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Bauarbeiten voll im Zeitplan - Nord Stream 2 trotzt Trump

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Die Arbeiten an der neuen Gas-Pipeline Nord Stream 2 laufen nach Plan - trotz der Drohungen von US-Präsident Trump. Mecklenburg-Vorpommern verteidigt den Bau und profitiert.

Nord Stream
Nord Stream
Quelle: ZDF

Im Bauch des Verlege-Schiffes "Audacia" wird gearbeitet, als würde es Donald Trump gar nicht geben. Alle acht Minuten schweißen die Monteure aus aller Herren Länder ein neues 24 Tonnen schweres Rohr an das nächste, begleitet von dumpfen Rockmusik-Bässen aus großen Lautsprechern, die die schweißtreibende Arbeit leichter machen sollen. Tag für Tag wird die Gas-Pipeline Nord Stream 2 vor der Insel Rügen knapp zwei Kilometer länger. 100 Kilometer sind es auf deutscher Seite, das Schwesterschiff in finnischen Gewässern hat bereits 150 Kilometer auf dem Grund der Ostsee versenkt.

Unbeeindruckt von Trumps Drohungen

Trump und seine Drohungen, Nord Stream 2 zu stoppen, beeindrucken hier niemanden. Erst diese Woche hat der US-Botschafter bei der Europäischen Union, Gordon Sondland, gewettert: "Wir haben noch nicht alle Instrumente eingesetzt, die das Projekt ernsthaft untergraben oder stoppen könnten." Produktionsleiter auf der "Audacia", dem 225 Meter langen Spezialschiff, das die Pipeline Richtung Nordosten verlegt, ist ein Texaner. David Dejean will vor der Fernsehkamera nichts zu seinem Präsidenten sagen, nur so viel: "Wir bauen hier an einem Projekt, das den Menschen in Deutschland und Europa bei der Sicherung ihrer Energieversorgung helfen soll."

Karte: Pipeline Nord Stream 2
Über die Pipeline Nord Stream 1 (orange) kommt seit Jahren Gas nach Deutschland. An Nord Stream 2 wird gebaut.
Quelle: ZDF

Dass die parallel zur bereits seit Jahren aktiven Gasleitung Nord Stream 1 geplanten Nord Stream 2 die Abhängigkeit von russischem Gas erhöhen wird, bezweifelt niemand. Dass Dänemark aus Gründen des Umweltschutzes Kritik an diesem Projekt hat, ist ebenso Realität wie die Ablehnung Polens und der baltischen Länder, die sich übergangen sehen. Und auch die Sorge der Ukraine, die ihre Einnahmen aus dem Transitgeschäft mit russischem Gas bedroht sieht, ist bekannt. Dennoch: Die Bundesregierung hält an Nord Stream 2 fest, will sich vom US-Präsidenten nicht einschüchtern lassen. Kanzlerin Merkel (CDU) in dieser Woche: "Europa wird sich nicht unabhängig machen können von russischem Gas, aber es kann seine Quellen diversifizieren."

Lubmin wird Dank Nord Stream 2 bald schuldenfrei sein

Für Mecklenburg-Vorpommern sind die Nord-Stream-Projekte ein Gewinn. In Lubmin, dem kleinen Küstenort am Greifswalder Bodden südöstlich von Rügen, landen dank Nord Stream 1 jetzt schon rund 1,5 Millionen Euro Gewerbesteuern jährlich in der Gemeindekasse, Nord Stream 2 dürfte diesen Betrag noch einmal verdoppeln, schätzt der Bürgermeister. Im Industriegebiet des Ortes trifft die erste Gaspipeline auf deutschen Boden, das Gas der zweiten soll ebenfalls von Lubmin aus in das deutsche Gasnetz eingespeist werden. "Die Arbeitsplätze, die entstanden sind, und die Gewerbesteuerinnahmen sind ein wichtiger Faktor für uns", sagt Axel Vogt (CDU), ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde. Viele Projekte wie die Sanierung von Straßen oder die Renovierung des Sportplatzes, den sie hier "Arena" nennen, hätten nicht so schnell verwirklicht werden können. "Und 2020 werden wir als Kommune keine Schulden mehr haben", freut sich Vogt.

Die meisten Bürger von Lubmin sehen Nord Stream ebenfalls positiv. Sie haben bereits Erfahrung mit Großprojekten der Energieversorgung: Vor den Toren der Gemeinde produzierte einst das einzige Atomkraftwerk der DDR Strom, heute wird die Anlage aufwändig zurückgebaut. Auf dem Gelände wurde nach der Wende zudem ein Zwischenlager für atomare Abfälle eingerichtet. Russland gilt vielen hier als zuverlässiger Wirtschaftspartner: "Trump will doch nur sein eigenes Gas verkaufen und soll sich hier nicht einmischen", sagt etwa Heidrun Moritz, die eines von zwei kleinen Hotels in Lubmin betreibt. Sie selbst profitiere nicht von dem Bauprojekt, "aber für Lubmin ist das ein Gewinn!"

Unterstützung aus der Landespolitik

Nord Stream
Nord Stream
Quelle: ZDF

So sieht es auch die Landesregierung. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die Arbeitsplätze in Vorpommern im Blick, die Nord-Stream-Projekte seien zudem "wichtig für die Energiesicherheit Deutschlands", Trump solle da nicht blockieren. Selbst die Linksfraktion im Schweriner Landtag, die bisher ziemlich fremdelte mit dem Pipeline-Projekt, erklärte in dieser Woche, Nord Stream 2 sichere eine Bezugsquelle für Erdgas und trage zu einer stabilen Energieversorgung Europas, Deutschlands und Mecklenburg-Vorpommerns bei.

Ende 2019 soll das erste russische Gas durch die 1.230 Kilometer lange neue Pipeline strömen, maximal 55 Milliarden Kubikmeter jährlich - noch einmal so viel, wie bisher Nord Stream 1 nach Europa leitet. Sollte die US-Regierung Nord Stream 2 sanktionieren und die fünf europäischen Energiekonzerne, die neben Gazprom das Projekt finanzieren, unter Druck setzen, würde die russische Seite einspringen. Der halbstaatliche Energieriese, der allein die Hälfte der Investitionen schultert, hat bereits erklärt, dass er auch die andere Hälfte der 9,5 Milliarden Euro übernehmen würde.

Nord Stream AG sponsert fleißig

Und Nord Stream tut auch einiges, um für das Projekt vor Ort gute Stimmung zu machen. Das "Baltic Sea Youth Orchestra" zum Beispiel, ein Orchester mit jungen Mitgliedern aus dem Ostseeraum, wurde 2008 von der Nord Stream AG mitinitiiert und wird bis heute kräftig gesponsert. Die Nord Stream AG sponserte auch den von der Landesregierung gerade durchgeführten "Russlandtag", der die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Mecklenburg-Vorpommern fördern soll. Steffen Ebert, Pressesprecher von Nord Stream 2, bleibt gelassen. "Wir sind im Plan mit den Bauarbeiten für die Pipeline, Ende 2019 sind wir fertig." Die Drohungen Trumps? Nehme er zur Kenntnis. Die möglichen Sanktionen? Seien alles Spekulationen. Im Bauch des Verlege-Schiffs "Audacia" zumindest wird weiter ein Rohr an das nächste geschweißt. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Bernd Mosebach leitet das ZDF-Landesstudio in Mecklenburg-Vorpommern und ist auf dem Verlege-Schiffes "Audacia" mitgefahren.

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