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Sipri-Bericht - Rüstung: Große Konzerne machen Rekordumsätze

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Vom Aufrüsten vieler Staaten profitiert die Waffenindustrie - neben US-Rüstungsriesen melden laut Sipri-Friedensforschungsinstitut auch deutsche Konzerne große Umsatzsprünge.

Archiv: Ein Kampfpanzer "Leopard 2 A6" fährt am 02.10.2013 bei einer Bundeswehrübung in Bergen, Niedersachsen
Der Kampfpanzer Leopard 2 ist auf dem Rüstungsgütermarkt sehr begehrt. Aber die Bundesregierung erteilt nicht für jeden Interessenten eine Freigabe. Quelle: dpa

Globale Unsicherheit, Nervosität und eine wachsende Zahl von Konflikten bescheren vielen der 100 größten Rüstungskonzerne der Welt Rekordumsätze durch den Verkauf von Nuklearwaffen, Panzern, Unterseebooten, Fregatten, Kampfflugzeugen, Granaten und Gewehren. Das zeigen neue Daten des unabhängigen Internationalen Friedensforschungsinstituts "Sipri", das am heutigen Montag in Stockholm seinen Jahresbericht vorstellt.

US-Waffenindustrie profitiert von Politik der Obama-Regierung

Demnach setzten die international größten 100 Waffenschmieden 2016 (die Zahlen für 2015) mit Waffenverkäufen insgesamt 374,8 Milliarden US-Dollar um. Eine Trendwende nach fünf Jahren in Folge mit gesunkenen Umsätzen. Vor allem die marktbeherrschenden US-Rüstungsriesen wie Lockhead Martin, Boeing und Northrop Grumman verzeichneten starke Umsatzanstiege - begünstigt auch durch die Haushaltspolitik der US-Regierung unter Barack Obama.

"Die Obama-Regierung hat diese Entwicklung mit ihren Budgetplänen für den Kauf von Rüstungsmaterial vorbereitet", sagt Sipri-Forscherin Aude Fleurant auf heute.de-Nachfrage. "Obama war zum Beispiel derjenige, der das Programm zur Modernisierung des Nuklear-Arsenals der US-Armee aufgelegt hat", so Fleurant. Der erst im Januar 2017 ins Amt gekommene US-Präsident Donald Trump habe dagegen kaum Einfluss auf die aktuellen Zahlen.

Weltmarktanteil der größten Waffenverkäufer (Herkunftsländer der Rüstungsfirmen)
Weltmarktanteil der größten Waffenverkäufer (Herkunftsländer der Rüstungsfirmen) Quelle: Internationales Friedensforschungsinstitut „Sipri“, Stockholm, 2017

US-Rüstungskonzerne dominieren den internationalen Markt

Allerdings, so schränkt Fleurant ein, habe Trump bereits während des Wahlkampfs seine Haltung zum Militär und zur US-Rüstungsindustrie klargemacht. Davon ist er im Amt als US-Präsident nicht abgewichen. Die Konzerne dürften sich also weiter auf prächtige Geschäfte mit dem Staat freuen.  

Insgesamt stiegen die akkumulierten Waffenverkaufsumsätze der größten US-Rüstungskonzerne 2016 um vier Prozent auf 217,2 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die westeuropäischen Anbieter im Sipri-Ranking setzten im gleichen Zeitraum 91,6 Milliarden um, die russischen 26,6 Milliarden.

Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann profitieren stark

In westeuropäischen Ländern gibt es keinen einheitlichen Trend: Während die Rüstungsindustrie insbesondere in Frankreich und Italien zuletzt weniger Geld verdient hat, boomt das Geschäft in Großbritannien und in Deutschland. So wuchsen die Umsätze der von Sipri gelisteten deutschen Rüstungskonzerne insgesamt um 6,6 Prozent auf sechs Milliarden US-Dollar.

Vor allem Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann stechen hervor: Laut Sipri-Daten steigerten diese Unternehmen ihre Umsätze 2016 um 13,3 Prozent beziehungsweise 12,8 Prozent. Beide profitierten demnach einerseits von Aufträgen der Bundeswehr. So beliefert Rheinmetall die deutschen Streitkräfte mit gepanzerten Fahrzeugen.

Die größten Rüstungskonzerne der Welt
Die größten Rüstungskonzerne der Welt Quelle: Internationales Friedensforschungsinstitut „Sipri“, Stockholm, 2017

Deutsche Konzerne rüsten Katar auf

Laut Sipri-Bericht beliefert der Konzern außerdem den Transportpanzer "Fuchs" nach Algerien, wichtige Teile wie etwa die Kanone des "Leopard 2"-Panzers nach Katar - und auch Munition in Länder des Mittleren Ostens. Krauss-Maffei Wegmann profitiert von Verkäufen des Leopard-2-Panzers an Katar.

Dagegen sind ThyssenKrupps Geschäfte mit Marine-Rüstungsmaterial nach Rekordumsätzen 2014 zuletzt etwas zurückgegangen. "Große Geschäfte mit Singapur, Ägypten und Israel laufen zwar weiter", sagt Sipri-Forscher Pieter Wezeman, allerdings habe ThyssenKrupp einen Wettbewerb um einen großen Rüstungsauftrag aus Australien verloren.

Mit Sorge beobachten die Sipri-Forscher die Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel. "Der Konflikt mit Nordkorea und die gestiegenen Gefahrenempfinden sorgen in Südkorea seit Jahren für eine steigende Produktion von Waffen und Militärmaterial", erklärt Wezeman. Der politische Konflikt habe einen starken Ausbau der südkoreanischen Rüstungsindustrie befeuert.

Ein "blinder Fleck" in der internationalen Sipri-Statistik bleibt weiterhin Chinas aufstrebende Rüstungsindustrie. Der Grund: Chinas Waffenschmieden machen keine oder nur unzureichende Angaben über ihre Verkäufe.

Die weltweiten Militärausgaben sind 2016 erneut gestiegen. Wie das in Stockholm ansässige Friedensforschungsinstitut Sipri mitteilte, gaben die Staaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 0,4 Prozent mehr für Rüstung aus.

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