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91,3 Prozent für den CSU-Chef - Weiß-blauer Söder mit Grünschimmer

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Markus Söder ist mit einem besseren Ergebnis als vor neun Monaten als CSU-Chef wiedergewählt worden. Mit Rückenwind will er die Partei in die Zukunft führen. Doch es gibt Kritik.

Moderner, jünger, weiblicher soll die Partei werden. Dafür warb der alte und neue Parteichef. Dies und das Tempo, mit dem Söder die Parteireform vorantreibt, gefällt aber nicht allen Delegierten. Trotzdem: sein Ergebnis mit 91,3 Prozent besser als zuvor.

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Emotional wird Markus Söder auf der großen Bühne in der Olympiahalle erst am Ende seiner Rede. Knapp 75 Minuten hat er vor den grün schimmernden Parteilogos über die großen Linien der CSU für den Bund und den Freistaat gesprochen, über wichtige Reformen, Ziele und Herausforderungen. Da kommen die Sätze über seine Lippen, mit denen sich der 52-Jährige am Ende offiziell für die Wiederwahl zum Parteichef bewirbt: "Ohne Teamwork ist eine Partei nichts, ohne Teamwork kann kein Orchester spielen." Das Amt sei eine große Ehre für ihn und er wolle weiter vorausgehen, "aber nicht alleine".

"Mutmachende Worte" - aber auch Kritik

Nach der Rede hält es im weiten Rund kaum jemanden auf den Stühlen - mit großem Applaus feiern die knapp 800 Delegierten Söder für dessen "mutmachenden Worte", wie sie Generalsekretär Markus Blume nennt. Der Applaus lässt schon erkennen, wohin die Reise wenig später bei Söders zweiter Wahl zum Parteichef binnen eines Jahres gehen wird: Nach 87,4 Prozent im Januar stimmen nun gar 91,34 Prozent für den Franken, der einst lange durchaus glaubhaft erklärt hatte, dass er das Amt eigentlich gar nicht haben wolle. "Es ist mir eine große Ehre, mit euch zusammen die CSU in die Zukunft zu führen", sagt Söder direkt nach der Wahl freudestrahlend ins Mikro.

Dabei gibt es zwischen Rede und Wahlergebnis durchaus auch eine Phase, in der sich zeigt, dass Söders Ehrgeiz, Reformwille und politischer Kompass in der CSU auch einige überfordert: Es ist der Moment, als der 25-jährige Oberfranke Niklas Stadelmann all seinen Mut zusammen nimmt und vor laufenden Parteitagskameras nicht nur die von Söder initiierte Parteireform nach dem Motto "jünger, weiblicher und dynamischer" als Projekt in einem "stillen Kämmerlein" kritisiert und ihm vorwirft, die Partei von äußeren Strömungen wie den Unterstützern des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" leiten lässt.

Söder: Wir bleiben weiß-blau

Der erfahrene Politiker Söder weiß genau, dass sein Reformeifer nicht überall in der CSU gleich gut ankommt: Gerade in den konservativen Kreisen der Partei kommen strukturelle Veränderungen wie eine Frauenquote oder mehr Einfluss für die Jugend nicht automatisch gut an, wird die inhaltliche "Vergrünung" etwa beim Artenschutz oder im Klimaschutz eher skeptisch gesehen. All diesen Skeptikern ruft Söder in seiner Rede mit viel grüner Kante zu: "Nicht wir und auch nicht ich werden grün. Wir bleiben in Bayern weiß-blau, liebe Freunde. Denn das ist unsere Linie, das ist unsere Politik und dazu stehen wir."

Doch Söder macht auch keinen Hehl daraus, dass es aus seiner Sicht keine Alternative zu den Reformen gibt: "Wenn ich an die Zukunft denke, auch für künftige Wahlen: Es wird nicht reichen, einfach nur weiterzumachen wie bisher. Es reicht auch nicht, nur glorreiche, alte Zeiten zu beschwören. Es reicht nicht, liebe Freunde, immer die gleichen, alten Antworten auf neue Fragen zu finden." Der CSU bleibe als Volkspartei nichts anderes übrig, als sich weiterzuentwickeln.
"Ich sag' aber ausdrücklich: Wir wollen alle mitnehmen. Aber liebe Freunde, wir dürfen dabei niemals stehen bleiben. Denn das wäre das Ende einer modernen, einer zukunftsgerichteten CSU."

Neben Euphorie auch Zweifel

Aussagen wie diese dürften ein Grund sein, weshalb die Stimmung in der Halle während der Rede - abgesehen von besagtem Ende - alles andere als euphorisch, sondern eher sorgenvoll ist. Ein anderer Grund sind die Erfahrungen der CSU bei den vergangenen Wahlen. Sowohl bei der Bundestagswahl 2017 als auch bei der Landtagswahl 2018 musste die Partei schwere Pleiten verkraften, nicht nur der Verlust der absoluten Mehrheit schmerzt bis heute, auch die Tatsache, dass sich mit der AfD eine Partei rechts von der CSU etablieren konnte.

Seither ist viel passiert. Söder hat der CSU und der von ihm angeführten Staatsregierung einen klaren Reformstempel aufgedrückt, beschwört bei jeder Gelegenheit die Rückkehr zur alten, neuen Einigkeit, bei der man sich "unterhakt", auch wenn es mal schlecht läuft. Doch Söder und seine Parteifreunde müssen feststellen, dass die CSU bisher nicht in der Art vom neuen Kurs profitiert, wie es die Partei nach ihrem "Mia san mia"- Selbstverständnis müsste: Die Umfragewerte stagnieren bei rund 37 Prozent. Söder macht die Berliner Koalition und das "hin und her" der SPD verantwortlich.

Söder kritisiert AfD und Grüne

Zugleich warnt er davor, den eingeschlagenen Kurs zu verlassen: "Es ist alles noch auf dünnem Eis, es ist alles ein zartes Pflänzchen, das wächst. Denn wir leben heute in einer anderen Welt als früher. Ich bin fest überzeugt, so leicht gibt es kein zurück mehr in die gute alte Zeit." Ziel all seiner Pläne sei das Jahr 2023 - dann steht in Bayern die nächste Landtagswahl an. Doch auch hier gibt es noch Unwägbarkeiten, die auch Söder nicht in der Hand hat: Als aktuell starker Mann im Bund mit besten Umfragewerten könnten im Falle eines Scheiterns der großen Koalition schon bald Rufe nach einer möglichen Kanzlerkandidatur an ihn laut werden. Noch weist er diese kategorisch zurück - wie einst beim CSU-Chefposten.

Dabei brennt Söder auch noch eine weitere Botschaft auf der Seele, die größten Herausforderer der CSU sind AfD und Grüne. Während er die Rechtspopulisten mit der NPD vergleicht und ihnen damit die demokratische Legitimität abspricht, sieht er bei den Grünen eine andere Gefahr. Diese würden anders als viele in der CSU derzeit nicht von einer schwarz-grünen Koalition träumen, sondern hätten ganz andere Pläne, da sie bei der Suche nach Koalitionspartnern nicht zur Union, sondern nach "links" schielten. Daher gehe es nicht um "Schwarz und Grün", sondern um "Schwarz oder Grün".

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