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Vernetztes Haus - Wenn die Versicherung Alarm schlägt

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Schnelle Notfallhilfe versprechen Versicherungen den Kunden, die ihr Haus mit smarter Technik gegen Schäden abgesichert haben. Doch die Smart-Home-Schutzbriefe haben ihre Tücken.

Smart-Home-Videoüberwachung
Gegen Lücken im Smart Home-System gibt es neuerdings auch Versicherungen. Quelle: dpa

Vernetzte Rauchmelder schlagen bei Rauchentwicklung Alarm. Sensoren an Türen und Fenstern merken, wenn Einbrecher einsteigen wollen. Andere Sensoren warnen vor Wasserschäden - auch wenn der Nutzer nicht zu Hause ist. Der Alarm wird auf das Smartphone geschickt. Was aber geschieht, wenn der Nutzer nicht reagiert, weil er im Urlaub ist oder sein Smartphone im Funkloch keinen Empfang hat?

Kein Alarm soll ins Leere laufen

Immer mehr Versicherungen wittern hier ein neues Betätigungsfeld und bieten ihren Kunden rund um das vernetzte Heim spezielle Schutzbriefe an. Diese sollen garantieren, dass im Ernstfall kein Alarm mehr ins Leere geht. Kommt es zu einem Notfall, auf den der Kunde oder eine von ihm benannte Kontaktperson nicht reagiert, kümmert sich ein rund um die Uhr besetzter Notfallservice der Versicherung darum, Sofortmaßnahmen einzuleiten.

So wird automatisch die Feuerwehr alarmiert, wenn die Rauchmelder Alarm geben. Melden Sensoren an Türen oder Fenstern Anzeichen eines Einbruchs, wird ein Sicherheitsdienst zum Haus geschickt, der im Fall der Fälle die Polizei alarmiert. Und bei einem Wasserrohrbruch wird umgehend ein Handwerker beauftragt. Im Ergebnis wird der Schaden für beide Seiten begrenzt. Der Hausbesitzer kann größeren Ärger vermeiden, und der Versicherer muss weniger zahlen - so etwa dann, wenn ein Wasserrohrbruch frühzeitig erkannt wurde.

Versicherer und Hersteller kooperieren

Eine klassische Win-Win-Situation für beide Seiten, könnte man meinen. Doch der Pferdefuß steckt im Detail. Die Versicherungen arbeiten mit den Herstellern der Smart-Home-Technik zusammen. Sie bieten ihre Schutzbriefe deshalb nur für die Systeme des Partnerunternehmens an. So gibt es den Schutzbrief Allianz Assist nur zusammen mit Geräten des Herstellers Panasonic. Die Smart-Home-Police der Ergo-Versicherung wird nur im Paket mit der Magenta-Smart-Home-Technik der Deutschen Telekom angeboten. Wer Haus oder Wohnung mit Systemen anderer Hersteller absichert, geht leer aus.

Die Schutzbriefe der Versicherungen gibt es nicht zum Nulltarif. Rund zwei Euro muss der Verbraucher pro Monat berappen, wenn er den Alarmservice der Allianz oder der Ergo-Versicherung nutzen will. Dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Smart-Home-Schutzbriefe im Schadensfall allenfalls einen zusätzlichen Schutz bieten. Die reguläre Gebäude- und Hausratsversicherung können sie in keinem Fall ersetzen.

Kostenübernahme begrenzt

Es empfiehlt sich, vor Abschluss eines Smart-Home-Vertrages einen Blick in das Kleingedruckte zu werfen. So übernimmt die Ergo-Versicherung im Schadensfall neben der Alarmierung der zuständigen Stellen zwar auch die Kosten für die Erstsicherung, bei einem Wasserrohrbruch also das Absperren des Haupthahns und erste Trocknungsmaßnahmen. Abgesichert sind allerdings nur Kosten bis höchstens 3.000 Euro.

Bei Verbraucherschützern stoßen die Smart-Home-Schutzbriefe der Versicherungen auf wenig Gegenliebe. "Unseres Erachtens hat dieses Produkt nichts mit einer Versicherung zu tun", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Bei einer Versicherung sollte es um die Absicherung existenzieller Risiken gehen. Hier aber gehe es nur um die Frage, wie Hilfe zu organisieren sei. Die Kosten, die dem Verbraucher bei der Beseitigung von Schäden entstehen, seien dagegen nur in engen Grenzen mitversichert, meint Boss.

Doppelt versichert?

Wichtiger als der Abschluss eines neuen Smart-Home-Schutzbriefes sei es, bei Gebäude- und Hausratsversicherungen auf gute Bedingungen zu achten, heißt es beim Bund der Versicherten. Dadurch erspare man sich im Schadensfall viele Probleme. Zudem sollte der Verbraucher gründlich prüfen, ob die per Schutzbrief versicherten Schäden nicht bereits durch die reguläre Gebäude- oder Hausratsversicherung abgedeckt sind.

Eine Alternative zum Smart-Home-Schutzbrief sind Hausrats- und Gebäudeversicherungen, die um einen kostenpflichtigen Notfallservice erweitert werden können. Aber auch hier gilt: Versicherungen wie die Provinzial, die einen solchen Tarif anbieten, arbeiten jeweils mit einem bestimmten Hersteller zusammen - die Provinzial etwa mit der Sicherheitsfirma Lupus-Electronics. Den Notfallservice gibt es deshalb nur, wenn der Kunde das System dieses Herstellers in seinen vier Wänden installiert hat.

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