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Mehr Organspender gesucht - Spahn: "Brauchen eine grundsätzliche Debatte"

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In Deutschland sinkt die Zahl der Organspenden weiter. "Mit einer breiten gesellschaftlichen Debatte", auch über die Widerspruchslösung, will Gesundheitsminister Spahn das ändern.

Bundesgesundheitsminister Spahn spricht von einer „schwierigen Entwicklung“ und einem „Tiefststand bei Organspenden“. Deshalb sei es „wichtig, dass es eine breite Debatte wird“, ob eine Widerspruchslösung kommt. Diese sei ein „starker Eingriff des …

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Bisher muss ein potenzieller Spender noch zu Lebzeiten in die Organspende eingewilligt haben, oder seine Angehörigen stimmen dem im Todesfall zu. Mit einer Widerspruchslösung, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sie nun vorschlägt, wäre jeder automatisch Spender, wenn nicht er oder seine Angehörigen ausdrücklich widersprechen.

"Es ist ohne Zweifel ein starker Eingriff des Staats", sagte Spahn im ZDF heute journal. Daher will der Minister mit seinem Vorschlag eine grundsätzliche, breite, gesellschaftliche Debatte anstoßen, in der alle Argumente für oder gegen eine Widerspruchslösung erwogen werden. "Es geht nicht um eine Pflicht, Organe zu spenden, sondern um die Pflicht, sich mit dem Thema zu beschäftigen."

Veränderungen in Kliniken angestoßen

Strukturelle Veränderungen für mehr Organspenden in den Kliniken habe er in der vergangenen Woche angestoßen, so Spahn. "Über 80 Prozent der Deutschen sagen, sie finden Organspenden richtig und wichtig", dennoch gebe es nur 40 Prozent mit einem Organspendeausweis und einen neuen Tiefststand bei den tatsächlichen Organspenden. Durch die Debatte und die Widerspruchslösung müsse das zusammengebracht werden, sagte Spahn. "Von Bereitschaft allein ist noch kein Leben gerettet."

Regierungssprecher Steffen Seibert verwies in Berlin darauf, eine Erhöhung der Zahl der Organspenden sei als Ziel im Koalitionsvertrag festgehalten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe bereits mehrfach für Organspenden geworben. Ob Merkel konkret die Einführung einer Widerspruchslösung für richtig hält, sagte Seibert nicht.

Bundesgesundheitsminister Spahn will eine Reform der Organspende-Regeln erreichen: An die Stelle der freiwilligen Organspende soll das Widerspruchsprinzip treten: Jeder Mensch wäre Organspender - außer, er widerspricht.

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Unterstützung aus der SPD

Unterstützung für Spahn kam aus der SPD. "Ich bin ein klarer Befürworter der Widerspruchslösung", sagte SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach der "Rheinischen Post". Die aktuell niedrige Zahl von Organspendern sei eine "medizinische Tragödie". Auch Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) erklärte, die bisherige Einwilligungslösung habe sich "nicht bewährt". In Spanien, wo eine Widerspruchslösung gelte, würden "wesentlich mehr dringend benötigte Organe gespendet und transplantiert als in Deutschland", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) begrüßt nach Angaben einer Sprecherin jeden Ansatz, um das Thema Organspende weiter zu enttabuisieren. Es gebe aber neben der Spendenbereitschaft noch andere Probleme, zitierte die Sprecherin Barley in Berlin. Der Bundestag solle das Thema daher offen diskutieren.

Dies forderte auch die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther. Rund um die Organspende gebe es strukturelle Defizite. "Es wäre fahrlässig, die dringend notwendigen Reformen kleinzureden, weil man meint, in der Widerspruchsregelung die zentrale Lösung für die bestehenden Probleme gefunden zu haben", erklärte Kappert-Gonther in Berlin.

Kritik von Stiftung Patientenschutz

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, befürwortete eine Widerspruchsregelung. Damit würden sich die Menschen frühzeitig mit der Frage der Organspende auseinandersetzen. Heute müssten oft erst Angehörige entscheiden, wenn der Patient unheilbar krank oder hirntot sei - das sei "für viele eine Überforderung".

Dagegen warf der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, Spahn vor, er setze "die Axt an den Grundrechten an". Werde eine Widerspruchsregelung eingeführt, könne von Organspende keine Rede mehr sein, "denn Spenden sind immer freiwillig", erklärte Brysch.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte kritisch. "Man kann die Organspende nicht einfach zur rechtlichen und moralischen Pflicht erklären", sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus erklärte, eine Widerspruchsregelung missachte das "Selbstbestimmungsrecht" der Bürger. Die freie Entscheidung, Organe zu spenden, werde ins Gegenteil verkehrt.

Wichtige Begriffe zur Organspende

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