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Das Thermometer steigt, die Schüler schwitzen

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Sommer, Sonne, hitzefrei - Das Thermometer steigt, die Schüler schwitzen

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Für die Schüler, die noch keine Ferien haben, ist die einzige Rettung "hitzefrei". Was Schulleiter vor Herausforderungen stellt, ist aus medizinischer Sicht unabdingbar.

Hitzefrei
Quelle: dpa

Während sich die Schüler in den meisten Bundesländern bereits im Freibad abkühlen können, müssen die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen noch für einige Wochen die Schulbank drücken. Die einzige Rettung ist für viele dabei das magische Wort "hitzefrei".

Doch gerade Schulleitern treiben diese neun Buchstaben noch zusätzliche Schweißperlen auf die Stirn. Die rekordverdächtigen Temperaturen bringen Schulleiter im Südwesten des Landes nach Meinung des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE) in ein Dilemma.

Schulleiter in der Zwickmühle

Es ist keine beneidenswerte Situation, in der sich Schulleiter an heißen Sommertagen befinden.
Michael Gomolzig, Lehrerverband VBE

"Es ist keine beneidenswerte Situation, in der sich Schulleiter an heißen Sommertagen befinden", so VBE-Sprecher Michael Gomolzig. Denn die Möglichkeit, an besonders heißen Tagen Schülern ab einer bestimmten Temperatur "hitzefrei" zu gewähren, ist heute weder in Baden-Württemberg und Bayern noch in Nordrhein-Westfalen in den Schulordnungen ausdrücklich geregelt. Damit liegt es allein im Ermessen der Schulleitung, an Tagen mit besonders heißen Temperaturen den Unterricht ausnahmsweise vorzeitig zu beenden.

Für Michael Gomolzig ist es oft eine Zwickmühle. Egal wie man sich entscheidet: In jedem Fall gebe es Protest von Eltern. Entweder über Unterrichtsausfall oder über mangelndes Mitgefühl mit den schwitzenden Kindern, so der VBE-Sprecher, selbst Rektor einer Grundschule. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Für den Fall, dass der Unterricht früher endet, müssen sich die Schulleitungen um ein alternatives Betreuungsangebot bis zum regulären Unterrichtsende kümmern oder die Beförderung der Schüler organisieren, beispielsweise durch angepasste Abfahrtszeiten der Busse.

Probleme durch einheitliche Regelung

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hält die geltende Regelung dennoch für sinnvoll. Er betont: "Die Schulleitungen können die individuelle Situation vor Ort am besten einschätzen: Sie kennen das Schulgebäude mit all seinen Besonderheiten." Dem pflichtet Clemens Berthold bei. "Große Hitze ist ab einem gewissen Level wirklich belastend für alle Beteiligten. Allerdings lässt sich das überhaupt nicht an bestimmten Außentemperaturen festmachen. Es geht um die Temperatur im Gebäude, um die Luftfeuchtigkeit, um die Sonneneinstrahlung oder auch um das Fach", so der Oberstudiendirektor, der das Geschwister-Scholl-Gymnasium im mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz leitet.

Clemens Berthold weiter: "Eine einheitliche Regelung oder womöglich sogar die Pflicht zu Hitzefrei würde aus verschiedenen Gründen nur Schwierigkeiten machen, beispielsweise bei nur schwer wiederholbaren Prüfungen oder lange im Voraus geplanten Schulveranstaltungen wie Zeitzeugengesprächen im Unterricht." Nach Ansicht von Michael Piazolo liege es zudem auch an den einzelnen Schulen, durch andere Maßnahmen wie Raumverlegungen für kühlere Raumtemperaturen zu sorgen.

Höhere Temperatur, mehr Krankenhauseinlieferungen

Die Umgebungstemperatur hat große Auswirkungen auf unseren Körper, gerade bei Kindern und Jugendlichen.
Kinderarzt Prof. Christoph Fusch

Mit Blick auf die Gesundheit der Schüler ist das eine dringend notwendige Maßnahme, findet Christoph Fusch. Für den Chefarzt der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg sind hohe Temperaturen in Klassenräumen aus medizinischer Sicht bedenklich. "Die Umgebungstemperatur hat große Auswirkungen auf unseren Körper, gerade bei Kindern und Jugendlichen", so der Mediziner.

Das Problem: Wir müssen unsere eigene Temperatur halten und produzieren dadurch selbst Wärme. Dieses Schwitzen ist umso wirkungsvoller, je kühler es ist und umso weniger Wasser in der Luft vorhanden ist. Aktuell erleben wir genau das Gegenteil: Die Luft ist sehr warm und enthält viel Wasser. Das Schwitzen wird weniger effektiv, der Körper muss härter dagegen ankämpfen, überschüssige Wärme loszuwerden. Dadurch wird der Kreislauf angekurbelt, ein höherer Herzschlag ist die Folge.

Saisonale Klimatisierung in Schulen

Es ist wichtig, dass in den Klassenräumen Thermometer hängen und aus dem, was darauf abzulesen ist, auch die richtigen Konsequenzen gezogen werden.
Kinderarzt Prof. Christoph Fusch

"Manche Kinder vertragen das problemlos, doch bei einigen kann es dadurch zu Kreislaufproblemen mit Schwindel bis zum Bewusstseinsverlust kommen", gibt Fusch zu bedenken. "Es ist wichtig, dass in den Klassenräumen Thermometer hängen und aus dem, was darauf abzulesen ist, auch die richtigen Konsequenzen gezogen werden." Denn die Tatsache, dass sich die Leistungsfähigkeit bei Temperaturen im 30er Bereich deutlich reduziert, sei das eine. Das andere: "Internationale Studien belegen, dass bei einer Umgebungstemperatur jenseits von 25 Grad die Zahl der Kinder, die in ein Krankenhaus eingeliefert werden, deutlich ansteigt."

Der Rat von Kinderarzt Fusch: "Gerade Kinder und Jugendliche müssen ausreichend trinken, was im Schullalltag sicherlich oftmals untergeht. Doch durch das Schwitzen ist der Wasserverlust groß und je kleiner der Organismus ist, desto gravierender sind die Folgen." Er ist überzeugt: "Schreitet die Klimaentwicklung weiter so voran, werden wir uns tatsächlich am besten schon bald über eine saisonale Klimatisierung auch in Schulen unterhalten müssen." Denn schließlich sei die große Hitze vor allem eines: wirklich belastend und ein echtes Problem, gerade für junge und alte Menschen.

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