode: "Als Autofahrer verursache ich Luftverschmutzung und Staus. Solange ich dafür bezahle, ist es ein fairer Deal."

Warum hat Singapur diesen Autozulassungstopp erlassen? Im Stadtstaat kommen auf 5,6 Millionen Einwohner lediglich 575.000 Autos. Zudem ist in den vergangenen Jahren die Anzahl bereits um 60.000 gesunken. Das ist im Vergleich zu Deutschland wenig - dort besitzt jeder Zweite ein Auto.

Das Hauptproblem ist der fehlende Platz für den Ausbau der Verkehrswege: Zwölf Prozent der Fläche des Stadtstaates sind Straßen, mehr geht nicht. Walter Theseira sagt: "Der einzige Weg, mehr Menschen in einer so engen Stadt wie Singapur zu transportieren, ist, sie für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern."

Mit der Bahn billig von A nach B

So fördert Singapur den Ausbau des U-Bahn- und Bussystems mit erheblichen Mitteln. Im Vergleich zu deutschen Großstädten sind Fahrten mit der U-Bahn im Stadtzentrum billig. Für Busse und Lastwagen gilt die neue Verordnung übrigens nicht; deren Anzahl darf weiterhin jährlich um 0,25 Prozent steigen.

Und was sagt die Bevölkerung? Sie blickt der neuen Regelung mit gemischten Gefühlen entgegen. "Als Autobesitzerin gefällt mir die Regelung nicht, da es für mich sehr teuer wird", sagt Juanita Quek. Die Jaguar-Fahrerin fügt hinzu: "Allein schon Benzin, Straßen- und Parkgebühren sind hier teuer." Allerdings, so die Geschäftsfrau, sei der Zulassungsstopp für die Umwelt gut. Der Bankmitarbeiter Rakesh Ranjan sagt: "Ich finde diese Regelung in Ordnung, denn bislang stand ich in der Rush Hour im Stau." Den Vorwurf, Autofahren sei nur noch etwas für Reiche in Singapur, sieht er gelassen: "Jeder kommt hier billigst und schnell mit der Bahn von A nach B."

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