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Abgewiesene Bootsflüchtlinge - Hafen für Rettungsschiff "Aquarius" gefunden

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Seit Tagen versucht das Rettungsschiff "Aquarius" mit knapp 630 Flüchtlingen an Bord, einen Hafen in Italien anzulaufen. Die Regierung lehnt ab. Nun darf es in Spanien anlegen.

Flüchtlinge auf der Aquarius
Die Menschen an Bord der "Aquarius" hoffen seit Tagen auf Rettung.
Quelle: reuters

Die neue rechtspopulistische italienische Regierung hatte eine harte Linie in der Migrationspolitik angekündigt. Jetzt zeigt sie, was sie damit meint und sperrt die Häfen für das zivile Rettungsschiff  "Aquarius". "Italien hat aufgehört, den Kopf zu senken und zu gehorchen. Diesmal sagen wir nein", twitterte Innenminister Salvini.

Sorge um Hilfsbedürftige

629 Menschen hat das Schiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen an Bord. Unter ihnen sieben schwangere Frauen und elf Kleinkinder. Das Absurde: 400 der Geretteten wurden ausgerechnet von der italienischen Marine aus dem Meer gefischt. Jetzt müssen alle dutzende Kilometer vor Italien auf See ausharren.  

Das Schiff Aquarius mit 629 Flüchtlingen an Bord darf einen spanischen Hafen anlaufen. Zuvor hatten Italien und Malta die Aufnahme der Menschen verweigert.

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"Wir sind sehr beunruhigt darüber, dass Politik über das Leben von Menschen gestellt wird", erklärt Aloys Vimard, der Projekt-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen auf der Aquarius. "Oberste Priorität muss doch die Sicherheit und Gesundheit der Menschen an Bord haben." Und auch bei SOS Méditerranée fühlt man sich vor den Kopf gestoßen. Die Aquarius arbeite eng mit der italienischen Seenotleitstelle zusammen. "Italien ist zuständig, wenn gerettet wird. Italien hat die Koordination", betont Verena Papke. Man habe immer einen Hafen zugewiesen bekommen. Seit zwei Jahren ist die Aquarius regelmäßig im Mittelmeer im Einsatz.

Politisches Exempel

Doch der italienische Innenminister will offenbar ein Exempel statuieren. Malta, südlich von Italien im Mittelmeer gelegen, möge sich doch um die Flüchtlinge kümmern, forderte er. Das sei der nächstgelegene sichere Hafen. Doch die maltesischen Behörden erklärten sich für nicht zuständig.

Ein Flüchtlingsschiff wird zum Spielball politischer Interessen. An Bord der Aquarius sind die Nahrungsmittel bereits knapp. So viele Menschen kann das Schiff nicht lange versorgen. Sorgen macht der Crew aber vor allem die gesundheitliche Situation der Geretteten. "Es gibt mehrere Patienten, die während der Rettung um ein Haar ertrunken wären und nur mit Herzmassage wiederbelebt werden konnten", erläutert Aloys Vimard. "Sie haben sich in den letzten 24 Stunden zwar erholt, aber sie müssen ständig überwacht werden".

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk rief Italien und Malta auf, die Flüchtlinge sofort aufzunehmen, das sei ein dringendes humanitäres Gebot. Bislang ist Italiens Innenminister Salvini hart geblieben: "Leben zu retten ist eine Pflicht", schreibt er, "Italien in ein Flüchtlingslager zu verwandeln, ist es nicht."

Italien fühlt sich überfordert

Er legt damit den Finger in eine Wunde, die seit Jahren in der gesamten EU schwärt. Denn Italien trägt gemeinsam mit Griechenland bei Weitem die größte Last der Flüchtlingskrise. Rom fühlt sich mit diesem Problem von seinen EU-Partnern im Stich gelassen. In den vergangenen fünf Jahren sind mehr als 600.000 Flüchtlinge aus Afrika nach Italien gekommen. Die meisten sind immer noch dort, warten auf ihre Asylbescheide. Denn Migranten müssen in dem Staat Asyl beantragen, in dem sie zum ersten Mal EU-Boden betreten haben. Und das ist eben meist Italien. Eine Situation, die die Stimmung im Land verändert hat und wohl mit dazu beigetragen hat, dass es bei der Parlamentswahl im März einen deutlichen Rechtsruck gab.

Aus Italien kamen heute aber auch versöhnliche Töne. Die Bürgermeister mehrerer Städte erklärten, in ihren Häfen sei die Aquarius willkommen: "Im Gegensatz zu einem herzlosen Minister, der schwangere Frauen, Kinder und ältere Menschen im Meer sterben lässt, hat Neapel ein großes Herz (...). Unser Hafen ist bereit, sie aufzunehmen", schrieb Neapels Stadtherr Luigi de Magistris. Doch auf ein Kräftemessen mit seinem Minister muss er es gar nicht mehr ankommen lassen. Denn es ist der spanische Regierungschef Sanchez, der das unrühmliche Machtspiel beendet hat und verkündet: Die Auqarius wird in Spanien vor Anker gehen.

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