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Seehofer zur Verhandlungsnacht - "Ich habe dann gerne eine Mandarine geschält"

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Die einen machen ein Nickerchen, die anderen schweigen sich an: Die letzte GroKo-Verhandlungsnacht hat allen Beteiligten viel abverlangt. CSU-Chef Seehofer gewährt Einblick.

Horst Seehofer
Die letzte Nacht der Koalitionsverhandlungen: Horst Seehofer plaudert aus dem Nähkästchen. Quelle: dpa

"Die letzte Verhandlungsnacht begann ja durch die Feststellung der SPD: Wir wollen das Auswärtige Amt, das Finanzministerium und das Sozialministerium, sonst gibt es keine Regierung", erzählt Seehofer am Donnerstagabend im Bayerischen Fernsehen. Die CSU habe dagegen gehalten und auch das Finanzministerium gefordert, sowie Interesse an Sozialministerium und Auswärtigem Amt angemeldet.

In der Zeit von 16 Uhr nachmittags bis 6 Uhr in der Früh sei nur über die Frage der Verteilung der Ministerien gesprochen worden. Während dieser nervenzehrenden Phase habe er viele überhaupt nicht mehr angetroffen. "Die gingen in andere Räume und haben sich auf den Boden gelegt", berichtete Seehofer. Minister hätten sich auf die Böden der CDU-Zentrale zum Schlafen gelegt und auch ranghöhere Teilnehmer - "Ministerpräsidenten zum Beispiel". "Dann verbleiben in dem Zimmer vier, fünf Personen, die aber nicht miteinander reden, weil keiner eine Lösung hat und weil man unterschiedlicher Meinung ist", sagte der CSU-Vorsitzende. "Ich habe dann gerne eine Mandarine oder eine Orange geschält, weil das wenigstens eine Betätigung war."

Unnachgiebige SPD

Lange habe man sich nur angeschwiegen. "Wenn jemand etwas anderes erzählt, dann sagt er nicht die Wahrheit. So ging das die ganze Nacht", berichtete Seehofer. "Es war eine sehr, sehr spannende Situation, wenn ein Koalitionspartner sagt, dass es sonst keine Koalition gibt." Es dauere dann eben viele Stunden, bis auch erwachsene Menschen sich wieder vernünftig verhielten. "Wir wussten so ungefähr um 6 Uhr in der Früh: So kann es nicht weitergehen. Denn wenn die Koalition scheitert, weil man sich nicht über die Vergabe der Posten verständigen kann, hätte das für alle Parteien einen riesigen Schaden über Jahre ausgelöst." Das sei allen Parteien bewusst gewesen.

"Dann haben wir uns als CSU zurückgezogen und überlegt: Wie kommen wir aus dem Dilemma heraus? Es drehte sich ja immer um die CSU", sagte Seehofer. Denn die SPD habe nicht nachgegeben und habe dies damit begründet, dass sie sonst nicht über den Mitgliederentscheid komme. "Die Kanzlerin hat uns am Anfang sehr unterstützt, aber war dann mit fortgeschrittener Zeit schon auch der Meinung, so können wir jetzt nicht weitermachen, weil dann platzt die Koalition, und draußen von der Bevölkerung versteht es niemand", so Seehofer. "Und das war dann der Überlegungsprozess, dass wir gesagt haben: Wenn die SPD drei Minister verlangt, verlangt die CSU auch drei." Er bekam dann das Innenministerium, ergänzt um die Bereiche Bauen und Heimat.

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