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Stimmenfang im Social Web - Die digitale Erweiterung des Wahlkampfstandes

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Sie posten Fotos, barfuß auf einem Steg sitzend. Sie präsentieren ihren Frühstückstisch. Doch Bayerns Politiker vergessen: Im Wahlkampf 2.0 ist nicht jeder Post ein Treffer.

In Ingolstadt stehen der bayerische Ministerpräsident Söder und CSU-Chef Seehofer auf der Wahlkampfbühne – gemeinsam. Doch in Erwartung eines schlechten CSU-Ergebnisses geht es bereits vor der Wahl um die Schuldfrage.

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Sie alle lächeln einem derzeit von Wahlplakaten entgegen und werben für sich und ihre Parteien. Doch nicht nur dort. Auch im Social Web ringen bayerische Politiker um die Gunst der Wähler. Geeint sind sie dabei nicht nur im Ziel, am 14. Oktober in den Bayerischen Landtag einziehen zu wollen. Noch etwas anderes verbindet sie: Bei Facebook, WhatsApp, Instagram oder YouTube sind viele Kandidaten zwar inzwischen daheim, aber doch nicht zu Hause.

Der echte Dialog bleibt auf der Strecke

Markus Kaiser kennt die Zwänge, Sorgen, Nöte und Probleme der Kandidaten. "Im Umgang mit den sozialen Medien läuft über Parteigrenzen hinweg vieles überhaupt noch nicht professionell", betont der Professor für Medieninnovationen und digitalen Journalismus an der Technischen Hochschule Nürnberg. In seinen Seminaren "Social Media für Landtagsabgeordnete" hat er dies zur Genüge erlebt. "Viele verstehen noch nicht, dass das Social Web keine verlängerte Pressemitteilung ist", sagt Kaiser. "Sehr häufig hat man den Eindruck, dass es den Einzelnen in ihren Posts vorwiegend darum geht, eine Art Arbeitsbericht abzuliefern und zu dokumentieren, wo sie wann gewesen sind."

Was dabei auf der Strecke bleibt: der eigentliche Sinn des Social Webs. Mit dem Bürger in den Dialog zu treten, das passiert nach Ansicht von Markus Kaiser zu wenig. Und wenn sie doch in Diskussionen einsteigen, machen die Politiker für den Kommunikationswissenschaftler oft einen anderen Fehler: "Die bayerische SPD hat es in der Causa Hans-Georg Maaßen nicht geschafft, ihren Standpunkt öffentlichkeitswirksam in den sozialen Netzwerken zu transportieren. Anstatt sich in bereits existierende Diskussionen einzuschalten, haben es die Genossen vorgezogen, ihre Forderung nach Nachverhandlung lieber in den eigenen Profilen zu posten."

Authentisches, Originelles, Verknapptes funktioniert

Seine Stammwähler und die eigenen Parteifreunde mag man so erreichen. Echte Reichenweitengewinnung sieht dagegen anders aus. Authentisches, Originelles, Verknapptes - all das funktioniert. Populismus verhilft insbesondere der AfD zu Erfolg im Social Web. "Ihnen spielt in die Hände, dass sich besonders ihre Themen gut verkürzen lassen", sagt Markus Kaiser. "Dass es schlecht für die Demokratie ist, dass gerade die Rechte die Hoheit im Social Media hat, versteht sich von selbst."

Was dagegen auch alle anderen Kandidaten beherzigen: Statt der üblichen PR-Handschüttelfotos menschelt es. Natascha Kohnen, die Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten, präsentiert Orangensaft und Marmelade auf ihrem Frühstückstisch.

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Markus Söder (CSU) erklärt in seinen Facebook-Videos mal ein neues Gesetz, mal sitzt er barfuß auf einem Steg am See.

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Markus Söder und Katharina Schulze an der Spitze

Überhaupt ist der bayerische Ministerpräsident für Kaiser eines der Musterbeispiele, wenn es um Stimmenfang im Social Web geht. "Markus Söders Idee, Videos von seinen morgendlichen Joggingrunden ins Netz zu stellen oder per Post bekannt zu gegeben, wenn er ein Wochenende am Chiemsee verbringt, ist genau die richtige Art. Er emotionalisiert, holt die Menschen ab, stellt Gemeinschaftsgefühl her. All das funktioniert, weil er als Person nahbar wird."

Ebenfalls sehr viel und professionell im Social Web unterwegs ist Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der Grünen. In ihrem Wahlkampf setzt sie stark auf Social Media. Kaum ein Kanal, wo sie nicht zu finden ist. Dabei ist die bayerische Grünen-Politikerin äußerst experimentierfreudig: Sie verbreitet Videos mit Tanzeinlagen beim Besuch des Oktoberfestes über Instagram.

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Genauso erklärt sie in ihrem Landtags-ABC auf YouTube, wie Gesetze entstehen oder warum es Fraktionsdisziplin braucht.

Auch offline bestens vernetzt

Bei aller Experimentierfreude: Für Kaiser bleibt Facebook das wichtigste soziale Netzwerk im Wahlkampf. Zumindest in der virtuellen Welt. Er betont: "In den zahlreichen ländlichen Regionen Bayerns spielt die Präsenz in den sozialen Medien eine viel geringere Rolle als in den Städten." Dort ist der Kontakt zu den Politikern ein anderer. Einer, der kaum im Social Web zu finden ist, ist der bayerische Umwelt- und Verbraucherschutzminister Marcel Huber. "Als langjähriger Feuerwehrkommandant ist der CSU-Politiker auch offline bestens vernetzt."

Damit erspart er sich einigen Ärger. Denn immer wieder posten Politiker Fotos von sich mit Bürgern am Wahlkampfstand und verletzten damit schnell Persönlichkeitsrechte anderer. Doch nicht nur in rechtlichen Fragen besteht im Wahlkampf 2.0 Unsicherheit. "Viele werfen den Social-Media-Modus erst dann an, wenn es Richtung Wahlkampf geht", bedauert Kaiser. Der Wähler erwartet freilich aber, dass er dauerhaft ernst genommen wird und die Posts nicht in dem Moment enden, wenn die Wahl am 14. Oktober um 18:00 Uhr gewonnen oder verloren ist.

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