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Debatte über Organspende - Spahn für Widerspruchslösung

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Gesundheitsminister Jens Spahn will die Regeln zur Organspende reformieren. Bislang musste jeder einer Spende vor seinem Tod ausdrücklich zustimmen. Das soll sich nun ändern.

Bundesgesundheitsminister Spahn will sich für eine Neuregelung der Organspende einsetzen. Nach seinen Plänen soll jeder Spender werden, der nicht ausdrücklich widerspricht.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortet neue Regeln zur Organspende. Künftig solle jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, so lange er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen, sagte Spahn der "Bild"-Zeitung. Nur mit der Widerspruchslösung könne die Organspende zum Normalfall werden. In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, so dass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

Einen eigenen Gesetzentwurf werde er dazu allerdings nicht in den Bundestag einbringen, sagte Spahn: "Diese Diskussion sollten wir im Bundestag führen. Dort gehört das Thema hin."

Spahn für breite Debatte über Widerspruchslösung

Die Widerspruchslösung stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar, räumte Spahn ein. Doch seien alle bisherigen Versuche der Politik, die stark zurückgehende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, ohne Erfolg geblieben. "Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung", sagte Spahn.

Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Spahn dazu auf, in die Diskussion über die Organspende einzusteigen: "Ich bin sehr gespannt auf ihre Meinung", sagte der CDU-Politiker.

Ethikrat kritisiert "Paradigmenwechsel"

Der Sozialethiker Peter Dabrock hat das Plädoyer Spahns für eine Widerspruchslösung scharf kritisiert. Solch eine Regelung würde einen "fundamentalen Paradigmenwechsel" darstellen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Die bisherige Organspenderegelung habe den Charakter von Freiwilligkeit und wohltätiger Solidarität mit Schwerkranken. Mit der Regelung, bei der jeder Spender sein soll, solange er nicht widerspricht, müsste man von "Organabgabepflicht" statt von "Organspende" sprechen, sagte Dabrock.

Die Widerspruchslösung, die in anderen europäischen Ländern gilt, wurde in der Vergangenheit immer wieder diskutiert, um die Organspendezahlen zu erhöhen. Dabrock hält den Befürwortern entgegen: "Eine solche Regelung würde den menschlichen Körper zu einem Objekt staatlicher Sozialpflichtigkeit machen." In diesem allerhöchst persönlichen Bereich eine Aussagepflicht zu verlangen, widerspreche dem Geist, mit dem Gesetzgeber und Gerichte bisher die Verfassung ausgelegt hätten.

Das Gesundheitsministerium hat bereits einen Gesetzentwurf erarbeitet, um durch eine bessere Vergütung der Krankenhäuser die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Zudem ist eine Stärkung der vor wenigen Jahren eingeführten Transplantationsbeauftragten vorgesehen.

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