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Virtuelle Fahrzeugschlüssel - Smartphone statt Autoschlüssel

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Smartphone statt Autoschlüssel: Die Automobilbranche arbeitet am virtuellen Autoschlüssel, der im Smartphone abgespeichert wird. Versicherungen pochen auf mehr Sicherheit.

Auto-Cockpit
Quelle: mev

Das Smartphone hat den Alltag umgekrempelt. Vom Musikhören über das Fotografieren bis hin zur Navigation im Straßenverkehr: Viele Tätigkeiten, für die man früher separate Geräte brauchte, werden heute bequem mit dem Handy erledigt. Nun soll das Mobiltelefon auch den Autoschlüssel ersetzen. Autos sollen künftig per Smartphone geöffnet und gestartet werden.

Praktisch beim Car-Sharing

Beim kommerziellen Car-Sharing hat sich der virtuelle Autoschlüssel schon weitgehend durchgesetzt. Das Auto wird über die Smartphone-App des Anbieters gemietet. Anschließend schickt der Anbieter einen Datensatz - den virtuellen Autoschlüssel - auf das Smartphone seines Kunden. Damit lässt sich das Auto öffnen und der Motor starten. Die umständliche persönliche Schlüsselübergabe entfällt.

Auch die Autobranche setzt auf digitale Autoschlüssel. So etwa Mercedes, BMW und Audi. Etliche Modelle sind schon jetzt mit der neuen Technik ausgestattet. Weitere sollen folgen. "Das Smartphone ist heute unser ständiger Begleiter, über den wir sehr viele Dinge des täglichen Lebens organisieren", sagt Audi-Sprecher Michael Crusius. Da liege es nahe, "auch den physischen Fahrzeugzugang und die Fahrberechtigung auf dem Smartphone des Kunden zu integrieren".

Datenaustausch nur über kurze Distanz

Der virtuelle Schlüssel wird in der Regel über eine App des Herstellers und das Kundenkonto des Autobesitzers freigeschaltet und als Datensatz verschlüsselt auf dem Smartphone abgelegt. Telefon und Auto verständigen sich per Near Field Communication (NFC). NFC ist ein Funkstandard zum Austausch von Daten über kurze Distanzen, erklärt Mercedes-Benz-Sprecher Georg Walthart. Die Reichweite liegt bei wenigen Zentimetern.

Um das Auto zu entriegeln, muss das Smartphone in die Nähe des Türgriffs gehalten werden. Der Türgriff enthält eine NFC-Antenne, die automatisch Kontakt mit dem NFC-Chip im Mobiltelefon aufnimmt und die Schlüsseldaten ausliest. Die Energie, die der NFC-Chip im Smartphone benötigt, bezieht er vom elektromagnetischen Feld der Gegenstelle. Das System funktioniere also auch dann, wenn der Smartphone-Akku leer sei, so Audi-Sprecher Crusius.

Schlüssel kann mit anderen geteilt werden

Besonders bequem sei der virtuelle Autoschlüssel, wenn Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen dasselbe Fahrzeug nutzten, sagt Crusius. Denn der Autobesitzer kann seinen digitalen Schlüssel mit einer begrenzten Anzahl von Mitnutzern teilen und auf deren Smartphones schicken. Diese Berechtigungen können widerrufen werden. Werde das Smartphone gestohlen, kann der Kunde den digitalen Schlüssel sofort sperren lassen.

Der Schlüssel wird im Smartphone gegen Auslesen und Kopieren geschützt. Abgelegt werde er in einer sicheren Speicher- und Ausführungsumgebung - entweder auf der SIM-Karte oder auf einem kleinen, besonders gesicherten Chip im Gerät, sagt Crusius. Dieses sogenannte "Secure Element" sei direkt an die NFC-Antenne angebunden. Das Handy-Betriebssystem wird für die Datenübertragung nicht benötigt. So soll verhindert werden, dass ein Autodieb den Schlüssel über Sicherheitslücken im Betriebssystem des Handys abgreifen kann.

Wie weist man einen Autodiebstahl nach?

Für die Versicherungsbranche wirft die neue Technik viele Fragen auf - insbesondere für den Fall, dass das Auto gestohlen würde. Normalerweise muss der Kunde der Versicherung dann Fahrzeugpapiere und alle Schlüssel vorlegen. Wie aber händigt man einen virtuellen Schlüssel aus? Wie kann man nachweisen, dass das Auto wirklich gestohlen wurde und nicht gerade von einer Person gefahren wird, mit der man seinen Schlüssel irgendwann einmal geteilt hat?

"Kein Kunde wird uns im Falle eines Fahrzeugdiebstahls sein Smartphone zuschicken wollen", so eine Sprecherin der Allianz-Versicherung zu heute.de. Es müssten deshalb andere Wege gefunden werden, damit der Versicherungsfall reibungslos abgewickelt werden könne. So soll der Kunde künftig alle Personen benennen, mit denen er seinen Schlüssel geteilt habe, und zugleich nachweisen, dass alle Schlüssel deaktiviert worden seien.

Versicherung fordert einheitliche Standards

Die Autobranche sei gefordert, meint die Allianz. Sie müsse sich auf gemeinsame Standards einigen und zum Beispiel sicherstellen, dass alle Personen, die jemals einen virtuellen Schlüssel für dasselbe Auto bekommen hätten, beim Hersteller des Fahrzeugs in einer Liste aufgeführt würden. Zudem müsse der Kunde bei einem Diebstahl alle Schlüssel nachweisbar zurückziehen können. Außerdem dürfe der virtuelle Schlüssel nicht beliebig kopierbar sein. Es müsse jederzeit erkennbar sein, wie viele Schlüssel insgesamt im Umlauf seien.

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