Wo Lösungen für eine Ernährungskrise wachsen

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Sortensterben bei Nutzpflanzen - Wo Lösungen für eine Ernährungskrise wachsen

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Von 30 Pflanzenarten hängt die Welternährung ab - das könnte zu wenig sein. Auf einer Philippinen-Insel könnte eine von vielen Lösungen gedeihen.

Die Welternährung hängt von nur 30 Pflanzenarten ab. Und das macht unsere Ernährungssicherheit anfällig. Denn Klimawandel und Schädlinge führen zunehmend zu Ernteausfällen. Gibt es Rettung durch mehr Vielfalt auf dem Acker?

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Die Reisterrassen der Ifugao auf 1.500 Metern Höhe bestimmen das Landschaftsbild der philippinischen Nordinsel Luzon. Ein Wunder, von Menschenhand erschaffen. Was die Schöpfer der Terrassen wohl nicht wussten: Sie schufen ein einmaliges Ökosystem, von dem die heutige moderne Landwirtschaft viel lernen kann. Die Reisterrassen kommen ohne chemische Hilfsmittel aus, so dass es auf den Feldern eine große Artenvielfalt gibt. Die angebauten Reissorten sind widerstandsfähig und resistent. Anders dagegen sieht es auf den Feldern der industrialisierten Landwirtschaft aus.   

Masse statt Klasse

Es ist ein wichtiges Anliegen, die Sortenvielfalt zu erhalten und auch wieder zu mehren, um in Zukunft entsprechend handeln zu können.
Josef Settele, Helmholtz Zentrum in Leipzig

Hochleistungssorten, in Monokulturen angebaut, garantieren maximale Erträge. Der Einsatz chemischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel ist unabdingbar. Diese intensive Bewirtschaftung ist jedoch eine Bedrohung für die Vielfalt der Nutzpflanzen. Von rund 30.000 essbaren Pflanzenarten werden heute nur etwa 150 Arten angebaut, um die weltweite Ernährung zu sichern. Die wichtigsten davon sind Mais, Reis und Weizen. Um wieder mehr Vielfalt auf unsere Felder zu bringen, reist Josef Settele vom Helmholtz Zentrum in Leipzig regelmäßig auf die Philippinen-Insel Luzon, in die Ifugao Provinz. Der Professor erforscht, wie die moderne Landwirtschaft vom System der alten Reisterrassen und dem Wissen der Reisbauern profitieren kann. "Wir haben bei den großen Getreidesorten weltweit nur ein kleines Spektrum, die genutzt werden. Das birgt Risiken. Es ist ein wichtiges Anliegen, die Sortenvielfalt zu erhalten und auch wieder zu mehren, um in Zukunft entsprechend handeln zu können", meint Settele.

Von sämtlichen Gewächsen der Welt gelten rund 30.000 als essbar. Trotz dieser gewaltigen Vielfalt spielen heute nur etwa 150 Pflanzen bei unserer Ernährung eine Rolle. Gerade einmal 30 Arten decken heute 95 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs der …

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Aktuell sind über 2.000 Nutzpflanzenarten und -sorten vom Aussterben bedroht. Verlieren wir den Reichtum der Arten, gehen wichtige genetische Eigenschaften verloren, die im Kampf gegen Umweltkatastrophen und Klimawandel helfen könnten. Die derzeitig genutzten Hochleistungssorten sind krankheitsanfällig und nicht anpassungsfähig, etwa an Hitze und Trockenheit. Alte traditionelle Sorten dagegen können den Widrigkeiten der Natur trotzen. Doch Ihr Ertrag ist im Vergleich zu modernen Sorten wesentlich geringer.

Wir müssen uns den Herausforderungen stellen und den Spagat zwischen hoher Produktivität und umweltfreundlicher Landwirtschaft hinkriegen.
Martin Qaim, Agrarökonom

Für Forscher wie Josef Settele vom Helmholtz Zentrum in Leipzig oder Matin Qaim von der Universität Göttingen basiert die Ernährungssicherheit der Zukunft auf einer Kombination aus alten und Hochleistungssorten. Zudem sieht Agrarökonom Martin Qaim die Zukunft darin, genetische Eigenschaften alter Sorten zu nutzen, um mit ihnen neue Sorten zu entwickeln: "Wir müssen uns den Herausforderungen stellen und den Spagat zwischen hoher Produktivität und umweltfreundlicher Landwirtschaft hinkriegen. Das wird nicht gelingen ohne die Ausnutzung neuer Technologien." Das würde den Einsatz der Gentechnik bedeuten. Ein umstrittener Gedanke. Gegner befürchten ungeahnte Gefahren, wie Unverträglichkeiten für den Menschen oder unkontrollierbare Züchtungen.

Fest steht: Die alten Sorten sind im Begriff auszusterben. Damit verschwinden wichtige genetische Ressourcen und letztendlich auch die Vielfalt von unseren Tellern. 

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