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Sombra - Kolumbiens erfolgreichste Spürnase

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Sombra ist sechseinhalb Jahre alt, hat braunschwarzes Fell und die vielleicht beste Nase aller 1.300 Drogenspürhunde Kolumbiens. Das macht sie für die Drogenmafia zu einem Problem.

 Die deutsche Schäferhuendin Sombra vor einer Polizeistation
Die deutsche Schäferhündin Sombra vor einer Polizeistation. Quelle: dpa

Ein beherzter Sprung aus dem Kofferraum des weißen Pickups und "Sombra" (zu deutsch Schatten) ist in ihrem Revier. Die Schäferhündin mit deutschen Wurzeln arbeitet als Drogenspürhündin am Internationalen Flughafen "El Dorado" in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota.

Sombra ist sechseinhalb Jahre alt und gilt als die berühmteste Spürnase Kolumbiens. Ihr Ruhm beruht auf spektakulären Drogenfunden, wie jenem, als sie auf einmal 2,9 Tonnen Kokain an einem Containerhafen in Buenaventura aufspürte. Versteckt in einer Lieferung voller Bananen nach Belgien.

Drogenkartell setzt Kopfgeld auf "Sombra" aus

Doch ihre erfolgreiche Spürnase hat auch ihre Schattenseiten. Weil Sombra immer wieder Drogen aufspürte, wurde sie zu einer Bedrohung für die kolumbianische Drogenmafia. Der Chef des berüchtigten Drogenkartells "Clan del Golfo", Dairo Antonio Úsuga alias "Otoniel", setzte eine Belohnung von umgerechnet etwa 55.000 Euro aus, falls jemand aus seiner kriminellen Organisation Sombra beseitigte. Der Aufruf, so berichteten es kolumbianische Medien, erfolgte per Flugblättern.

Kein Einzelfall, wie Hundeausbilder Jeison Cardona zu berichten weiß: "Nicht nur Sombra ist bedroht worden, auch andere Polizeihunde sind Zielscheibe von Drohungen gewesen." Denn mit ihren trainierten Spürhasen finden die rund 1.300 Hunde im Dienst der kolumbianischen Drogenfahndung immer wieder Kokain oder Marihuana.

Sombra wird zu ihrem Schutz nach Bogota versetzt

Der Schaden für die Kartelle ist gewaltig, eine Tonne Kokain hat einen Straßenverkaufswert von mehreren Millionen Euro. Zwar gehen pro Jahr Drogenlieferungen im Wert von mehreren Milliarden Euro ins Ausland, doch die Spürnasen von Sombra und den anderen Hunden machen es für die Kartelle deutlich schwieriger, die Ware ins Ausland zu bringen. Inzwischen verschifft die Mafia die Ware auch mit Hilfe von eigens dafür gebauten U-Booten.

Wegen der Drohungen wurde "Sombra" an den Flughafen El Dorado in Bogota versetzt. Hier ist die Schäferhündin in vergleichsweise sicheren Händen. Eine Patrouille entlang der Gepäckbänder oder bei der Frachtabfertigung absolviert Sombra stets in Begleitung von zwei Beamten.

Für die Kollegen von Oberst Wilson Ramírez (41), der das Kommando der Anti-Drogenfahnder am Flughafen Bogota innehat, ist der mediale Ruhm um "Sombra" Fluch und Segen zugleich. Einerseits hält die Berichterstattung über "Sombra" und ihre ausgezeichnete Spürnase potentielle Schmuggler ab, andererseits gilt es aber auch immer wieder ein wachsames Auge auf das Tier zu werfen, das für die Drogenmafia so geschäftsschädigend ist.

Frachtgut und Gepäck durchschnüffeln

Am Flughafen El Dorado bekommen die Drogenfahnder um Oberst Wilson Ramírez stets aus erster Hand mit, wie sich der Drogenmarkt entwickelt. Nach dem Friedensvertrag des Regierung mit der Guerilla-Organisation FARC Ende 2016 stieg die Kokain-Produktion noch einmal an. Beobachter machen dafür in Aussicht gestellte Entschädigungszahlungen an die Koka-Bauern verantwortlich, denen damit im Rahmen eines "Strukturwandels" ein Übergang vom Koka-Anbau in die normale Landwirtschaft ermöglicht werden soll. Doch es hakt an der Umsetzung.

Kolumbianische Drogenspürhündin Sombra
Die kolumbianische Drogenspürhündin Sombra am Flughafen in Bogota Quelle: Tobias Käufer

Und wenn die Kokainproduktion steigt, dann muss die Ware auch auf die zahlungskräftigen Märkte in den USA und Europa. Und dann kommt wieder Sombra ins Spiel. "Hier in Bogota wird sie gezielt eingesetzt, um normale Passagierflugzeuge auf den Kokain-Vertriebsrouten nach Miami, Los Angeles, Madrid oder Frankfurt einzusetzen oder eben Frachtflugzeuge zu durchsuchen", berichtet Oberst Ramírez. Noch rund 18 Monate wird Sombra im Polizeidienst Gepäckstücke und Frachtgut durchschnüffeln, dann erreicht sie die Altersgrenze und ihren wohlverdienten Ruhestand - ohne weitere Morddrohungen.

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