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Werben für die GroKo - Schulz buhlt um skeptische Basis

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Besuch in der einstigen "Herzkammer der Sozialdemokratie": In Dortmund buhlt Martin Schulz um den Rückhalt der Basis. Doch dort trifft der SPD-Chef vor allem auf eines: Skepsis.

Das Werben von Martin Schulz um eine Zustimmung zu Koalitionsverhandlungen für eine Große Koalition wird nicht einfach, denn in der SPD werben auch Gegner einer Großen Koalition mit einer „NoGroko“-Initiative. An der SPD-Basis ist die Stimmung …

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Als wäre es schon Jahre her: Ohne Gegenstimme hatte ein SPD-Parteitag erst Ende Juni vergangenen Jahres in Dortmund das Wahlprogramm für die Bundestagswahl angenommen und Parteichef Martin Schulz als künftigen Kanzler gefeiert. Es kam bekanntlich anders.

Montagabend, wieder in Dortmund: Eine knappe Woche vor dem Parteitag in Bonn wirbt Wahlverlierer Schulz vor Delegierten aus Westfalen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union. Skepsis scheint zu überwiegen. Das Sondierungspapier trage ihr "zu wenig sozialdemokratische Handschrift", sagt etwa die Delegierte Christa Becker-Lettow aus Dortmund vor der Veranstaltung.

Keine sozialdemokratischen Leuchtturmprojekte

Rund 70 Delegierte und Gäste aus Ostwestfalen-Lippe und der mitgliederstarken Region Westliches Westfalen sind gekommen, um mit Schulz, Fraktionschefin Andrea Nahles und dem Parteichef der NRW-SPD, Michael Groschek, über die Sondierungen und ihre Ergebnisse zu diskutieren. Zwar seien im Papier "einige gute Akzente" drin, sagt Becker-Lettow. Aber insgesamt sei es "zu wenig". Ihr fehle etwa die Bürgerversicherung. Beim Parteitag will sie gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen stimmen. Und dann? Eine Minderheitsregierung der Union fände sie eine "spannende Option für die Demokratie".

Ablehnung auch bei Marcel Franzmann aus Höxter. Der 34-Jährige will ebenfalls dagegen stimmen. "Es fehlen die sozialdemokratischen Leuchtturmprojekte, die ich mir erhofft habe." Für andere steht die AfD als Grund für ihre Ablehnung im Vordergrund: "Wir wollen nicht, dass die AfD in die Rolle der Oppositionsführerschaft kommt", sagt Jens Peick. Er ist stellvertretender Parteichef der selbstbewussten Dortmunder SPD.

Diskussionen: Kritisch aber ausgewogen

Karsten Koch aus dem Kreis Warendorf findet es gut, von Schulz noch mal "unmittelbar zu hören, wie die Verhandlungen gelaufen sind". Er sei bereit, "grundsätzlich auch für Verhandlungen zu stimmen, wenn denn das Gesamtpaket stimmt". In seinem Kreisverband sei die Stimmung sehr angespannt. "Es gibt klar erkennbare Gegner von Koalitionsverhandlungen, die sehr enttäuscht sind von den Inhalten des Papiers."

Aus der Diskussion hinter verschlossenen Türen dringt am Abend zunächst nicht viel nach draußen. Ein Delegierter, der früher gehen muss, spricht von einer "sachlichen Diskussion ohne Spitzen und Härten". Es gehe relativ ausgewogen zu. Allerdings werde auch "sehr vieles sehr kritisch gesehen".

NRW spielt gewichtige Rolle am Sonntag

Schulz selbst hatte vor der sogenannten Delegiertenvorbesprechung die Befürworter von Koalitionsverhandlungen aufgefordert, sich in der parteiinternen Debatte stärker zu Wort zu melden: "Ich ermutige alle, die zufrieden sind, das laut zu sagen." Überschattet wurde sein Statement von Zwischenrufen einer Handvoll rechtsradikaler Störer, die vor dem Tagungsgebäude demonstrierten.

144 und damit knapp ein Viertel der 600 Delegierten des Parteitages kommen aus Nordrhein-Westfalen. Sie spielen damit eine wichtige Rolle bei der Abstimmung am kommenden Sonntag. Nach den westfälischen Delegierten hat Schulz am Dienstag die rheinischen nach Düsseldorf eingeladen, um bei ihnen ebenfalls für Koalitionsverhandlungen zu werben.

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