Energie ohne Nebenwirkungen

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Sonnige Aussichten - Energie ohne Nebenwirkungen

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Mit ihrem "Green Deal" setzt die EU ein klares Zeichen: Die Mitglieder müssen zügig auf regenerative Energien umstellen. Über das Potential des möglichen neuen Solar-Booms.

Solarpaneele auf einem Wohnhaus.
Die Solarenergie genießt eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung.
Quelle: DPA

Alte Märkte neu erschließen: Das Vorhaben der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden, bietet vielseitige Möglichkeiten für Investitionen und Innovationen. Und das ist eine Chance, in der EU grüne Märkte zu schaffen und erneuerbaren Energien wieder mehr Auftrieb zu geben. Denn klar ist: Für eine echte Klimawende braucht es auch eine echte Energiewende. Dabei geht es um einen klugen Mix aus Sonnenenergie, Windkraft, Biomasse und Wasserkraft.

Anders als die Windkraft genießt die Solarenergie eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung: Die Technik hat sich bewährt, ist sicher und wird immer günstiger. Und sie muss ein Instrument im Kampf gegen die Klimakrise sein. Will "Deutschland seine Klimaziele 2030 nicht erneut reißen, so muss es den Ausbau der Solartechnik um den Faktor vier beschleunigen", meint Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft.

Körnig fordert die Politik auf, Marktbarrieren abzubauen und die Ausbauziele der Photovoltaik im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) deutlich heraufzusetzen. Denn die Möglichkeiten der Photovoltaik sind vielseitig - nicht nur für das Klima und die Wirtschaft, sondern auch für die Stromkunden.

Solar-Lösungen können auch für Mieter interessant sein

Nach aktuellen Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) produzieren neue Photovoltaik-Anlagen im Megawatt-Bereich Strom zu vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde. "Zum Vergleich: Kohlestrom wird zum Beispiel für drei bis sieben Cent pro Kilowattstunde produziert. Anders als bei erneuerbaren Energien sind dabei aber externe Kosten nicht im Preis enthalten, etwa Umwelt-, Klimaschadens- und Gesundheitskosten", erklärt Michael Friedrich von Greenpeace Energy. Die Umweltorganisation geht davon aus, dass die Stromentstehungskosten aus der Solarenergie weiter sinken.

Solarmodule auf dem Dach sind längst nicht mehr nur für Eigenheimbesitzer interessant. Auch für Mieter gibt es verschiedene Modelle: Bei den sogenannten Mieterstromanlagen baut der Vermieter eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach und lässt seine Mieter diesen Strom beziehen. Laut Gesetz muss dieser Mieterstrom mindestens zehn Prozent günstiger sein als der örtliche Grundversorger.

Rund 60.000 Stecker-Solargeräte in Deutschland

Es geht aber auch eine Nummer kleiner, mit sogenannten Stecker-Solargeräten. Dabei werden beispielsweise ein bis zwei Solarmodule auf dem Balkon oder der Terrasse montiert und über die Steckdose mit dem Stromhaushalt der Wohnung verbunden. Scheint die Sonne, beginnt die Mini-Solaranlage sofort zu arbeiten. Allerdings wird dieser Strom nicht gespeichert, sondern in dem Moment verbraucht, in dem er ins Netz eingespeist wird.

Der Strom-Ertrag ist eher gering, reicht aber im Durchschnitt, um beispielsweise den Kühlschrank mit Strom zu versorgen. Überschüssiger Strom - zum Beispiel, wenn im Haushalt keine Geräte laufen - wird kostenfrei ins Netz eingespeist. Bei Anschaffungskosten zwischen 300 und 1.000 Euro rechnen sich die Anlagen nach fünf bis zehn Jahren, je nach Stärke, Kosten und Stromertrag. Und richtig Sinn machen sie nur bei idealer Sonnenausrichtung und einer langen Betriebsdauer.

Wir sehen, dass bei diesen Mini-Anlagen die Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund der Käufer steht: Da geht es meist mehr darum, selbst konkret etwas für die Energiewende zu tun.
Jörg Sutter, Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie

Trotzdem schätzen Umweltverbände die Zahl der Stecker-Solargeräte in Deutschland auf rund 60.000. "Wir sehen, dass bei diesen Mini-Anlagen die Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund der Käufer steht: Da geht es meist mehr darum, selbst konkret etwas für die Energiewende zu tun", so Jörg Sutter von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Auch Großstädter können damit im Kleinen einen Beitrag leisten.

„Gut gemachte Klimapolitik heißt, den Wohlstand des 21. Jahrhunderts zu sichern“, erklärt Professor Ottmar Edenhofer, Direktor beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Würden wir so weitermachen, dann wäre der Wohlstand zukünftig bedroht.

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Solarenergie als Zukunftskonzept für Kohleregionen

Größeres Potential hat in Städten dagegen ein großflächiger Einsatz von Solaranlagen auf Dächern und Fassaden, auch in Kombination mit begrünten Dächern. Die sind zusätzlich noch gut für das Mikroklima. In ländlichen Regionen ist das Potential ebenfalls groß: "Mit schwimmenden Solaranlagen, sogenanntem Floating PV, in den Seenlandschaften ehemaliger Tagebaugebiete bietet die Solarenergie auch innovative Zukunftskonzepte für die Kohleregionen", erklärt Oliver Powalla von der Naturschutzorganisation BUND.

Auch die Agrophotovoltaik könnte zukunftsweisend sein: Durch die erweiterte Nutzung landwirtschaftlicher Fläche würde doppelt geerntet - solare Energie und Lebensmittel. Entscheidend bleibt aber bei allen Neuerungen die Speichertechnologie des Solarstroms. Denn die Sonne scheint nun mal nur tagsüber - und das mal mehr und mal weniger.

Knackpunkt Speichertechnologie

Nur durch einen Speicher können Hauseigentümer und Mieter unabhängig vom Stromnetz werden und überschüssigen Strom, den ihre Photovoltaik-Anlage am Tag erzeugt, auch in der Nacht nutzen. Laut Angaben der DGS wird in Deutschland mehr als jede zweite neue Solarstromanlage gemeinsam mit einem Batteriespeicher errichtet.

Trotz sinkender Preise müsse nachgebessert werden, erklärt Oliver Powalla vom BUND. "Für den großflächigen Einsatz im Haushalt oder Gewerbe werden neben besserer Beratung auch finanzielle Anreize durch die Politik nötig sein. Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch sollte gestrichen werden und Doppelbelastungen bei Netzentgelten müssen unbedingt vermieden werden." Das könnte neue Kaufanreize schaffen - für den Eigenbedarf oder für Miethäuser.

Dreamteam für Unabhängigkeit

Carsten Körnig denkt diese Energiewende größer. "Die eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Batteriespeicher im Keller und die Solartankstelle für das E-Auto vor der Haustür bilden ein Dreamteam und Maximum an Klimaschutz und Unabhängigkeit", so der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Doch das kann sich längst nicht jeder leisten. Die Energiewende darf keine soziale Frage werden - vielmehr eine soziale Aufgabe. Denn wenn die Potentiale der Sonnenenergie besser genutzt werden, profitieren Millionen von sinkenden Stromkosten.

Sarah Schommer ist Mitglied der ZDF-Umweltredaktion.

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