Sie sind hier:

Söring kehrt zurück - "Der schönste Tag meines Lebens"

Datum:

Verurteilt wegen Doppelmordes verbringt Jens Söring mehr als 30 Jahre in US-Haft - und beteuert bis heute seine Unschuld. Jetzt ist er zurück in Deutschland.

Es sei der "schönste Tag" seines Lebens: Nach mehr als 30 Jahren in US-Haft ist der wegen Mordes verurteilte Ex-Häftling Jens Söring wieder in Deutschland. Nach seiner Ankunft in Frankfurt äußerte er sich glücklich und überwältigt: "Ich bin so froh und dankbar." Freunde und Unterstützer hatten ihn dort in Empfang genommen und jubelnd begrüßt. Söring sagte, er wolle nun erst einmal zur Ruhe kommen. "Ich muss nun psychologisch und emotional ankommen in Deutschland." Er habe das Land seit drei Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Ich bin so froh und dankbar.
Jens Söring

Mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens hat Söring im Gefängnis verbracht. Zu Unrecht, sagen seine Unterstützer. In den USA war er rechtskräftig wegen Doppelmordes an den Eltern seiner damaligen Freundin verurteilt worden. Mehr als 30 Jahre nach der Tat im US-Bundesstaat Virginia polarisiert der Fall des deutschen Diplomatensohns noch immer.

Wie alles begann

Der Fall liefert heute wie damals jede Menge Erzählstoff: Es geht um Drogen, Sex und die scheinbar grenzenlose Liebe zwischen einer schönen Kanadierin und dem "kindergesichtigen" Deutschen, wie die "Washington Post" Söring einst beschrieb. An die unzähligen Artikel reihen sich Filme und Bücher über den Fall, Söring schrieb selbst darüber. Auf Blogs und Facebook-Seiten ist darüber zu lesen, vielfach in Sörings Sinne. Der beteuert bis heute seine Unschuld.

Rückblick: Im August 1984 lernt Söring Elizabeth Haysom kennen - sie sind bei einem Orientierungsabend für Hochbegabtenstipendiaten der University of Virginia. Söring verliebt sich in die zwei Jahre ältere Frau.

Fluchtversuch zwecklos

Elizabeth Haysom
Elizabeth Haysom, damalige Freundin von Jens Söring
Quelle: ap

Im März 1985 werden Haysoms Eltern Derek und Nancy in ihrem Haus in Lynchburg in Virginia mit zahlreichen Messerstichen ermordet. Am Tatort finden die Ermittler blutüberströmte Leichen. Es sei gewesen, als ginge man in ein "Schlachthaus", erinnert sich ein Polizist später. Zum Zeitpunkt des Mordes ist Söring 19 Jahre alt. Das Paar nimmt an der Beerdigung der Haysoms teil. Als Elizabeth und Jens unter Verdacht geraten, fliehen sie. Erst ein Jahr nach dem Mord fliegen sie in London wegen Scheckbetrugs auf und werden gefasst.

Nach der Auslieferung in die USA wird Haysom 1987 wegen Anstiftung zum Mord zu zweimal 45 Jahren Haft verurteilt. Söring erhält später zweimal lebenslang. Großbritannien hatte seiner Auslieferung nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die Todesstrafe nicht verhängt wird.

"Ich dachte, ich sei ein Held"

Wie Söring vor Gericht ins Kreuzverhör genommen wurde, kann man im Dokumentarfilm "Das Versprechen" sehen. Der Film wurde 2016 veröffentlicht und rekonstruiert den Fall - er ist ein Plädoyer für Sörings Unschuld. Söring wird als hochintelligenter Diplomatensohn dargestellt, Elizabeth Haysom als Tochter eines reichen Unternehmers, die bisexuell ist und möglicherweise von ihrer Mutter sexuell missbraucht wurde.

Der Fall hatte stets viele Fragen aufgeworfen. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen und erklärt, die psychisch kranke und drogenabhängige Elizabeth habe ihre Eltern getötet. Er habe den Mord für Haysom auf sich genommen und sie vor der Todesstrafe bewahren wollen. Der deutsche Staatsbürger erklärte, er habe erwartet, dass er als Diplomatensohn Immunität genieße. "Ich dachte, ich sei ein Held." Haysom erklärte, sie habe Söring zu den Morden nur angestiftet.

Beyer: DNA-Spuren am Tatort passten nicht zu Söring

Unter Juristen ist das Urteil umstritten. Viele Beweismittel aus dem Prozess wurden bereits entkräftet. Auch kürzliche DNA-Untersuchungen sprechen gegen des Urteil. "Die Schuldfrage ist meines Erachtens bis heute nicht abschließend geklärt", sagte der CDU-Transatlantik-Koordinator Peter Beyer kürzlich. Er traf Söring zweimal im Gefängnis. "Es sind immer noch viele Fragen offen." Im Deutschlandfunk betonte Beyer, dass die Verurteilung rechtskräftig sei - verweist aber darauf, dass am Tatort gefundene DNA-Spuren nicht zu Söring passten.

Die Freilassung des 53-Jährigen - und auch Haysoms - ändert nichts an dem Urteil in einem der wohl spektakulärsten transatlantischen Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte. In ihrer Entscheidung machte die Gnadenkommission im Bundesstaat Virginia klar, dass es keine Grundlage für Sörings Behauptung gebe, unschuldig zu sein.

Söring: Lange Haftstrafe schlimmer als Giftspritze

Jens Söring steht in der Justizvollzugsanstalt. Archivbild
Zweimal 45 Jahre: Söring in der Justizvollzugsanstalt Brunswick
Quelle: Carlos Santos/AP/dpa

Der ehemalige US-amerikanische Strafverteidiger Andrew Hammel hat keinen Zweifel an Sörings Schuld. "Bei der Beweislage wäre Söring zweifelsohne auch in Deutschland für schuldig befunden worden", schrieb Hammel kürzlich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er spricht von einem "Mythos von Sörings Unschuld", der in den deutschen Medien besonders populär sei.

Mehrfach hat Söring seit seiner Verurteilung als Haupttäter Entlassung auf Bewährung beantragt, mehrfach erfolglos. In einem Brief schrieb Söring: Eine lebenslange Haftstrafe sei in den USA eine Todesstrafe auf Raten. "In den Vereinigten Staaten brüstet man sich mittlerweile damit, dass diese Strafe viel grausamer ist als die schnelle, schmerzlose Giftspritze. Ist sie auch."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.