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Geldanlage bei Niedrigzinsen - Die Angst vor Aktien

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Viele Deutsche verlieren Geld, weil sie nicht wissen, wie sie mit Niedrigzinsen umgehen sollen. Dabei gibt es einfache Möglichkeiten vorzusorgen.

Die Abschwächung der globalen Konjunktur lässt auch Aktien als Anlageform weniger attraktiv werden

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Auf Konjunkturhochs folgen Abschwünge, der Crash mag kommen und die Erholung auch. Vor zehn Jahren erreichte die Finanzkrise ihren Höhepunkt - und die Notenbanken der Welt reagierten mit drastischen Zinssenkungen, um die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln. Im Mai 2009 senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf ein Prozent. Was es der Weltwirtschaft genutzt hat, mag man später entscheiden. Wem es geschadet hat: den klassischen Sparern. Wer bei den gegenwärtigen Nullzinsen Geld auf Sparbüchern und Festgeldkonten liegen lässt, verliert in zehn Jahren fast ein Viertel davon, ganz ohne Krise. Allein schon die moderate Inflation reicht für den Kaufkraftverlust aus.

Die Deutschen haben ihre Lektion aus Niedrigzinen noch nicht gelernt. Sie scheuen noch immer die einzig langfristig rentierliche Geldanlage, nämlich die in Aktien - sei es direkt an der Börse oder über Investmentfonds und Fondssparpläne. Nur sieben Prozent der Bürger halten hierzulande solche Wertpapiere. In Spanien zum Beispiel sind es 22 Prozent. Die Folge: Das Vermögen spanischer Haushalte ist in den letzten zehn Jahren dramatisch gewachsen, das der Deutschen allenfalls minimal. Was man auch statistisch daran festmachen kann, dass die Spanier inzwischen weit mehr Mittel zum Konsum abzweigen können als die Deutschen.

Wer Autos kauft, kann auch Aktien kaufen

Es gibt klare Anzeichen dafür, dass sich am "Niedrigzinsumfeld" weder in diesem noch im nächsten Jahr etwas ändern wird - in Europa jedenfalls. Es wird Zeit zum Gegensteuern. Die Geldanlage in Aktien, also Sachwerte, die einen Eigentumsanteil an einem Unternehmen darstellen, ist die einzige Anlageform, die mit bescheidenen Ansätzen zu einer beträchtlichen Zusatzversorgung, etwa im Alter, führen dürfte. Über längere Zeiträume, das heißt ab einem "Anlagehorizont" von zehn Jahren, kann man etwaige Krisen einfach aussitzen. Mit monatlichen Sparraten ab 25 Euro, die beispielsweise von allen Direktbanken angeboten werden, ist die Aktienanlage nicht mehr nur etwas für Reiche oder Experten.

Die Demokratisierung der Börse begann spätestens mit dem Aufkommen jener Fonds namens ETF, Exchange Traded Funds, das sind börsengehandelte Indexfonds. Das Neue: Diese Fonds werden nicht aktiv von einem Fondsmanager betreut, der eine möglichst glückliche Hand bei der Aktienauswahl haben möchte, sondern sie bewegen sich mit dem Auf und Ab des jeweils ausgewählten Index, sei es der nationale Dax, sei es der amerikanische Dow-Jones-Index oder der weltweite MSCI. Auf Dauer bringen die ETFs erfahrungsgemäß zwischen sechs und acht Prozent im Jahr. Gefragt ist vom Anleger lediglich die Bereitschaft, sich mit einigen grundlegenden Marktmechanismen vertraut zu machen. Die Deutschen beweisen ständig beim Autokauf und im Discounter, dass sie akribisch Details und Preise ermitteln können. Also keine Ausreden mehr, bitte!

Nur nicht zu gierig werden

Vor Jahren war die gesetzliche Rentenversicherung als Option, um fürs Alter zu sparen, gegenüber den privaten Renten-Versicherungsanbietern im Hintertreffen. Das ist jetzt anders. Wer die Möglichkeit hat, dort einzuzahlen, sollte es bis zu einem gewissen Grad tun. Weitere Chancen bieten Angebote der Arbeitgeber. Neben den beruhigenden Betriebsrenten gibt es die Möglichkeit der Gehaltsumwandlung bei vielen Unternehmen. Damit spart man monatlich und zweigt einen Betrag direkt vom Bruttoeinkommen ab, das wird dadurch etwas geringer - was die Steuer darauf senkt - und versteuert die Auszahlung dann im Rentenalter, wo für die meisten eine weit niedrigere Steuerprogression gilt, also ein niedrigerer Steuersatz.

Und dann gibt es auch noch die Anlageform der Unternehmensanleihen - sie bringen regelmäßig höhere Zinserträge als etwa Banksparpläne oder Festgeld. Kein Kunststück, natürlich. Wenn auch ein gewisses Risiko besteht: Unternehmen können schließlich pleite gehen. Diese Gefahr kann man minimieren, indem man nur Anleihen höchster Bonität kauft und nicht der Versuchung nachgibt, jedes letzte Zehntelprozent herausholen zu wollen.

Immobilien nicht um jeden Preis

Denn noch immer geraten Anleger auf der Suche nach dem genialsten Geldversprechen in böse Fallen. Es ist bisher noch nicht ausreichend erforscht, warum manche Sparer vor der Börse zurückschrecken, weil das angeblich zu riskant sei. Stattdessen stürzen sie sich aber voller Inbrunst in dubiose Angebote, die unter Versprechung absolut unrealistischer Erträge scharenweise Leute an der Nase herumführen: Seien es Schiffscontainer, die es nicht gibt, sei es die angeblich heimatlose Million aus Nigeria, die einen Besitzer sucht - derartige "Geschäftsmodelle" sterben nicht aus und vernichten - man mag es kaum glauben - Milliarden Anlagegelder der Deutschen. Dagegen ist Glücksspiel eine rationale Sparform.

Zeit dafür, ein paar Grundweisheiten zu beherzigen: "Reich wird man nicht durch das Geld, das man verdient", sagte der Automobilmagnat Henry Ford, "sondern durch das, was man nicht ausgibt." Das hat schon was. Und dann wäre da noch der Glaube, eine eigene Immobilie sei der Stein der Weisen. Zwar kann man sie derzeit günstig finanzieren - aber wer nicht die Mittel hat, in guter Lage ein noch nicht überteuertes Anwesen zu kaufen, sollte Mieter bleiben. Für die allermeisten würde der Kauf bedeuten, wirklich alle Eier in einen Korb zu legen, was bekanntlich weder auf dem Bauernhof noch im übertragenen Sinne eine gute Idee ist.

Was zu schön klingt, um wahr zu sein – ist es auch meist nicht. Hohe Renditen ohne Risiko, Goldbarren für kleines Geld oder Markenkleidung zum Super-Schnäppchenpreis.

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