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Helmut Schleweis - Neuer Sparkassenpräsident mit guter Startbilanz

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Heute hat Helmut Schleweis zum ersten Mal Bilanz für die Sparkassen in Deutschland gezogen. Sein Vorgänger Georg Fahrenschon war wegen einer Steueraffäre zurückgetreten.

Helmut Schleweis, Präsident der Sparkasse
Helmut Schleweis, Präsident der Sparkasse Quelle: dpa

Vor 66 Tagen, da fing die Arbeit an für Helmut Schleweis: Umzug nach Berlin, Einzug in das Haus des Sparkassen- und Giroverbandes. Langweilig ist es ihm in seiner neuen Funktion als Chef des Verbandes, in dem etwa auch Bausparkassen und Landesbanken organisiert sind, bisher nicht geworden. "Die ersten 66 Tage vergingen wie im Flug, und ich habe eine Menge netter und leistungsfähiger Mitarbeiter kennengelernt", erzählte Schleweis bei der Präsentation der Sparkassen-Bilanz in Frankfurt. "Und da es derzeit in unserer Wirtschaft ohnehin nicht langweilig ist, hat man ordentlich was zu tun. Das schützt vor Langeweile. Ich hoffe, dass das auch in den kommenden 100 Tagen und darüber hinaus so bleibt."

Niedrigzinsen und Digitalisierung sind Herausforderung

Schleweis hat ein Amt übernommen, in dem er von Rückenwind durch gute Geschäfte zehren kann. Die Zahlen, die er im Gepäck mitbrachte, können sich sehen lassen: Nach Steuern haben die Sparkassen im vergangenen Jahr einen satten Gewinn in Höhe von 2,2 Milliarden Euro eingefahren – das sind über sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und das in einer Zeit, wo andere – wie etwa die Deutsche Bank – noch immer mit horrenden Verlusten zu kämpfen haben. Dieses positive Ergebnis verdankt sich zum einen der Tatsache, dass die Kosten geringer ausgefallen sind. Sparanstrengungen haben sich also ausgezahlt. Zum anderen haben eine wachsende Kreditvergabe, höhere Gebühren und ein brummendes Wertpapiergeschäft die Gewinne in die Höhe getrieben.

Ausruhen will sich Schleweis auf diesen Erfolgen allerdings nicht. Das Umfeld bleibe weiter schwierig, die Geldschwemme der Notenbanken erschwert es Banken und Sparkassen, im angestammten Geschäft mit Zinsen Geld zu verdienen. Deswegen werden weitere Einsparungen auf dem Programm stehen – vor allem aber Umbrüche durch den Einzug in das digitale Sparkassenzeitalter. An erster Stelle nennt Schleweis die Aufgabe, Bezahlungen durch digitale Verfahren zu vereinfachen. "Wir wollen dort so gut sein, dass die Menschen das Bezahlen nicht als Hürde empfinden."  So bieten die Sparkassen schon jetzt an, kleinere Geldbeträge in Echtzeit von einem Handy auf ein anderes zu versenden. In Zukunft sollen die Sparkassen solche Möglichkeiten weiter ausbauen. Dazu gehört auch, dass Kunden in Zukunft problemlos mit dem Handy bezahlen können.

Filialnetz soll bleiben

Es sei aber ein noch größerer Schritt absehbar, der nach Einschätzung von Schleweis "eine wirkliche Umwälzung der Bezahlwelt bringen wird: das Überweisen in Echtzeit". Dieses "Instant-Payment" ist derzeit eines der Zauberworte in der Bankenwelt. Denn digitale Verfahren und Geräte machen in der Tat jegliche Verzögerungen von Zahlungen – wie aktuell noch bei Überweisungen – überflüssig. "Instant Payment ist damit das Bargeld des Internetzeitalters." Schleweis kündigte an, dass die Sparkassen schon Mitte des Jahres Echtzeit-Überweisungen einführen werden.

Trotz dieser Neuerungen und Veränderungen halten der Sparkassen- und Giroverband und sein neuer Chef an einer traditionellen Form des Bankings unvermindert fest: der Filiale vor Ort. Zwar ist die Anzahl von Sparkassen-Filialen im vergangenen Jahr um über 750 zurückgegangen. Mit rund 13.000 Standorten ist das Filialnetz aber nach wie vor ziemlich dicht. Auch in Zukunft könne es vereinzelt Schließungen oder das Zusammenlegen bestehender Filialen geben. Über ein Ende der örtlichen Präsenz der Sparkassen denkt im Verband aber niemand nach. Auch Helmut Schleweis nicht – im Gegenteil. "Die Filiale ist nicht tot, ich bin der festen Überzeugung, dass sie gerade einen neuen Frühling erlebt. Heutzutage gibt es natürlich viele Basisdienstleistungen für die es nicht mehr nötig ist, eine Filiale aufzusuchen. Für qualitativ hochwertige Beratung allerdings ist die Filiale unverzichtbar."

Fusionen bei Bausparkassen?

Mit Blick auf das Thema möglicher Fusionen von Sparkassenversicherungen und Landesbausparkassen plädierte Schleweis, für solche Schritte offen zu sein: "Unsere Strukturen sind hier nicht optimal. Deswegen glaube ich, dass die Eigentümer der Versicherungsunternehmen und Landesbausparklassen gut beraten sind, auch die Möglichkeit von Fusionen nicht auszuschließen."  Lebensversicherer und Bausparkassen sind schwer von der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank betroffen, weil die deren Geschäftsmodell untergräbt.

Es bleiben also eine Reihe von Aufgaben und zu meisternde Schwierigkeiten für Helmut Schleweis in seinem neuen Amt an der Spitze der Sparkassen.

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