Jeder vierte Soldat hält Einsatz für nutzlos

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Bundeswehr in Afghanistan - Jeder vierte Soldat hält Einsatz für nutzlos

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Was hat der bisherige Einsatz in Afghanistan gebracht? Die Bundeswehrsoldaten, die dort waren, bewerten ihn unterschiedlich. Mehr als jeder Vierte hält das Engagement für nutzlos.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan sichern eine Straße (Archivbild)
Die Bundeswehr ist auch heute noch in Afghanistan im Einsatz.
Quelle: dpa

Viele in Afghanistan eingesetzte Bundeswehrsoldaten sind nach einer neuen Untersuchung nicht von der langfristigen Wirksamkeit der internationalen Mission überzeugt. Etwa die Hälfte (52 Prozent) der Befragten teile die Einschätzung, dass der Einsatz einen sinnvollen Beitrag zur Hilfe für die Menschen dort geleistet habe, heißt es in einem Forschungsbericht des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.

Etwa 27 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass der Einsatz in Afghanistan letztendlich nutzlos gewesen ist, da er zu keiner grundlegenden Verbesserung beigetragen hat. Weitere 26 Prozent stimmten dieser Aussage teilweise zu.

Trotz dieser gemischten Bilanz des Einsatzes sind vergleichsweise wenige Befragte der Ansicht, dass die Bundeswehr Afghanistan umgehend verlassen soll (17 Prozent). Ein Großteil der Soldaten und Veteranen ist davon überzeugt, dass die Gewalt in Afghanistan wieder eskaliert, wenn die internationalen Truppen abgezogen sind (85 Prozent).

Einsatz der befragten Soldaten im Jahr 2010

Für den Forschungsbericht "Leben nach Afghanistan - Die Soldaten und Veteranen der Generation Einsatz der Bundeswehr" wurden am Beispiel des 22. "Isaf"-Kontingents erstmals Folgen und Wirkungen über mehrere Jahre untersucht. Das Verteidigungsministerium hatte das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr mit der Studie beauftragt.

Die befragten Soldaten waren überwiegend von März bis Oktober 2010 in Afghanistan. Sie wurden wenige Wochen vorher, während des Einsatzes, kurz nach Rückkehr und knapp drei Jahre später befragt. Das Einsatzjahr 2010 war der Studie zufolge das gewaltintensivste der Bundeswehr in Afghanistan. Es seien sieben Soldaten des Kontingents gefallen, 22 wurden verwundet, teils auch schwer.

Überwiegend positive Wirkungen auf die eigene Person

Die Forscher untersuchten die Lebenssituation und die persönliche Bilanz der eingesetzten Soldaten sowie der aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Veteranen. Ein Teil gibt an, seit der Rückkehr aus dem Einsatz aggressiver geworden zu sein (13 Prozent der Soldaten beziehungsweise 15 Prozent der Veteranen), sich immer mehr vom privaten Umfeld zurückgezogen zu haben (10 Prozent der Soldaten, 12 Prozent der Veteranen) oder sich noch immer fremd im eigenen Leben zu fühlen (4 Prozent der Soldaten und 8 Prozent der Veteranen).

Insgesamt werden dem Einsatz aber überwiegend positive Wirkungen auf die eigene Person zugeschrieben: Mehr als zwei Drittel der Befragten berichten, dass der Einsatz sie selbstbewusster gemacht habe. Diese Einschätzung teilen vor allem Jüngere (94 Prozent der bis zu 25-Jährigen) und Gefechtserfahrene (89 Prozent). Mehr als die Hälfte weiß heute zudem das Leben mehr zu schätzen. Fast ebenso viele glauben, psychisch belastbarer sowie gelassener geworden zu sein. Jeder Fünfte gibt aber an, sich direkt nach der Rückkehr in ärztliche oder psychologische Behandlung begeben zu haben.

Soldaten öfter in Partnerschaften als Bundesdurchschnitt

Einsatzsoldaten und Veteranen sind nach der Untersuchung häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung in Partnerschaften gebunden: Dies gilt für 77 Prozent der Soldaten und 76 Prozent der Veteranen, im Bevölkerungsdurchschnitt sind es 43 Prozent. Auch der Anteil Geschiedener fällt geringer aus: Bei den Soldaten sind es drei Prozent, bei Veteranen zwei Prozent, während im Bevölkerungsdurchschnitt sechs Prozent geschieden sind. Eine Ausnahme stellen im Einsatz psychisch oder physisch Verwundete dar: Sie geben wesentlich häufiger an, dass sich ihre Paarbeziehung nach dem Einsatz zum Schlechteren verändert hat.

Aus Sicht der meisten Soldaten und Veteranen ist die Einsatzteilnahme offenbar weitgehend folgenlos für das weitere berufliche Fortkommen geblieben
Forscher zu Bericht "Leben nach Afghanistan"

Fast die Hälfte der Soldaten (44 Prozent) und mehr als die Hälfte der Veteranen (56 Prozent) sind der Auffassung, dass die Teilnahme am Einsatz mit dem Kontingent sie beruflich nicht weitergebracht hat. Nur etwa ein Viertel (27 Prozent) der Soldaten und ein Fünftel (18 Prozent) der Veteranen sagen, dass der Einsatz zu einer Verbesserung der Karriereaussichten in der Bundeswehr beigetragen hat. "Aus Sicht der meisten Soldaten und Veteranen ist die Einsatzteilnahme offenbar weitgehend folgenlos für das weitere berufliche Fortkommen geblieben", stellen die Forscher fest.

2010: Reorganisation des Einsatzkontingents

Im Einsatzzeitraum des "Isaf"-Kontingents war 2010 eine Strategie zur Bekämpfung Aufständischer im deutschen Verantwortungsbereich im Norden Afghanistans sukzessive umgesetzt worden. Das deutsche Einsatzkontingent wurde dafür reorganisiert und die Einsatzstrategie angepasst. Erstmals seit Beginn der Auslandseinsätze wurde ein Gefechtsverband der Bundeswehr geschlossen und dauerhaft über mehrere Monate außerhalb militärischer Einsatzliegenschaften eingesetzt und mit umfassenden Angriffen Aufständischer konfrontiert.

Für die Nato-Missionen "Isaf" und "Resolute Support" in Afghanistan hat Deutschland nach einer früheren Aufstellung des Verteidigungsministeriums bisher mehr als zehn Milliarden Euro ausgegeben.

Bericht baut auf Befragung von 2010 auf

Der Forschungsbericht wurde im Jahr 2017 fertiggestellt und nun veröffentlicht. Ein Zwischenbericht mit ausgewählten Ergebnissen wurde bereits 2014 publiziert. Damals war die Befragung der Veteranen noch nicht Teil der Studie, da diese aus datenschutzrechtlichen Gründen noch nicht befragt werden konnten.

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