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Sipri-Friedensforscher - Weltweiter Waffenhandel nimmt zu

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Der Handel mit Großwaffen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen - das rechnet das Friedensforschungsinstitut Sipri vor. Deutschland steht auf Platz vier der Exporteure.

Das U-Boot «Rahav» liegt am 24.04.2015 im Dock der Werft Thyssen Krupp Marine Systems in Kiel (Schleswig-Holstein )
Deutscher Exportschlager. U-Boot der Dolphin-Klasse Quelle: dpa

In den vergangenen fünf Jahren wurden zehn Prozent mehr Großwaffen exportiert und importiert als im Zeitraum 2008 bis 2012. Das geht aus dem jüngsten Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri hervor. Rund drei Viertel der Exporte gingen dabei auf das Konto der fünf Haupt-Waffenexporteure - die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und China.

Im Detail bleiben die USA der mit Abstand größte Waffenlieferant - mit einem Anteil von 34 Prozent an den Exporten. Das Land verzeichnete einen Zuwachs um ein Viertel im Vergleich der Berichtszeiträume 2008-2012 und 2013-2017. Auch übertreffen die US-Exporte die Russlands um 58 Prozent. Russlands Exporte wiederum waren zuletzt etwas rückläufig.

Deutschlands Exporte rückgängig

Die US-Exporte "erreichten 2013 bis 2017 ihr höchstes Niveau seit den späten 1990er Jahren", erklärte die Sipri-Expertin Aude Fleurant. Die Zuwächse gehen auf Verträge zurück, die unter US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama geschlossen wurden. Weitere im vergangenen Jahr geschlossene Großverträge sichern den USA demnach auch in den kommenden Jahren ihre Spitzenposition.

Westeuropäische Staaten und die EU insgesamt kommen auf einen Anteil von 23 Prozent am weltweiten Handel mit Großwaffen im Zeitraum 2013-2017. Deutschlands Exporte gingen um 14 Prozent zurück. Regional betrachtet war laut Sipri ein deutlicher Zuwachs bei deutschen Lieferungen nach Nahost zu verzeichnen: um 109 Prozent. Die drei größten Kunden für deutsche Großwaffensysteme waren 2013 bis 2017 Südkorea (14 Prozent), Griechenland (elf Prozent) und Israel (8,7 Prozent).

Weltmarktanteil der größten Waffenverkäufer (Herkunftsländer der Rüstungsfirmen)
Weltmarktanteil der größten Waffenverkäufer (Herkunftsländer der Rüstungsfirmen) Quelle: Internationales Friedensforschungsinstitut „Sipri“, Stockholm, 2017

China exportiert mehr

Im Berichtszeitraum 2008-2012 hatte Deutschland unter den Top fünf noch Rang drei vor Frankreich inne. Frankreichs Exporte jedoch zogen zuletzt um 27 Prozent an. 42 Prozent der Waffenexporte gingen dabei nach Nahost. Mit Abstand größter Empfänger französischer Großwaffensysteme war Ägypten.

Chinas Exporte nahmen indes um 38 Prozent zu. Der Löwenanteil der Ausfuhren ging dabei in die Region Ozeanien. Größter Bezieher chinesischer Waffen war Pakistan. China weitet nach Sipri-Angaben seine Fähigkeiten zur Herstellung modernen Hightech-Systeme zusehends aus. Das führt unter anderem zu einem Rückgang der Importe um 19 Prozent im Vergleich der Berichtszeiträume.

Riad langt zu

Weltweit größter Importeur ist Indien mit einem Anteil von zwölf Prozent am Handel. Die Importe des Subkontinents wuchsen um 24 Prozent, größter Lieferant war Russland. "Die Spannungen zwischen Indien auf der einen sowie Pakistan und China auf der anderen Seite heizen Indiens Nachfrage nach größeren Waffensystemen an, die es selbst nicht herstellen kann", erklärte Sipri-Forscher Siemon Wezeman.

Saudi-Arabien folgt auf Platz zwei, im Vergleich zum Zeitraum 2008 bis 2012 steigerte das Königreich die Importe um 225 Prozent. Europa verzeichnete einen Rückgang um 22 Prozent. Es folgen Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und China. Indien und China gehörten bereits zuvor zu den Top fünf. Die USA stehen bei den Importeuren an 14. Stelle, größter Lieferant ist hier Deutschland.

Die größten Rüstungskonzerne der Welt
Die größten Rüstungskonzerne der Welt Quelle: Internationales Friedensforschungsinstitut „Sipri“, Stockholm, 2017

Export-Boom trotz Menschenrechtsverletzungen

Konflikte in Nahost und Spannungen in Asien waren Triebkräfte für einen besonders starken Anstieg der Importe in diese beiden Regionen. Die weit verbreiteten Konflikte im Nahen Osten sowie Sorgen über Menschenrechtsverletzungen hätten in Westeuropa und den USA zu Debatten über Beschränkungen im Waffenhandel geführt, so die Sipri-Forscher. Dennoch blieben die USA und europäische Staaten die Hauptexporteure für diese Region und hätten beispielsweise mehr als 98 Prozent aller von Saudi-Arabien importierten Waffen geliefert.

Saudi-Arabien ist dabei der mit Abstand größte Kunde der USA mit einem Gesamtvolumen von 18 Prozent der US-Waffenexporte. Das entsprach einer Steigerung um 448 Prozent im Vergleich der beiden Berichtszeiträume. Besonders Länder der Nahost-Region bezogen US-Waffen - mit einem Anteil von knapp 50 Prozent am Gesamtvolumen. Es folgen Ozeanien, Europa, Lateinamerika und Afrika.

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