ZDFheute

Roadshow der SPD-Kandidaten beginnt

Sie sind hier:

Auftakt in Saarbrücken - Roadshow der SPD-Kandidaten beginnt

Datum:

Nach der etwas trägen Kandidatenfindung beginnt ein wahrer sozialdemokratischer Marathon. 17 Kandidaten stellen sich auf sage und schreibe 23 Regionalkonferenzen den Mitgliedern.

Die SPD startet heute Abend ihre Roadshow in Saarbrücken. Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang.

Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles will die SPD was Neues wagen. Es geht um den Parteivorsitz. Kein Ausknobeln im Hinterzimmer mehr, keine einsamen Entscheidungen an der Basis vorbei. Diesmal soll alles anders werden - und alle, die ein Parteibuch haben, dürfen mitmachen. Klingt erstmal gut, findet in den eigenen Reihen großen Zuspruch, dürfte am Ende allerdings auch einige Enttäuschte zurücklassen. Was auch am Verfahren liegt.

Ein paar politische Phrasen beim Speeddating zu erwarten

Acht Kandidatenpärchen und ein Einzelbewerber werden sich heute in der Saarbrücker Congresshalle den SPD-Mitgliedern stellen. Erst dürfen sie sich vorstellen, dann werden sie von einem Moderator befragt, anschließend von den Parteifreunden. Da die gesamte Veranstaltung nicht länger als zweieinhalb Stunden dauern soll, bleiben jedem Bewerber am Ende vielleicht sieben bis acht Minuten, um seine Positionen zu allen möglichen Themen zu erläutern. Viel mehr als ein paar politische Phrasen dürften bei diesem sozialdemokratischen Speeddating nicht hängen bleiben. Viele Fragen werden unbeantwortet bleiben.

Olaf Scholz ist zwar der bekannteste unter den Kandidaten, in eine Favoritenrolle bringt ihn das aber nicht unbedingt. Der Vizekanzler gilt als Statthalter der Großen Koalition und die hat bei vielen Genossen ihren Ruf verspielt. Auch sonst ist er in der Partei nicht überaus beliebt. Und so gibt es bei der Mehrheit der anderen Kandidatenpaare, die vor allem der Parteilinken zuzuordnen sind, die Ansage, die GroKo verlassen zu wollen. Die allerdings stehen in der Gefahr, sich gegenseitig zu blockieren und damit Stimmen zu neutralisieren.

23 Regionalkonferenzen in sechs Wochen

Dazu kommt: Eine parteiinterne Umfrage hatte letzte Woche ergeben, dass für die einfachen Mitglieder im Gegensatz zu den Parteifunktionären die Frage, raus aus der Großen Koalition oder drinbleiben, eher eine untergeordnete Rolle spielt. Für die SPD heißt das: Alles ist möglich, alles ist offen. Die Wahl der neuen Parteivorsitzenden könnte das Ende der Regierungszusammenarbeit bedeuten. Oder eben auch nicht.

Über sechs Wochen erstrecken sich die Regionalkonferenzen, die Roadshow führt in nahezu jeden Winkel der Republik. Danach dürfen die Parteimitglieder per Briefwahl darüber abstimmen, wer die SPD künftig führen soll. Sollte dabei kein Kandidatenpaar eine Mehrheit von über 50 Prozent erreichen, müssen die zwei bestplatzierten in eine Stichwahl. Der Gewinner soll dann auf dem Parteitag Anfang Dezember von den Delegierten gewählt werden.

Prozedere findet bei SPD-Mitgliedern Anklang

Spricht man mit SPD-Mitgliedern, findet dieses langwierige Prozedere durchaus Anklang. Die Parteiseele fühlt sich gehört, geschmeichelt. Nach außen allerdings erzeugt das monatelange Verfahren den Eindruck, die SPD beschäftige sich wieder einmal nur mit sich. Genau der Eindruck, der für das miese Ansehen und das schlechte Abschneiden der Partei zu großen Teilen verantwortlich ist.

Egal, wer am Ende das Rennen macht, welches Duo künftig die SPD führen wird: Die Frage, ob dann endlich Ruhe in die Partei einkehrt, wird sich auch nach der Wahl nicht so schnell beantworten lassen. Zweifel jedenfalls sind angebracht. In den letzten 15 Jahren ist noch jeder und jede SPD-Vorsitzende*r an der Opposition in den eigenen Reihen gescheitert. Die innerparteiliche Kritik an der Führung gehört zur DNA der SPD. Es ist schwer vorstellbar, dass ein neues Wahlverfahren daran etwas ändern wird.

Lars Bohnsack ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.