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Krise beendet, Probleme bleiben - Die Griechen profitieren nicht vom Wachstum

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Die Athener Regierung feiert das Ende des Kreditprogramms. Für die griechische Bevölkerung bleibt die Lage jedoch kritisch. Die alten Probleme lähmen das Land.

Modiano-Markt im Zentrum von Thessaloniki
Der Modiano-Markt im Zentrum Thessalonikis soll verkauft werden. Doch hohe Steuern und viel Bürokratie schrecken Investoren ab. Quelle: Florian Schmitz

Die meisten Ladenlokale im Modiano-Markt in Thessaloniki sind leer. Schon lange steht die Immobilie im Zentrum der zweitgrößten Stadt Griechenlands zum Verkauf. Doch wie die meisten Privatisierungsvorhaben gibt es auch hier kaum Fortschritte. Darüber wundert sich der 65-jährige Argyris Vekos nicht. Er ist einer der wenigen Geschäftsleute, die dem Traditionsmarkt noch nicht den Rücken gekehrt haben. Sein Restaurant ist gut besucht. Die Kassen klingeln, doch privat hat er davon kaum etwas.

Thessaloniki - Restaurant Besitzer Argyris Vekos
Restaurantbesitzer Argyris Vekos kämpft trotz guter Geschäfte um das Überleben. Quelle: Florian Schmitz

"Dieser Staat funktioniert einfach nicht", beklagt Vekos. Von schlechter Organisation allein könne man gar nicht reden. Alles sei chaotisch, korrupt und willkürlich. Und dann der ewige Kampf mit dem Finanzamt. "Warum soll man überhaupt ein Geschäft kaufen oder mieten? Die Steuern lassen kaum etwas vom Gewinn übrig." Die Euphorie des griechischen Premierministers Alexis Tsipras über das Ende des Kreditprogramms teilt er nicht. "Wir werden sehen, ob sich ab jetzt tatsächlich etwas verbessert", erklärt der Restaurantbesitzer nüchtern.

Pessimismus anstatt Aufbruch

Wie ihm geht es vielen Menschen in Thessaloniki. Dabei befindet sich die Stadt im Aufschwung. Gerade in den letzten Jahren haben Touristen Nordgriechenland für sich entdeckt. Die nahegelegene Urlaubsregion Halkidiki zieht immer mehr Besucher an. Viele Türken kommen nach Thessaloniki, um das Geburtshaus von Kemal Atatürk zu besuchen. Und am Wochenende tummeln sich auf der zentralen Einkaufsstraße Tsimiski kaufkräftige Kunden aus den benachbarten Mazedonien und Bulgarien.

Doch auch hier greift der Fiskus tief in die Tasche der Bürger. "Wir arbeiten eigentlich nur, um Steuern zu zahlen", erklärt eine Ladenbesitzerin. Die Situation habe sich diesbezüglich sogar verschlimmert. Dass die Regierung im fernen Athen das Ende der Krise feiert, ist ihr ein Rätsel. Das zögerliche Wirtschaftswachstum macht sich bei den Wenigsten bemerkbar. "Wir werfen unser Geld in ein schwarzes Loch, das sie Staatsschulden nennen. Und dafür bekommen wir nichts zurück. Keine staatliche Unterstützung", moniert die Ladenbesitzerin.

Kein Vertrauen in die Zukunft

Und nicht nur Selbständige haben es nach wie vor schwer. Auch der Arbeitsmarkt bietet trotz positiver Entwicklung wenig Perspektiven - weder für die, die Arbeit suchen, noch für die Angestellten. Der 29-jährige Dimitris arbeitet als Barista in einem Café. Dafür bekommt er den Mindestlohn: 3,40 Euro pro Stunde. Selbst für Vollzeitbeschäftigte reicht das nicht zum Leben. Eigentlich hat er Betriebswirtschaft studiert, doch eine Arbeit, mit dem er seine Lebenshaltungskosten tragen könnte, hat er nicht gefunden.

"Die eigentliche Krise ist doch, dass wir jungen Menschen jetzt für die Misswirtschaft der Vorgängergeneration zahlen. Und diese Krise ist ganz sicher nicht vorbei, auch wenn das Kreditprogramm ausläuft." Trotzdem bemüht sich Dimitris, positiv in die Zukunft zu schauen. Doch wie die meisten Menschen ist auch er enttäuscht. Die Hoffnung, dass sich in seinem Land durch die Krise etwas ändern könnte, hat er verloren. "Die meisten meiner Freunde sind ausgewandert, nach Deutschland oder nach England. Wenn Du hier keine Kontakte hast, wirst Du nie auf einen grünen Zweig kommen."

Für die Menschen in Thessaloniki bestimmen die Auswirkungen der Krise auch weiterhin den Alltag. Sparmaßnahmen anstelle von Demokratie und einem funktionierenden Staat. Nach erfolgreicher Beendigung des Kreditprogramms scheinen die Werte Europas entfernter denn je.

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