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50.000 Menschen in Marokko - Zehntausende Flüchtlinge wollen nach Spanien

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Spanien löst Italien als Hauptzielland für Flüchtlinge ab, die nach Europa wollen. Zwar gingen die Zahlen insgesamt zurück, doch rechnen Spaniens Behörden mit Tausenden Menschen.

Hunderte Flüchtlinge sind über den Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika geklettert, aufgenommen am 26.07.2018
In der vergangenen Woche haben Hunderte Flüchtlinge den Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta gestürmt. Die spanische Polizei befürchtet, dass bald noch weit mehr Schwazafrikaner einen Weg nach Spanien suchen werden. Quelle: epa

Die spanische Polizei geht davon aus, dass sich derzeit 50.000 Schwarzafrikaner in Marokko aufhalten, die demnächst die spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla erreichen oder mit Booten die Meerenge von Gibraltar durchkreuzen wollen, um nach Spanien - und damit nach Europa - zu kommen. Das berichtet die spanische Tageszeitung "El Mundo" mit Verweis auf Polizeiangaben. Zugleich wurde am Freitagmittag bekannt, dass die spanische Küstenwache in der Meerenge von Gibraltar 627 Menschen in Flüchtlingsbooten registriert hat.

Am Donnerstagmorgen hatten 600 Migranten den Grenzzaun von Ceuta gestürmt. Fast eineinhalb Stunden versuchten die spanischen und marokkanischen Grenzbeamten, die aus Regionen südlich der Sahara stammenden Menschen aufzuhalten. Diese seien allerdings so "brutal wie nie zuvor" gegen die Gernzschützer vorgegangen, die laut Polizei in der Unterzahl gewesen seien.

Die Flüchtlinge attackierten die Beamten mit selbstgebauten Flammenwerfern und Branntkalk. Vier Beamte und elf Migranten wurden mit Verbrennungen, Verätzungen, Schnittwunden oder Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden insgesamt 132 Personen verletzt.

Weniger Menschen kommen übers Mittelmeer

Nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration haben 2018 seit Jahresbeginn etwa 55.000 Menschen auf der Flucht die Küsten Südeuropas erreicht - deutlich weniger als vor einem Jahr. Damals waren es im gleichen Zeitraum laut IOM mit über 110.000 gut doppelt so viele. 2016 waren es noch fünfmal so viele Menschen.

In Spanien sind mit 21.000 Flüchtlingen die meisten angekommen. Das Land hat damit Italien als bevorzugtes Ziel abgelöst, wo etwa 18.000 ankamen. Vor allem West-Afrikaner würden nun Spanien häufig über Marokko anpeilen.

Dennoch bleibt die zentrale Mittelmeerroute, von Libyen nach Italien oder Malta, der bei weitem gefährlichste Überfahrtsweg. Insgesamt sind im Mittelmeer seit Jahresbeginn mehr als 1.500 Menschen ertrunken - mehr als 1.100 davon auf dem Weg nach Italien oder Malta. Auf dem Weg nach Spanien starben 304 Menschen, in den Gewässern vor Griechenland und Zypern wurden 89 Todesopfer registriert.

Notruf im Mittelmeer - Das Geschäft der Schleuser. Wie sich Gangster am Flüchtlingsstrom bereichern.

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Madrid will weiter messerscharfe Klingen entfernen

Ungeachtet des überfallartigen Ansturms vom Donnerstag und der Befürchtungen der spanischen Polizei hält die Regierung in Madrid an ihren Plänen fest, die umstrittenen messerscharfen Klingen an den Grenzzäunen der Afrika-Exklaven Ceuta und Melilla zu entfernen. "Ich nenne ungern Termine, weil das oft zu Enttäuschungen führt, aber die Entfernung soll unverzüglich erfolgen", versicherte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska in einem Radiointerview.

Im Vergleich zum Flüchtlingszug über die Mittelmeer-Routen sind die illegalen Einreiseversuche nach Deutschland offenbar nur leicht zurückgegangen. Die Bundespolizei habe von Januar bis Juni 21.435 unerlaubt Eingereiste festgestellt, berichtet die "Heilbronner Stimme". Im ersten Halbjahr 2017 seien es noch knapp 25.000 gewesen.

Weltweit sind nach Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR allerdings 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Die allermeisten sind dabei Flüchtlinge im eigenen Land, vor allem in Asien und Afrika, die wenigsten kommen nach Europa. 2015, als der Zuzug nach Europa am größten war, zählte UNHCR 1,3 Millionen.

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