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Erste Konzerne wollen weg - Katalonien: Wehe, wenn die Firmen fliehen

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Wirtschaftlich ist Katalonien Spaniens Vorzeigeregion: Umsatzstark und wohlhabend - auch ein Grund, warum Barcelona so selbstbewusst die Unabhängigkeit anstrebt. Doch ausgerechnet die Wirtschaft könnte die Separatisten nun ausbremsen. Denn Madrid lockt Kataloniens Großkonzerne - mit ersten Erfolgen.

Die spanische Regierung erleichtert Unternehmen den Abzug aus Katalonien. Erste Großkonzerne und Banken kündigen bereits ihren Umzug an. Gleichzeitig entschuldigte sich Madrid für die Verletzten durch Polizeigewalt beim Unabhängigkeitsreferendum.

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Die spanische Regierung erhöht im Katalonien-Konflikt den wirtschaftlichen Druck auf die nach Unabhängigkeit strebende Region. Am Freitag verabschiedete sie in Madrid ein Dekret, das Firmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtert. Spanische Medien sprachen von einer "salida exprés" - einem Weggang im Eilverfahren. Demnach reicht für einen Ortswechsel künftig eine Entscheidung des Aufsichtsrats - eine Gesellschafterversammlung muss nicht mehr einberufen werden.

Großkonzerne vor dem Absprung

"Es ist nicht die Schuld der Unternehmen, wenn eine unverantwortliche Politik Unsicherheit und Unruhe verbreitet", sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Nachmittag vor Journalisten. Die Entscheidung wurde angesichts der drohenden Unabhängigkeitserklärung der Region gefällt.

Wenige Stunden später kündigte der Energieriese Gas Natural Fenosa an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben und nach Madrid umzuziehen. Kurz darauf erklärte die Großbank La Caixa - der größte Geldgeber der Region -, sie werde nach Valencia ziehen. Bereits am Donnerstag hatte die fünftgrößte Bank des Landes, Banco Sabadell, ihren Umzug nach Alicante bekannt gemacht. Es wird erwartet, dass dank des Dekrets schnell weitere Geldhäuser und Firmen folgen könnten.

Auch Freixenet, einer der größten Cava-Produzenten Spaniens, könnte Katalonien den Rücken kehren. "Wenn es wirklich zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommen sollte, dann werden viele Firmen aus Katalonien abziehen, was großen Schaden anrichten wird", zitierte die Zeitung "La Vanguardia" Freixenet-Chef José Luis Bonet. Eine Abspaltung sei "kein Scherz", sondern "eine echte Katastrophe".

Situation verfahren

Die Katalanen hatten sich am Sonntag bei einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der bisher wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Die Regierung in Madrid unter Führung von Mariano Rajoy hatte wochenlang mit allen Mitteln versucht, die Volksabstimmung zu verhindern. Bislang lehnt sie jeden Dialog mit der Regionalregierung ab.

Eine für Montag angesetzte Parlamentssitzung, bei der die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt werden sollte, wurde am Donnerstag vom Verfassungsgericht verboten. Der Chef der "Generalitat" (Regionalregierung), Carles Puigdemont, will nun Medienberichten zufolge am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur "aktuellen politischen Lage" beziehen.

Ob er dabei die Unabhängigkeit ausrufen oder lediglich das weitere Vorgehen seiner Regierung vorstellen will, wurde nicht bekannt. Auch war zunächst unklar, ob die für Montag geplante Parlamentssitzung wegen des Verbots der Justiz abgesagt wurde.

Endergebnis der Volksabstimmung bekanntgegeben

Die Generalitat gab am Freitag das Endergebnis der Volksabstimmung bekannt. Es weicht kaum von dem Resultat ab, das Stunden nach Schließung der Wahllokale verkündet worden war: Nach Auszählung aller Stimmen hätten sich 90,18 Prozent der Wähler für die Abspaltung der Region von Spanien ausgesprochen, hieß es. Knapp 2,29 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten seien zu den Urnen gegangen - dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 43 Prozent.

Die EU-Kommission drängte Madrid und Barcelona, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wir wollen, dass dies rasch passiert", sagte ein Sprecher in Brüssel. Er blieb aber bei der Haltung der Kommission, sich nicht als Vermittler einzumischen. Die Behörde sieht den Konflikt als innere Angelegenheit Spaniens.

Einen kleinen Schritt der Annäherung machte der Vertreter der spanischen Regierung in Katalonien, Enric Millo. Fünf Tage nach der von Polizeigewalt überschatteten Abstimmung entschuldigte er sich als erster Vertreter der Zentralregierung bei den knapp 900 Verletzten. Gleichzeitig gab er der Regionalregierung die Schuld an den Vorfällen, weil diese die Bürger zu den Wahllokalen geschickt habe, obwohl die Abstimmung von der Justiz verboten worden war.

Die Ratingagentur Fitch bereitete indes den Finanzmarkt auf eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Kataloniens vor, die mit "BB" sowieso schon als gering eingestuft wird. Das Rating wurde auf "Watch Negative" gesetzt. Zuvor hatte sich bereits die Agentur Standard & Poor's ähnlich geäußert.

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