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Der Singapur-Gipfel aus US-Sicht - Eigenwerbung oder echte Veränderung?

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Donald Trump will vom Gipfel in Singapur unbedingt mit einem Erfolg heimkommen. Dabei birgt ein schlechter Deal mit Kim Jong Un ein großes Risiko für den Umgang mit Nordkorea.

Donald Trump verlässt am 10. Juni 2018 die Air Force One in Singapur
Donald Trump verlässt am 10. Juni 2018 die Air Force One in Singapur Quelle: reuters

"Vorbereitung? Ich bin bestens vorbereitet. Ich denke, ich muss mich nicht gesondert vorbereiten. Es geht hier doch eher um Einstellung. Um den Wunsch, Dinge zu verändern." So rechtfertigte Präsident Trump kurz vor dem geplanten Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un seine Herangehensweise an dieses historische Treffen: Über Tage und Wochen, so heißt es, habe Donald Trump wenig Interesse gezeigt an den Briefings zum Atomprogramm Nordkoreas, die ihm seine Mitarbeiter mit zunehmender Dringlichkeit unterbreiten wollten. Trump will Machtpolitik machen so wie er in seinem früheren Leben Immobiliengeschäfte ausgehandelt hat - impulsgetrieben, von Mann zu Mann, im direkten Verkaufsgespräch. Der Instinkt zählt, nicht Stichwortkarten.

Es gibt zahlreiche Gründe, sorgenvoll, mindestens angespannt auf den anstehenden Gipfel in Singapur zu schauen. Nordkoreas Machthaber wird kein wahrhaftes Interesse haben, seine Atomwaffen aufzugeben, die ihn nun auf die Weltbühne katapultiert haben, die ihm die Möglichkeit geben, so wunderbar Druck auszuüben. Und: Solche Waffenkontroll-Deals brauchen Details und Vorbereitung auf unteren Ebenen. In beides wollte Trump keine Zeit investieren, dafür hatte er keine Geduld.

Größter Dealmaker aller Zeiten?

Trump will das Treffen. Und sei es nur, um mit einem historischen Handshake, mit einer dünnen Abschlusserklärung aufzutrumpfen, er hätte Historisches erreicht, etwas, was seine Vorgänger nicht geschafft hätten, den Friedensnobelpreis für sich in Aussicht stellend. Er will dieses Treffen, um sich als besten Dealmaker aller Zeiten zu beweisen.

Neben seinem Ego treibt Trump allerdings ein zweites Motiv. Seit vielen Jahrzehnten singt er das Klagelied, die USA dürften von anderen Nationen nicht mehr ausgenommen werden. Dazu zählt er auch Südkorea, das in seinen Augen für seinen militärischen Schutz heute selber sorgen können müsste. Entsprechend will er die US Truppen aus Südkorea nach Hause holen.

Trump will den Gipfel unbedingt. Viele in Washington sagen, er wolle den Gipfel zu sehr. Das sei riskant. So senkte er bereits zuvor die Ansprüche und Vorbedingungen für ein Treffen, die die US-Seite mal formuliert hatte. Man gewährt den Nordkoreanern nun einen Gipfel, ohne dass Kim klar und deutlich eine De-Nuklearisierung in Aussicht gestellt hätte. Trump spricht nicht mehr von einem Treffen, das den Durchbruch bringen soll, sondern von einem "Prozess". Alles Punkte für Kim, ohne dass der dafür etwas liefern musste.

Risiko: Unausgegorene Vereinbarung

Und so sorgen sich erfahrene Asien- Experten in Washington, erst recht solche, die Nordkorea am Verhandlungstisch in der Vergangenheit erlebt haben, dass ein übereifriger Trump auf dem Gipfel eine schlechte Vereinbarung produzieren könnte. Eine, die ihm kurzfristig lobende Schlagzeilen einbringen könnte. Eine Vereinbarung jedoch, die Kim keine exakten, konkreten, an Zeitpläne gebundenen Zusagen abringt, wie er sein Atomarsenal zurückfahren wird. Das Risiko: ein dünnes Papier, mit nur vagen Aussagen der Nordkoreaner. Daraufhin würde es schwer werden, gemeinsam mit China das Sanktionsregime aufrechtzuerhalten. Kim hätte viel gewonnen - wirtschaftliche Erleichterung und Akzeptanz als Player auf der Weltbühne. Den Abbau der Atomwaffen könnte er danach hinauszögern, die USA hinhalten. Für die Sicherheit der USA und der Welt jedoch wäre damit nicht viel gewonnen.

Trump realisiert in diesen Tagen vor dem Gipfel, dass eine komplette Abrüstung Nordkoreas schwierig werden könnte, eine rasche erst recht. Und so hört man von ihm zusehends, dass er die Idee eines Friedensvertrages mit Nordkorea als mögliches Ziel dieses Gipfels formuliert. Der böte ihm eine elegante Möglichkeit, ein Ergebnis vorzuweisen und außerdem in der Folge die US-Truppen aus Südkorea abzuziehen, auch wenn er damit Südkorea als Verbündeten vor den Kopf stoßen würde. Doch das große Wort "Frieden" sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Ein Vertrag, der die De-Nuklearisierung nicht klärt, wäre kein zufriedenstellendes Ergebnis dieses Gipfels. Nichts wäre für die USA gewonnen.

Und so setzen viele in Washington darauf, dass nach dem großen Event-Gipfel zwischen Trump und Kim die wahrhaftige Arbeit beginnt - die Arbeit von Außenminister Mike Pompeo und seinem Team, das Kleingedruckte herauszuarbeiten. Sollte das Trump-Kim-Treffen einen solchen Prozess in Gang setzen, könnte der Gipfel doch noch gute, gehaltvolle Ergebnisse bringen. Nur eben erst Jahre nach dem 12. Juni 2018.

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