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Google+ wird abgeschaltet - Start mit Innovation - Ende mit Datenpanne

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Die soziale Plattform Google+ wird heute abgeschaltet. Gestartet mit vielen Innovationen, machte eine massive Datenpanne letztendlich alles zunichte.

Google+ - App auf Handydisplay
Quelle: imago

Es war ein Paukenschlag, als Google 2018 ankündigte, den Dienst Google+ für Privatnutzer einzustellen. "Grund hierfür sind die geringe Nutzung und die Herausforderungen, die das Anbieten dieses Dienstes mit sich bringt, um die Erwartungen seiner Nutzer zu erfüllen", argumentierte ein Konzern-Sprecher.

Marketingtrick bringt Mitglieder

Dabei war Google+ im Juni 2011 äußerst erfolgreich gestartet. Schon nach drei Monaten Laufzeit hatte die Plattform 40 Millionen registrierte Anwender. Das große Interesse war allerdings auf einen Marketingtrick zurückzuführen.

Google+ hat zu Beginn intensiv mit seiner Exklusivität geworben. Mitglied bei Google+ konnte zu Beginn nur werden, wer von einem anderen Mitglied dazu eingeladen worden war. Vor allen Dingen Journalisten und Angehörige von Kommunikationsberufen strömten zu Beginn in großer Zahl zu Google+.

Nur per Einladung

Sie erwarteten dort exklusive Informationen. Und wer als Journalist arbeitete, erhielt von Google auch prompt eine Einladung. Wenige Wochen nach den Journalisten wurden dann Pressesprecher und andere Angehörige von Kommunikationsberufen geködert.

Diese Kampagne begann schon im April 2011, also einige Wochen, bevor Google+ dann ab dem 28. Juni 2011 erreichbar war. Stolz ließ Google allenthalben verkünden, dass der Konkurrent Facebook fast 1.400 Tage gebraucht habe, um die Zahl von 40 Millionen Usern zu erreichen, Google+ das aber schon nach knapp 90 Tagen schaffte.

Facebook als Gegner

Doch viele der so rekrutierten Google+-Mitglieder engagierten sich nicht besonders für die soziale Plattform. So hatten die Community-Manager von Google+ von Anfang an mit einer unglaublich hohen Zahl an Karteileichen zu kämpfen.

So kommentierte Rouven Kasten, Experte für digitales Marketing, auf Twitter, Google+ sei das Fitnessstudio des Internets: "Alle angemeldet, aber keiner da." Dabei hatten die Google-Manager sich einiges einfallen lassen, um die Plattform attraktiv zu gestalten.

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Hangouts waren der Renner

Für richtig großes Aufsehen sorgten von Anfang an die sogenannten "Hangouts". Das waren Video-Chats, zu denen das Mitglied beliebig viele andere Internet-Nutzer einladen konnte. Allerdings konnten sich nur zehn Teilnehmer gleichzeitig im Video-Chat unterhalten.

Die Musiker drehten einen Clip für das Video-Portal YouTube.
"Hangouts on Air" wurden auf YouTube archiviert.
Quelle: Monika Skolimowska/ZB/dpa

Mit den "Hangouts on Air" wurde solch ein Videochat live veröffentlicht. Beliebig viele konnten folgen, sich den Videostream also anschauen. Das Video selbst wurde auf YouTube archiviert und war nach dem Live-Chat auch noch abrufbar.

Auch das Konzept, die eigenen Google+-Kontakte in "Kreise" genannte Gruppen aufzuteilen und dabei festzulegen, welche Kreise welche Informationen erhalten sollten, galt als innovativ. Mit dem Kreis "Familie" zum Beispiel konnte der Nutzer dann die Fotos von seiner Geburtstagsfeier teilen, die er an Kollegen etwa nicht senden wollte. Die bekamen Fotos von den Geschenken oder Ähnliches.

Pseudonyme halfen nicht dauerhaft

Das Google-Management ging im Jahr 2014 sogar auf Forderungen aus der Nutzergemeinde ein, die Klarnamenpflicht abzuschaffen. Fortan konnte man sich unter Pseudonym anmelden. Das brachte im Juli 2014 noch einmal einen Schub an Mitgliedern.

Allerdings konnten auch solche Aktionen die Kluft zwischen den registrierten und den wirklich aktiven Nutzern auf Google+ nicht abbauen. So schätzte der Konzern die Zahl seiner mindestens einmal im Monat aktiven Nutzer im April 2015 auf 111 Millionen weltweit bei ungefähr drei Milliarden registrierten Benutzern.

Abwärtstrend durch Weggang des Projektleiters

Google Hauptsitz in Mountain View, Silicon Valley, USA
Google Hauptsitz in Mountain View
Quelle: imago

Schon im Jahr 2014 gab es Spekulationen über ein baldiges Ende von Google+. Die hingen mit dem Weggang von Projektleiter Vic Gundrota zusammen, in dessen Folge mehr als 1.000 Entwickler von Google+ abgezogen und in andere Konzernprojekte gesteckt wurden.

Viele Mitglieder von Google+ klagten öffentlich, der Konzern habe das Interesse an seiner sozialen Plattform verloren. Hinzu kamen Medienberichte, die unter Hinweis auf Insiderkreise meldeten, dass die Integration von Google+ mit anderen Google-Diensten nicht fortgesetzt werde.

Datenleck läutet Ende ein

Insbesondere auch die Berichterstattung von Financial Times, Frankfurter Allgemeine Zeitung und TechCrunch - in Sachen gestoppter Integration der Plattform in andere Google-Dienste - sorgte dafür, dass sich viele Mitglieder von Google+ abwandten.

Nachdem dann im Oktober 2018 bekannt geworden war, dass eine halbe Million Nutzerkonten von Datendiebstahl bedroht waren, wurde das Ende von Google+ als soziale Plattform eigentlich von allen erwartet. Die Nutzer hatten seit Herbst 2018 ausreichend Zeit, ihre Texte, Bilder und Videos von Google+ herunterzuladen und zu sichern. Und so ist das Ende von Google+ am 2. April 2019 ein Abschied mit Ankündigung.

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