Sie sind hier:

Smarte Cities - Umstrittene Konzepte der Internet-Konzerne

Datum:

Selbstfahrende Autos, vernetzte Häuser, Lieferdrohnen und Müllroboter - so stellen sich Internet-Konzerne die Smart City der Zukunft vor. Doch die Konzepte sind umstritten.

Vernetztes Haus in Berlin
Vernetztes Haus in Berlin Quelle: imago

Google will Toronto zur smarten Modellstadt der Zukunft ausbauen, Panasonic zeigt in Berlin-Adlershof mit dem Wohnquartier Future Living, wie aus Smart Homes eine smarte City wächst, Microsoft-Gründer Bill Gates will im amerikanischen Arizona eine vernetzte Big-Data-City bauen. Und auch die saudischen Scheichs wollen für die Zukunft gerüstet sein und tüfteln an der "Mega City", in der der Bewohner alles mit Smartphone-Apps regeln soll.

Alles vernetzt in der smarten Stadt

Seit dem Bonner Klimagipfel im November 2017 wird wieder stärker über smarte Städte diskutiert. "Unsere Städte können den massiven Zuzug von Menschen nur mit intelligenter Verkehrssteuerung und smarten Umweltkonzepten nachhaltig bewältigen", meint Markus Haas, Chef von Telefónica in Deutschland.

In der smarten City muss alles vernetzt sein: die Bürger untereinander und mit ihren Wohnungssteuerungen und Autos, die Lieferdrohnen mit Kunden und Auftraggebern. "Das zentrale Nervensystem der smarten Stadt ist die Telekommunikationsinfrastruktur", ist Haas überzeugt. Denn die Grundlage der smarten Stadt sind Daten: Daten selbstfahrender Autos, Daten für die Raumtemperatur der Wohnungen, Daten des aktuellen Stromverbrauchs oder Wartungsdaten.

Big-Data-Analyse ist alles

"Mit einer Big-Data-Analyse kann zum Beispiel berechnet werden, wann in welchem Stadtviertel wieviel Strom verbraucht werden wird oder welche Lampen in der Straßenbeleuchtung ausgewechselt werden müssen, weil sie demnächst ausfallen", erklärt der Physik-Professor Michael Feindt aus Karlsruhe, der an der Entwicklung entsprechender Prognosesoftware für die Stadt der Zukunft arbeitet.

Sensoren und Kameras, die Daten erheben, sowie Prognosesoftware, die aus diesen Daten die gesamte Versorgung einer Stadt berechnet, sind neben der Telekommunikationsinfrastruktur weitere Grundlagen der Smart City.

Weiterentwicklung des Smart Home

"Im Wesentlichen sind das Weiterentwicklungen der Vernetzungstechniken des Smart Home", meint der Informatiker Michael Bötner aus Sankt Augustin bei Bonn. Im smarten Home tauscht die Klimaanlage Daten mit der Jalousie, der Kühlschrank Daten mit dem Lebensmittellieferanten aus. In der smarten Stadt teilen die Elektroautos der Steuerungszentrale des Smart Home am Nachmittag mit, welchen Strombedarf sie für das Aufladen der Akkus in der Nacht benötigen.

Der Müllschlucker bestellt per Datenleitung den Abfallroboter, und das kommunale Steuerungssystem schlägt dem Bewohner vor, morgen doch mal einen Home-Office-Tag einzulegen, weil ein sehr hohes Verkehrsaufkommen erwartet werde. "Die intelligente Stadt ist datengetrieben", urteilt Feindt. Ihr Bürger hat im Wesentlichen per Smartphone-Apps am Stadtleben teil und erhält über diese Apps alle Informationen, die er braucht, um sich zurechtzufinden.

Bürger wird zum gläsernen Bewohner

"Das kann eine sehr autoritär geführte Stadt werden", warnt denn auch die amerikanische Bürgerrechtsaktivistin Bianca Wylie. Tatsächlich haben Smart-City-Ideologen wie Dan Doctoroff von Google ein Konzept für "datengetriebenes Management für die politische Führung" einer Smart City entwickelt.

Solche Konzepte greifen Ideen der Verfechter einer sozialen Mathematik auf, die den Bürger durch und durch berechnen will. Der Bürger wird in der Smart City so zum gläsernen Bewohner, dessen Verhalten komplett vorausberechnet werden kann. Der Bürger liefert gleichzeitig mit seinem Verhalten Daten für die Simulationen der weiteren Stadtentwicklung.

"Wenn eine solche optimierte Stadt dann von einem Konzern gemanagt wird, finde ich das problematisch", urteilt Bianca Wylie. Sie warnt vor einer solchen Google-Urbanität einer smarten Stadt. Stattdessen müssten die Bürger Herren ihre Daten bleiben und über deren Verwendung gemeinsam bestimmen.

Deshalb ist es Bürgerrechtsaktivisten so wichtig, Konzepte der Open-Data-Bewegung in die Stadtentwicklung einzubringen. Statt einer von einem Daten-Monopolisten gemanagten Smart City wollen sie eine Open City, in der die Bürger über die Verwendung ihrer Daten, aber auch über den Schutz ihrer Daten das letzte Wort haben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.