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Smartphone-Apps - Vorsicht vor Abofallen

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Ein falscher Klick, und die Abofalle schnappt zu. Immer wieder gehen Smartphone-Nutzer Abzockern auf den Leim - vor allem in Spiele-Apps. Schutz bietet eine Drittanbietersperre.

Screenshot Bubble Shooter
Ein Fingertipp auf das schmale Werbebanner unter dem Spielfeld kann ausreichen, um ein Abo untergejubelt zu bekommen.
Quelle: Ilyon Games

Spielen am Smartphone macht Spaß. In den Downloadshops von Apple und Google scheint die Auswahl an Spielen grenzenlos. Manche Apps setzen auf Geschicklichkeit. Andere kombinieren das Spielgeschehen mit der realen Welt. Die meisten Apps sind kostenlos. Sie finanzieren sich über Werbebanner, die am Rand des Spielfelds eingeblendet werden. Doch werbefinanzierte Apps können Abzocke enthalten, warnen Verbraucherschützer.

Schneller Fingerwisch mit Folgen

Es ist schnell passiert. Wer im Eifer des Gefechts mit dem Finger aus Versehen auf das Werbebanner am Spielfeldrand kommt, kann unwissentlich schon ein Abo abgeschlossen haben. Es wird später über die monatliche Telefonrechnung abgerechnet. Der Nutzer merkt davon zunächst nichts. Erst der Blick auf seine Mobilfunkrechnung zeigt ihm, dass er einem Abzocker auf den Leim gegangen ist.

Da die Betreiber der Werbenetzwerke nur unzureichend die hinter der Werbung stehenden Geschäftsmodelle prüfen, können Verbraucher hier in die Falle tappen.
Manfred Schwarzenberg, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt

Abofallen gibt es nicht nur in Spiele-Apps. Im Prinzip kann jede werbefinanzierte App betroffen sein. Die App-Entwickler selbst haben meist keinen Einfluss darauf, welche Werbung in ihren Apps angezeigt wird. Die Banner werden von Werbenetzwerken ausgeliefert. "Hier können auch unseriöse Anbieter ihre Werbebanner einbringen und ausspielen lassen", sagt Manfred Schwarzenberg, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Da die Betreiber der Werbenetzwerke nur unzureichend die hinter der Werbung stehenden Geschäftsmodelle prüfen, können Verbraucher hier in die Falle tappen."

Manipulierte Werbefenster

Eine andere Abzockmethode ist das sogenannte Clickjacking. Dabei wird dem Smartphone-Nutzer ein Pop-up-Werbefenster angezeigt. Um es zu schließen, muss er auf den Schließen-Button tippen. Was nicht ersichtlich ist: Das Pop-up-Fenster wurde von unseriösen Anbietern manipuliert. Wer auf den Button zum Schließen des Fensters tippt, hat schon verloren. Ihm wird ein Abo untergeschoben, dessen Kosten ebenfalls über die Mobilfunkrechnung abgebucht werden.

Möglich werden solche Abzockmaschen durch ein Bezahlverfahren, dass sich WAP-Billing nennt. Dieses Verfahren ermöglicht es, Rechnungen bequem und schnell mit dem Smartphone zu bezahlen. Der Nutzer wird über seine Handynummer identifiziert. Konto- und Kreditkartendaten müssen nicht eingegeben werden. Abgerechnet wird am Ende über den Mobilfunkanbieter, der das Geld mit der Telefonrechnung einzieht.

Hohe Dunkelziffer

Das Problem gibt es nicht erst seit gestern. Bei den Verbraucherzentralen kommt es immer wieder zu Beschwerden. Zudem sei von einer hohen Dunkelziffer an Fällen auszugehen, "in denen Verbrauchern unberechtigte Drittanbieterforderungen überhaupt nicht aufgefallen sind und der Betrag unbemerkt als Gesamtsumme zusammen mit den normalen Verbindungsentgelten von ihrem Konto abgebucht wurde", heißt es in einer Stellungnahme der Verbraucherzentrale NRW an die Bundesnetzagentur.

Um den Missbrauch des WAP-Billings zu unterbinden, haben einige Mobilfunkanbieter das sogenannte Redirect-Verfahren eingeführt. Redirect bedeutet: Bevor ein Vertrag über das Smartphone abgeschlossen wird, wird der Nutzer auf eine Seite seines Mobilfunkanbieters umgeleitet. Hier wird er vor den Kosten gewarnt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er gerade dabei ist, ein Abo abzuschließen.

Drittanbietersperre schützt vor Abzockern

Das Redirect-Verfahren bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Es kann technisch umgangen werden. Das Verfahren sei zwar ein guter Ansatz, löse das Problem aber nicht, sagen Experten der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Nur eine gesetzlich vorgeschriebene, voreingestellte Drittanbietersperre könne den Smartphone-Nutzer vor Abofallen schützen, so die Verbraucherschützer.

Infografik: Unbeabsichtigt in Drittanbieterverträge
Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband(vzbv)/Marktwächter Digitale Welt

Tatsächlich ist die Drittanbietersperre eine wirksame Methode, um Abzocker auszuhebeln. Mobilfunkkunden können bei ihrem Anbieter kostenfrei beantragen, dass die Dienste von Drittanbietern nicht mehr über die Telefonrechnung abgerechnet werden. Nachteil dieser Maßnahme: "Damit werden im Grunde alle auf WAP-Billing basierenden Dienste gesperrt", sagt die Verbraucherzentrale NRW. Der Nutzer könne bei seinem Mobilfunkanbieter jedoch Ausnahmen von der Sperre festlegen.

Rechnung widersprechen

Verträge, die unwissentlich abgeschlossen wurden, sind ungültig. Zahlen muss man in der Regel nur, wenn deutlich auf das kostenpflichtige Angebot hingewiesen wurde und der Bestellbutton eindeutig beschriftet war. Wer in eine Abofalle getappt ist, sollte sich deshalb möglichst schnell an seinen Mobilfunkanbieter sowie an den Drittanbieter wenden und die Rechnung beanstanden. Die Verbraucherzentralen bieten entsprechende Musterbriefe zum Download an.

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