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Uhren eine Stunde vorgestellt

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Sommerzeit in Deutschland - Uhren eine Stunde vorgestellt

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Ein Sonntag mit 23 Stunden: Trotz der Debatte um die Zeitumstellung sind die Uhren auf Sommerzeit gestellt worden. Sonntagnacht rückten die Zeiger von 2 Uhr auf 3 Uhr vor.

Schwarzer Wecker und weißer Wecker stehen auf einer Wiese.
Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Sommerzeit beginnt.
Quelle: imago/Rene Traut

Nach der jüngsten Abstimmung im EU-Parlament kommt ein Ende der halbjährlichen Umstellung aber näher: Eine Mehrheit der Abgeordneten hatte für eine Abschaffung plädiert. Auch bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die für die Verbreitung der gesetzlichen Zeit zuständig ist, wird mit einem baldigen Ende der Zeitumstellung gerechnet. "Es wird im März 2021 in Deutschland die Umstellung auf Sommerzeit geben, und im Oktober wieder zurück. Das war's dann", meint Andreas Bauch, Leiter der Arbeitsgruppe Zeitübertragung bei der PTB. Die Entscheidung im Straßburger Parlament sei für ihn keine Überraschung mehr gewesen.

Für die tatsächliche Abschaffung müsste allerdings noch ein Kompromiss mit den Mitgliedstaaten erzielt werden. Als ein zentrales Ziel wird dabei oft die Vermeidung eines Flickenteppichs mit verschiedenen Regelungen genannt. Zeitexperte Bauch kann sich beispielsweise überhaupt nicht vorstellen, dass Deutschland sich einer Zeitzone anschließt, die zu einer Zeitgrenze längs des Rheins führt. Davor warnt auch die rheinland-pfälzische Landesregierung, weil es etwa durch den Grenzverkehr zu erheblichen Auswirkungen im Alltag kommen könnte.

Worum es bei der Debatte über die Zeitumstellung geht - Fragen und Antworten im Überblick:

Für große Mehrheit überflüssig

Für viele Menschen ist die Zeitumstellung eine leidige Sache. Rund jeder Vierte (26 Prozent) kämpft laut einer aktuellen Umfrage der Krankenkasse DAK nach der Umstellung mit gesundheitlichen oder psychischen Problemen. 78 Prozent der Deutschen halten die Zeitumstellung ohnehin für überflüssig. Nach einer Umfrage des ZDF-Politbarometers wünschen sich 53 Prozent der Befragten, dass ganzjährig die Sommerzeit gilt, 39 Prozent bevorzugen die Winterzeit.

ZDF-Politbarometer-Grafik zur Zeitumstellung
ZDF-Politbarometer-Grafik zur Zeitumstellung
Quelle: ZDF

Tatsächlich kann die Zeitumstellung bei sensiblen Menschen die innere Uhr durcheinander bringen, was vorübergehend zu Müdigkeit, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit und Verstimmungen führen kann. Zwar ist es abends eine Stunde länger hell. Aber vor allem in der Woche nach der Zeitumstellung sind die Menschen insgesamt erst einmal deutlich unzufriedener, wie Forscher herausfanden.

Ähnlich wie wie ein Flug nach Osten

Betroffen sind vor allem Menschen mit starken zeitlichen Beschränkungen wie berufstätige Eltern mit Kindern. Ihre Lebenszufriedenheit erreicht Studien zufolge in der Regel erst in der zweiten Woche nach der Umstellung das Ausgangsniveau. Nicht erwerbstätige Erwachsene ohne Kinder können dagegen weitaus flexibler reagieren - meist ist für sie noch in der Woche nach der Zeitumstellung alles wieder beim Alten. Nach Angaben von Biologen reagiert der Körper bei der Umstellung auf die Sommerzeit ähnlich wie bei einem Flug nach Osten - beides ist weitaus schwerer als die Umstellung auf die Winterzeit oder ein Flug nach Westen. Es sei sehr viel einfacher, die innere Uhr zu verzögern, als sie zu beschleunigen.

Energieeffekt umstritten

Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 eingeführt - und zwar aus Gründen der Energieeinsparung. Dahinter steckte die Überlegung, dass weniger Beleuchtung und damit weniger Strom verbraucht wird, wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorn "verschiebt". Kritiker führen ins Feld, dass die Zeitumstellung ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllt. Energiespareffekte seien kaum nachweisbar.

EU-Regelung soll fallen - Zeitpunkt offen

Grundlage für die Zeitumstellung ist eine EU-weite Regelung, wonach die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) in allen Mitgliedstaaten jeweils am letzten Sonntag im März beginnt und am letzten Sonntag im Oktober endet - in diesem Jahr fällt dies auf den 27. Oktober. Die EU-Kommission will die Zeitumstellung inzwischen abschaffen. Ursprünglich visierte sie dies bereits für 2019 an, die Mitgliedsstaaten forderten aber deutlich mehr Vorbereitungszeit.

Am Dienstag sprach sich nun das EU-Parlament für eine Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 aus. Ein Problem ist zudem die bislang fehlende Abstimmung zwischen den EU-Ländern. Jedes Land soll künftig für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Normal- oder die Sommerzeit einführt. So wäre es möglich, dass sich etwa Deutschland anders entscheidet als die Nachbarn Belgien oder Frankreich. Einen solchen "Flickenteppich verschiedener Zeitzonen" will die EU verhindern. Deshalb sollen die EU-Staaten ausreichend Zeit erhalten, um ihre Pläne zu koordinieren.

Forscher und Lehrer gegen dauerhafte Sommerzeit

Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich für eine Beibehaltung der Normalzeit aus. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der "Hauptzeitgeber" für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe. Auch der Deutsche Lehrerverband fürchtet für den Fall einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit gesundheitliche Gefahren für Schüler. Die Wahrscheinlichkeit für Schlaf- und Lernprobleme sei dadurch massiv erhöht.

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