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Söder bei der Jungen Union - Machtkampf in der CSU wird vielschichtiger

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Markus Söder beschwört bei der Landesversammlung der JU die Einigkeit der CSU. Erst nach den Jamaika-Sondierungen solle über einen personellen Neuanfang gesprochen werden.

Markus Söder am 05.11.2017 in Erlangen
Markus Söder am 05.11.2017 in Erlangen Quelle: dpa

Er wird empfangen, wie ein Rockstar. Um kurz vor halb elf betritt Markus Söder die Heinrich-Lades Halle in Erlangen. "Markus, Markus"-Rufe erfüllen den Saal, als er, wie ein Ministerpräsident, durch den Mittelgang nach vorne geht. Begleitet wird er von mehreren Fernsehteams. Die Erwartungen der jungen Delegierten an seine Rede hätten kaum höher sein können. Noch am Vorabend hatte er sie in den höchsten Tönen gelobt. "Die Junge Union zeigt Mut und Rückgrat bei ihren Entscheidungen - Respekt!"

"Ich stehe bereit, wenn ihr mich ruft"

Dass er damit jene Erlanger Erklärung meinte, in der sich der CSU-Nachwuchs zuvor von Horst Seehofer losgesagt hatte, musste Söder nicht extra erwähnen. Die Botschaft kam an. Würde er sich nun aus der Deckung wagen? Eine Anspielung, vielleicht: "Ja, ich stehe bereit, wenn ihr mich ruft!" Die Erwartung erfüllte sich jedoch nicht. "Mein Wunsch ist, dass wir gemeinsam eine Lösung finden. Keiner schafft es allein", sagte der bayerische Finanzminister. "Für jede vernünftige Lösung reiche ich die Hand."

Die Junge Union hat sich am Samstag auf ihrem Parteitag in Erlangen klar gegen den CSU-Vorsitzenden gestellt. Seehofer hält aber an seinen Posten als Ministerpräsident und CSU-Chef fest und attackiert seine Kritiker.

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Damit hält sich Söder bewusst zurück. Er weiß, dass er - besonders bei den jüngeren in der CSU - als Wunschnachfolger Horst Seehofers gilt - wenn auch nicht mehr als der Einzige. Er weiß auch, dass sich der CSU-Chef mit seinem Fernbleiben von der Landesversammlung einen immensen Imageschaden zugefügt hat. Söder muss gar nicht die große Attacke reiten, um bei seinen Zuhörern anzukommen.

"Situation schlimmer als 2008!"

Stattdessen wartet er mit einer Art Regierungserklärung auf - ein bisschen Heimat, ein bisschen Gesundheit, ein bisschen Flüchtlingspolitik. Das, was er zum Ausgang der Bundestagswahl sagt, ist deutlich, aber nicht neu. Etwa: "Die Lage ist mehr als ernst. Das war die zweite Wahl nach der Europawahl, die wir stark verloren haben." Die Situation sei schlechter, als im Katastrophenwahljahr 2008. In dem Jahr hatte die CSU in Bayern ihre absolute Mehrheit verloren - der damalige CSU-Chef Erwin Huber musste seinen Hut nehmen.

Eine Anspielung? Ohne Zweifel. Hier kann sich Markus Söder im Geiste ganz bei der Jungen Union fühlen, die Horst Seehofer am Vortag in einem beispiellosen Schritt die Gefolgschaft aufgekündigt hatte. "Wir brauchen einen anderen Spitzenkandidaten, der hier in Bayern die Führung übernehmen soll“, fasste Hans Reichhart, Chef der JU Bayern, die Stimmungslage in seinem Verband zusammen.

Eine Retourkutsche. Zwei Tage zuvor hatte Seehofer die geplante Aussprache mit dem Parteinachwuchs kurzfristig abgesagt.  Seine Begründung, in Berlin stünden wichtige Gespräche zu den laufenden Jamaika-Sondierungen an, hielten viele für vorgeschoben. "Wenn ein Parteivorsitzender von Freitagabend bis Sonntagmittag keine Zeit findet, mit uns zu diskutieren, dann hat das auch etwas mit Respekt und gegenseitigem Umgang miteinander zu tun", sagte ein Delegierter. "Seehofer hätte sich stellen müssen", sagen viele an diesem Tag.

Söder ist nicht der einzige Kandidat

In dieser Situation hilft Söder schon die Tatsache, dass er anwesend ist. Und damit signalisiert: Ich interessiere mich für Eure Belange. Die Kritik für das schlechte Abschneiden bei der Wahl müssen sich derweil andere anhören: Manfred Weber, der stellvertretende Parteivorsitzende und EU-Politiker, sowie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Er war der Spitzenkandidat der CSU bei der Bundestagswahl und gilt als Seehofers Ass im Ärmel. Wenn er, der Franke, Parteichef würde, bliebe einem weiteren Franken – Markus Söder – der Weg an die Spitze des Freistaats versperrt.


Besonders aber Manfred Weber gewinnt bei seinem Auftritt viele Sympathien unter den jungen CSU-Anhängen, zu denen er ungewöhnlich schnell einen Draht findet. Selbstkritisch, um Verständnis werbend. Und: Er verteidigt die Entscheidung Seehofers, in Berlin zu bleiben. "Wenn es uns nicht gelingt, zentrale Wahlversprechen in einer Jamaika-Koalition umzusetzen, werden wir 2018 einen schwierigen Landtagswahlkampf haben." In der anschließenden Aussprache fordern einige Delegierte Manfred Weber auf, "dem Ruf nach München zu folgen."

Weber: CSU sei keine Partei der Vereinfacher

Mit Weber steht ein Aspirant in den Startlöchern, den mit Markus Söder eine herzliche Abneigung verbindet. In vielerlei Hinsicht sieht sich Manfred Weber als politischer Gegenentwurf zum bayerischen Finanzminister – und das lässt er durchaus durchblicken. "Ich bin keiner, der nur auf den kurzen Applaus schielt", sagt Weber, und warnt: Die CSU dürfe nicht die Partei der Vereinfacher sein.

Und so hat das Fernbleiben von Horst Seehofer den Kampf um seine Nachfolge auch vielseitiger, interessanter gemacht. Ob Manfred Weber eine Hausmacht in der CSU hat, die es mit der von Markus Söder aufnehmen kann, mag bezweifelt werden. Aber der Zuspruch, den Weber hier in Erlangen gefunden hat, zeigt, dass sich zumindest der Nachwuchs offen zeigt für Varianten.

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