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Skripal-Attentat - Streit mit London: Moskau will bald antworten

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Russland will im Streit mit Großbritannien wegen des Skripal-Attentats wohl schon bald reagieren. Die Gegenmaßnahmen wolle man erst London mitteilen, dann der Öffentlichkeit.

Archiv: Sergej Lawrow, aufgenommen am 08.03.2018
Sergej Lawrow Quelle: imago

Der Konflikt zwischen London und Moskau droht weiter zu eskalieren. Russlands Reaktion auf die britischen Sanktionen wird nach Angaben des Kremls nicht lange auf sich warten lassen. Das Außenministerium und andere Behörden schlügen Schritte vor; die endgültige Entscheidung werde Präsident Wladimir Putin treffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, nach denen Russland in Kürze mit der Ausweisung britischer Diplomaten beginnen werde. Das wurden allerdings bisher noch nicht bestätigt. Eine Ausweisung britischer Diplomaten aus Russland gilt jedoch als eine wahrscheinliche Option. Russische Politiker hatten zuletzt immer wieder von einer "symmetrischen Antwort" gesprochen.

Die Regierung in London hat bereits wegen des Attentats auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt und unter anderem 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Auch die USA machen Russland für den Gift-Anschlag verantwortlich.

Macron sieht Russland als Urheber

Der französische Präsident Emmanuel Macron sieht Russland ebenfalls als Urheber des Giftgasanschlags. "Frankreich stimmt dem Vereinigten Königreich zu, dass es keine andere plausible Erklärung gibt", erklärte Macrons Büro. Großbritannien habe seit Beginn der Woche über die von Ermittlern gesammelten Beweise informiert. Macron telefonierte zuvor mit Premierministerin Theresa May. Frankreich bekräftigte zudem seine Solidarität mit Großbritannien.

Der Giftanschlag auf den früheren Spion Sergej Skripal ist nach Ansicht des britischen Außenministers Boris Johnson eine Warnung an russische Agenten gewesen. Russland habe damit klarmachen wollen, dass es sich an denjenigen rächen werde, die mit dem Gedanken spielten, sich dem russischen Staat zu widersetzen oder einen anderen Lebensstil vorzuziehen, sagte Johnson der BBC. Auch in der "selbstgefälligen, sarkastischen Reaktion" aus Moskau nach dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter sei eine Botschaft versteckt, sagte Johnson.

Johnson klagt Russland an

Die russische Führung wolle den Angriff leugnen und sich damit gleichzeitig rühmen. Skripal und dessen Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet vorgefunden worden, sie liegen in kritischem Zustand in einer dortigen Klinik. Premierministerin Theresa May erklärte daraufhin, es sei höchstwahrscheinlich, dass Russland dafür verantwortlich sei. Unterstützung für diese Vermutungen bekam die britische Regierung von einer Reihe von Verbündeten.

Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe zurück. Großbritannien hat bilaterale Kontakte "auf hoher Ebene" auf Eis gelegt. London zog auch eine Einladung an den russischen Außenminister Sergej Lawrow zu einem Besuch in Großbritannien zurück. Regierungsvertreter und Mitglieder des Königshauses werden nicht zur Fußball-WM nach Russland reisen. Russischer Staatsbesitz werde eingefroren, wo immer die Regierung Belege habe, dass er für Geheimoperationen gegen Großbritannien genutzt werde. Zudem verschärft London Kontrollen von Privatfliegern, beim Zoll und Frachtverkehr.

Moskau ließ britisches Ultimatum verstreichen

Russland hat ein britisches Ultimatum zur Aufklärung der Herkunft des bei dem Attentat verwendeten Nervengifts verstreichen lassen. Die extrem gefährliche Substanz war einst in der Sowjetunion entwickelt worden. Woher das Gift für den Anschlag kam, ist nicht geklärt. Moskau hatte die britischen Vorwürfe vehement zurück gewiesen und Konsequenzen angedroht. Das russische Außenministerium teilte mit, es sei inakzeptabel, dass die britische Regierung zu Sanktionen greife. London opfere zur Durchsetzung seiner politischen Interessen die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Das Verhältnis zwischen Russland und Großbritannien ist schon lange angespannt. Bereits mehrfach haben London und Moskau gegenseitig Diplomaten ausgewiesen.

"Putin kann nun mit Fug und Recht behaupten, der Westen will uns nun wieder etwas Böses antun. Das nützt ihm im Wahlkampf", sagt der ZDF-Korrespondent Bernhard Lichte über die russische Reaktion in der Skripal-Affäre.

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Russland: May sorgt für "hysterische Atmosphäre"

Im UN-Sicherheitsrat in New York lieferten sich die beiden Länder am Mittwoch bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung einen Schlagabtausch. Premierministerin May sorge für eine "hysterische Atmosphäre", sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja. Großbritannien werde sich nicht von Russlands "Leugnungen, Ablenkungen und Drohungen" beirren lassen, entgegnete der britische UN-Botschafter Jonathan Allen. UN-Generalsekretär António Guterres hatte sich zuvor "zutiefst besorgt" über die Lage gezeigt.

Die britische Regierung ist sicher, dass Russland das Attentat auf den Ex-Spion Skripal anordnete. Sie weist deshalb 23 russische Diplomaten aus und legt die bilateralen Kontakte auf Eis.

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Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, bekräftigte in der Sitzung, die USA seien mit Großbritannien absolut solidarisch. "Die USA gehen davon aus, dass Russland für den Angriff auf zwei Menschen im Vereinigten Königreich verantwortlich ist, bei dem militärisches Nervengift eingesetzt wurde."

Frankreich: Europäische Sicherheit betroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte im ZDF heute journal Moskau zu Transparenz auf. Was in Großbritannien passiert sei, sei sehr ernsthaft, sagte Merkel am Mittwoch. Aber "wir haben eben noch andere Widersprüche darüber hinaus mit Russland und da müssen wir versuchen, Lösungen zu finden."

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian kündigte am Mittwochabend in Paris an, eine Antwort auf den Giftanschlag mit London abzustimmen. Es sei nicht nur die Sicherheit eines der wichtigsten Verbündeten Frankreichs betroffen, sondern auch die europäische Sicherheit, sagte er.

Erinnerungen an den Fall Litwinenko

Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befanden sich am Mittwoch weiter in kritischem Zustand. Nach britischen Angaben wurden sie Opfer des chemischen Kampfstoffes Nowitschok.
Das Attentat auf Skripal erinnert an den Fall des Ex-Agenten Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Auch damals führten die Spuren der Täter nach Moskau.

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