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Neue Pleite - Solarworld: Nur die Sonne arbeitet noch

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Wie viele Pleiten sind noch verträglich - für Mensch und Umwelt? Die nochmalige Pleite des einst gefeierten Konzerns Solarworld ist folgerichtig.

Archiv: Das Gebäude des Solartechnik-Herstellers Solarworld am 07.08.2017 in Arnstadt
Das Gebäude des Solartechnik-Herstellers Solarworld Quelle: dpa

Die Produktion von Solarenergie ist in Deutschland teuer und ihr Nutzen im Land mit dem langen Winter fraglich. Die nochmalige Pleite von Solarworld ist folgerichtig.

Frank Asbeck hat den zweifelhaften Ruhm, mit ein und derselben Unternehmensgruppe zweimal in Konkurs gegangen zu sein, und offenbar weiterhin von seinen geschätzten Schlössern und Sportwagen nicht lassen zu müssen. Wegen seiner barocken Lebensart ließ sich der heute 58-Jährige nicht ungern "Sonnenkönig" nennen - diesmal aber sieht es so aus, als sei die solare Monarchie dauerhaft gestürzt.

550 Mitarbeiter vor dem Tiefpunkt

Archiv: Frank Asbeck am 27.03.2014 in Bonn
Frank Asbeck im März 2014 Quelle: dpa

Wie fast alle Ex-Potentaten findet der alerte Gründer auch jedesmal fremde Kräfte zuhauf, die sich gegen ihn und sein löbliches Werk verschworen haben: Wahlweise die Chinesen, die EU, den Staat und andere Konterrevolutionäre. Die neuerliche Pleite - nur acht Monate nach der letzten Insolvenz des Herstellers von Solarmodulen - stellt für die 550 Mitarbeiter in NRW, Sachsen und Thüringen den traurigen Tiefpunkt dar.

Völlig verständlich, dass sich die Belegschaften jedesmal an die Strohhalme klammerten, die man ihnen hinhielt. Dass das Geschäftsmodell in Deutschland allerdings nicht funktionierte, konnte man wissen - und das sagen nun nicht nur jene, die sonst auch hinterher schon alles vorher besser wussten.

"Beschränkte Haftung"

Wie schon zuvor beklagt Asbeck chinesische Konkurrenz - unfaire, wie er meint. Das Auslaufen von Anti-Dumping-Zöllen der EU habe seiner Firma nun wieder den Rest gegeben. Asbeck hatte seinen jüngsten Anlauf zusammen mit  seinem Investor aus Katar in der Rechtsform einer GmbH gestartet, Betonung auf "beschränkte Haftung". Da steht der Gründer nicht mit seinem Vermögen gerade.

Unerklärt bleibt bis heute, was die Geldgeber aus dem Wüstenstaat schon vor Jahren geritten haben mag, aus der Sonnenglut ins regenreiche Mitteleuropa zu ziehen, um dort Solaranlagen bei hohen Löhnen zu bauen und zu verkaufen. Vielleicht ist es ein Umkehrreflex, der viel mit der Idee zu tun hat, in der Wüste Fußball-Weltmeisterschaften austragen zu lassen.

Vertrauen auf die Nachfrage

Vieles mag auch an der Überzeugungstätigkeit - manche sagen Besessenheit - des Gründers und Geschäftsführers Frank Asbeck liegen. Hin und wieder tauchen ja Charismatiker auf, denen man zutraut, Eskimos Kühlschränke verkaufen zu können.

An der Börse war das Unternehmen zeitweise 4,6 Milliarden Euro wert - damals vertraute man auf die Nachfrage aus dem Ausland und den technologischen Vorsprung der Deutschen. Von Anfang an jedoch waren staatliche Subventionen fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz lieferte zuverlässige Erträge, die Nachfrage nach den Modulen explodierte.

Wirtschaftszweig bedroht

Nachdem der Technologievorsprung sich nicht halten ließ, chinesische Konkurrenz härter wurde und die staatlichen Quellen weniger sprudelten, geriet Solarworld 2013 in eine bedrohliche Lage - die Aktionäre verzichteten auf 95 Prozent ihres Kapitals und Katar sprang ein. Zwischendurch wollte Asbeck schon mal die damalige GM-Tochter Opel kaufen, später gab es erbitterte Rechtsstreitigkeiten auch mit US-Gläubigern, deren Forderung sich mit der Insolvenz 2017 erledigte.

Sollte Solarworld nun die Produktion einstellen, verschwände dieser Wirtschaftszweig aus Deutschland. Das würde auch Auswirkungen auf Forschung und Entwicklung dieses Sektors haben. Ob das Interesse daran nun die Rettung des Unternehmens fördern könnte, ist ungewiss. Möglicherweise gibt es Interessenten - dass man den sonnenverwöhnten Frank Asbeck nochmals mitwirken lässt, ist nun aber zweifelhaft.

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