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Fipronil-Rückstände - Belgien: Viel ist faul beim Eierskandal

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Am Wochenende wurde bekannt, dass die belgische Behörden bereits seit Anfang Juni im Skandal um Fipronil-Eier ermitteln. Lückenlose Aufklärung fordert Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und will heute mit seinem belgischen Kollegen telefonieren.

Belgische Behörden waren bereits seit Anfang Juni über einen Fipronil-Verdachtsfall bei Eiern informiert. Sie hielten die Information wegen der laufenden Ermittlungen zunächst zurück.

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Anfang Juni schon meldet ein Geflügelzuchtbetrieb aus dem belgischen St. Niklaas Fipronil in Eiern. Die Agentur für Sicherheit der Lebensmittelkette, FAVV, informiert  die Staatsanwaltschaft. Die ermittelt erstmal. Belgische Tests ergeben, dass die Konzentration von Fipronil weit unter der für den Menschen gefährlichen Grenze liegt.  Darum werden keine Eier aus dem Handel genommen, auch keine Betriebe blockiert und die Öffentlichkeit wird schon gar nicht informiert.

Alles unter Kontrolle?

Doch auch das Frühwarnsystem der EU wird nicht eingeschaltet. Es dauerte über einen Monat, bevor am 20. Juli die europäischen Partner in Kenntnis gesetzt werden. All das scheint der EU-Kommission unbekannt, sonst hätte deren Sprecherin wohl letzte Woche kaum behauptet, alles sei unter Kontrolle.

Es erinnert sehr an die Dioxinkrise 1999. Dabei wollte man doch aus ihr lernen: schneller benachrichtigen, besser koordinieren, Produzenten, aber vor allem die Verbraucher besser schützen. Die FAVV, eingerichtet nach dem Dioxinskandal, gehört zum Landwirtschaftsministerium und nicht zum Gesundheitsministerium. Spekulationen werden laut, man hätte dem Geflügelsektor nicht unnötig schaden wollen.

"Poultry-Vision" im Visier

Im Visier der Ermittler steht  "Poultry-Vision" im belgischen Weelde. Der Betrieb liefert Reinigungsmittel, die Fipronil enthalten. Der Eigentümer wurde immer wieder verhört. Sein Anwalt Pieter Helsen besteht darauf, es sei klar gewesen, dass man es nur für Gebäude, nicht aber für Ställe benutzen dürfe. Extra gewarnt wurde davor aber nicht. "Es ist für alle professionellen Nutzer dieses Produkts deutlich, was es beinhaltet, und natürlich ist es ihre Verantwortung nachzuschauen, wofür sie das benutzen wollen", sagt Helsen.

Laut Medienberichten wurden auf einem anderen Gelände des Betriebs im belgisch-niederländischen Grenzdorf Baarle-Hertog 6.000 Liter Fipronil gefunden. Die belgischen Behörden bestätigen das nicht und berufen sich auf Geheimhaltung während der laufenden Ermittlungen. Doch aus der Buchhaltung von Poultry-Vision geht hervor: Der Belgier kaufte in Rumänien große Mengen eines Mittels namens Fiprocid - und das schon 2016. Wichtigster Bestandteil ist Fipronil.

Untersuchungen laufen auf Hochtouren

Fast zeitgleich verkaufte er ein Reinigungsmittel namens Fyprorein an die niederländische Firma Chickfriend. Veröffentlicht hat all das eine niederländische Zeitung. Auch in den Niederlanden läuft die Untersuchung auf Hochtouren.

Chickfriend warb damit, Blutläuse des Federviehs mit ätherischen Ölen und mit nur einer Anwendung zu bekämpfen. Der Firmensitz ist ein Privathaus in Barneveld. Der Besitzer wurde schon über eine Woche nicht mehr gesehen. Die Website ist offline.

Chickfriend hatte eine Genehmigung für Gebäude-Reinigungsarbeiten, nicht aber für Läusebekämpfung in Ställen. Doch immerhin 180 Zuchtbetriebe standen deswegen auf der Kundenliste. Alle Betriebe wurden kontrolliert, die meisten gesperrt, die Eier aus dem Handel genommen. Doch auch andere Geflügelzüchter, die nicht auf der Kundenliste standen, haben sich von Chickfriend helfen lassen. Sie haben sich den letzten Tagen freiwillig bei den Behörden gemeldet, darum wurden am Wochenende weitere Eierchargen zurückgerufen. 170 Seriennummern sind nun betroffen.

Kontrollmechanismen haben versagt

Auch mindestens vier deutsche Betriebe waren Kunden bei Chickfriend, außerdem wurden Millionen Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert. Alle Seiten betonen immer wieder, dass der in den Eiern angetroffene Fipronilwert um ein Zehnfaches unter der Alarmgrenze liegt und viele fragen sich: Warum dann diese ganze Aufregung?

Nun zum einen, weil diese Chemikalie gar nichts in den Eiern zu suchen hat - sie ist verboten. Zum anderen ist der Zeitpunkt brisant. In Deutschland wird bald gewählt und die Niederlande bilden immer noch eine neue Regierung. Und natürlich macht sich genau in der Sommerzeit so ein Thema ganz vortrefflich.

Die Verbraucher sind verunsichert, die Geflügelbranche ist in der Not. Es gilt Konsequenzen zu ziehen, denn Kontrollmechanismen in Belgien und den Niederlanden haben versagt. Ein europäisches Schnellwarnsystem nutzt wenig, wenn es zu spät eingeschaltet wird. Nach und nach kommen immer neue Fakten ans Licht. Nicht auszuschließen ist, dass das verbotene Mittel schon viel länger im Einsatz war, als bisher angenommen.

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