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Sicherheitsupdates - Smartphone-Hersteller lassen Kunden im Stich

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Updates machen Smartphones sicherer. Doch die wenigsten Hersteller bieten ihren Kunden regelmäßig aktuelle Updates an. Versorgt werden meist nur die teuren Spitzenmodelle.

Smartphones - Software-Aktualisierung
Apple ist mit seinem eigenen Betriebssystem noch relativ verlässlich. Hersteller, die auf fremde Betriebssysteme setzen, haben es schwerer.
Quelle: picture alliance / dpa

Keine Software kommt ohne Fehler auf den Markt. In den Millionen Programmzeilen eines Betriebssystems wie etwa Windows 10 schlummern immer Lücken, die bei der Auslieferung der Software unentdeckt geblieben sind und nun die Sicherheit des Anwenders gefährden. Kriminelle Hacker, aber auch Geheimdienste können sie für ihre Zwecke nutzen.

Über hundert Smartphones im Test

Das gilt natürlich auch für Smartphones. Apple und Google bieten für ihre Smartphone-Betriebssysteme iOS und Android deshalb regelmäßig Updates an, die neu entdeckte Sicherheitslücken stopfen. Anwender sollten sie in jedem Falle installieren. Doch kommen die Sicherheitsupdates auch bei jedem Smartphone-Nutzer zeitnah an?

Stiftung Warentest ist dieser Frage nachgegangen. 116 Mobiltelefone von zwölf großen Herstellern wurden zwei Jahre lang geprüft. Die Experten schalteten die Geräte alle zwei Monate ein, verbanden sie mit dem Internet und suchten nach Updates. Für jeden Hersteller und jedes Gerät wurde ein Indexwert ermittelt, der angeben soll, wie Update-freudig Hersteller und Geräte sind.

Apple und Google vorn

Eindeutige Testsieger wurden Apple und Google. Apple aktualisiere sein iOS-Betriebssystem "sehr verlässlich", sagen die Experten von Stiftung Warentest. "Alle geprüften iPhone-Modelle erhielten regelmäßig Updates und waren stets auf dem neuesten Stand." Fast genauso gut ist der monatliche Update-Service, den Google für seine hauseigenen Pixel- und Nexus-Smartphones zur Verfügung stellt.

Das Ergebnis dürfe nicht verwundern, heißt es bei Stiftung Warentest. Apple und Google seien nicht nur Anbieter von Smartphones, sondern entwickelten auch die Betriebssysteme selbst. Smartphone und Betriebssystem kommen also aus einer Hand. Sie sind aufeinander abgestimmt, sodass es beim Einspielen der neuesten Sicherheitsupdates in der Regel keine Verzögerung gibt.

Nur Spitzenmodelle werden aktualisiert

Ganz anders sieht es bei der Konkurrenz aus. Samsung, Huawei, Sony, LG oder HTC betreiben ihre Mobiltelefone zwar auch mit dem von Google entwickelten Android-Betriebssystem. Die Updates, die Google einmal im Monat zur Verfügung stellt, müssen jedoch erst an die Geräte angepasst werden. Das kostet Zeit und Geld. Die Folge: Nicht jedes Smartphone auf dem Markt wird regelmäßig mit Sicherheitsupdates versorgt.

Das gilt auch für Samsung. Der Marktführer bekommt von Stiftung Warentest durchwachsene Noten. Die Update-Politik des Konzerns orientiere sich am Modell einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, sagen die Experten. Die teuren Spitzenmodelle würden regelmäßig und schnell mit Updates versorgt. Preiswerteren Smartphones spendiere der Konzern dagegen nur sporadisch Updates.

Update-Politik bei vielen Anbietern lückenhaft

Die anderen Anbieter praktizieren eine ähnlich lückenhafte Update-Politik. So begrenzt Sony den Update-Zeitraum für billige Geräte der Serien Xperia E und M auf maximal eineinhalb Jahre nach Markteinführung. Bei HTC erhielt das Modell Desire Eye fast zwei Jahre lang überhaupt kein Update. Ähnlich stiefmütterlich behandelte LG die Nutzer älterer Modelle. Mit nur elf von hundert Punkten wurde Gigaset abgestraft. Die Update-Politik des Unternehmens sei "absolut nachlässig", meint Stiftung Warentest.

Die lückenhafte Update-Politik vieler Anbieter ist Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. So forderte der niederländische Consumentenbond bereits vor gut zwei Jahren für Smartphones des Marktführers Samsung zeitnahe Updates, die für mindestens zwei Jahre nach dem Kauf eines Geräts - und nicht nach seiner Markteinführung - zu garantieren seien. Ähnliche Forderungen erheben amerikanische Verbraucherschützer.

Verbraucherschützer verklagen Händler

Mittlerweile machen auch deutsche Verbraucherschützer mobil. Die Verbraucherzentrale NRW hat im vergangenen Jahr die Kölner Filiale einer großen Elektronikmarktkette verklagt, weil dort Smartphones mit veraltetem Android-Betriebssystem verkauft wurden, ohne dass die Kunden darauf hingewiesen wurden. Die Geräte enthielten fünfzehn Sicherheitslücken, die ein Angreifer für kriminelle Zwecke hätte nutzen können.

Stiftung Warentest verspricht, in der Update-Frage am Ball zu bleiben. Man werde auch künftig über dieses Thema berichten. Verbrauchern wird derweil geraten, sich vor dem Kauf eines Smartphones über die Update-Politik des Herstellers zu informieren und im Geschäft nachzufragen, ob und wie lange ein Gerät mit Sicherheitsupdates versorgt werde.

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