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Sklavenfriedhof in der Bronx - Verschüttet, vergessen, wiederentdeckt

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Vor 100 Jahren schüttet New York einen alten Sklavenfriedhof zu. Nun haben Schüler und Lehrer ihn nicht nur neu entdeckt - sie wollen ihn auch wieder sichtbar machen.

Archiv: Sklavenfriedhof in der Bronx, New York, aufgenommen am 19.12.2017
Die Grabsteine der Weißen stehen noch - die Gräber der Sklaven wurden verschüttet.
Quelle: ZDF

Lastwagen donnern auf der mit Schlaglöchern übersäten Strasse. In dem Industriegebiet reihen sich Lagerhallen, Schrotthändler und Autowerkstätten aneinander. Der kleine Park zwischen Drake Car Repair und Ferreira Auto Recycling ist menschenleer. Kahle Bäume, eine Rasenfläche, ein Betonpfad. Hinter einem hohen Zaun stehen ein Dutzend alte, verwitterte Grabsteine. Ein Schild erklärt, dass hier die Familien Hunt, Leggett und Willett begraben sind. Im 18. Jahrhundert gehörte ihnen das umliegende Ackerland, das von Sklaven bewirtschaftet wurde.

Sklavenfriedhof im Park

Ein paar Häuserblöcke vom Park entfernt liegt die Public School 48. Zwei Lehrer, Justin Czarka und Philip Panaritis, stießen 2014 eher zufällig auf ein altes Schwarzweißfoto von 1905. Es zeigt Gräber. Aber nicht die der weißen Sklavenhalterfamilien, sondern die ihrer schwarzen Sklaven. Nachforschungen ergaben, dass es einige hundert Meter entfernt vom Friedhof der Familie Hunt auch einen Sklavenfriedhof gegeben hat.

"Als die Stadt New York 1909 den Joseph Rodman Drake Park hier anlegte, blieb der Friedhof der weißen Familien erhalten. Die Gräber ihrer Sklaven wurden verschüttet und vergessen. Ihre Geschichte wurde ausgelöscht", sagt Justin Czarka. Gemeinsam mit seinem Kollegen rief er das "Hunts Point Slave Burial Ground Project" ins Leben. "Wir wollen, dass an diese Menschen erinnert wird."

"Teil unserer Geschichte"

Die Schüler der PS 48 sind eng eingebunden in das Projekt. Sie erforschen im Unterricht alte Karten der Gegend und vermessen vor Ort die noch vorhandenen Grabmäler. Anhand alter Zensusdokumente haben sie herausgefunden, dass 1790 mindestens 136 Sklaven in Hunts Point gelebt und gearbeitet haben. 1827 wurde die Sklaverei in New York verboten. Rassismus und Diskriminierung sind 200 Jahre später allerdings längst nicht verschwunden.

"Das alles ist Teil unserer Geschichte", erklärt Janice, eine Schülerin in einem Projekt-Video. Manche Schüler wohnen schon lange hier in der Südbronx, andere sind gerade erst angekommen. Sie sprechen Englisch, Chinesisch, Spanisch, Arabisch. Das Projekt hat mit Familien, die hier gelebt haben zu tun, mit ihrer Herkunft und Erinnerung. "Das verbindet uns alle", sagt Janice.

Mithilfe von 50.000 Dollar Spendengeldern und dank des Einsatzes lokaler Politiker, konnten Experten im Sommer dieses Jahres eine professionelle archäologische Studie durchführen. Die Studie bestätigt, was Czarka, Panaritis und ihre Schüler vermutet hatten: Ein tief in den Boden eindringendes Radarsystem fand Grabschächte und die Reste mehrerer Särge.

Denkmal für die vergessenen Sklaven

Die Infotafel am Zaun im Park wurde inzwischen ergänzt. Hier liegen die weißen Landbesitzer begraben, heißt es, aber auch "das Kindermädchen, die Schneiderin, der Feldarbeiter, Schmied, Koch und Kutscher, deren unbezahlte Arbeit den Reichtum der Ländereien in dieser Gegend möglich machte."

Die Schüler möchten allerdings noch mehr. Eine Erinnerungstafel zum Beispiel oder ein Denkmal. Ausserdem haben sie Vorschläge zur Verschönerung des Parks gemacht: Sie wollen Parkbänke aufstellen, Abfalleimer und einen Wasserspender. "So wie der Park heute aussieht, kommt niemand hierher", meint Czarka. "Aber wenn hier Bänke stehen kommen mehr Menschen, nutzen sie, schauen sich um, erfahren etwas über den Ort und die Menschen, die hier gelebt haben."

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