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SPD-Aktion "Fraktion im Dialog" - Eine Bestandsaufnahme in Dortmund

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"Wir wollen nicht einfach so weitermachen wie bisher", sagt die SPD und schickt ihre Bundestagsabgeordneten diese Woche zu den Bürgern. Ein Ortstermin vorm Rewe in Scharnhorst-Ost.

Infostand der SPD (Archiv Wahlkampf Berlin)
Infostand der SPD (Archiv Wahlkampf Berlin) Quelle: imago

9 Uhr morgens, es ist kalt im Schatten des Hochhauses. Eines von vielen im Dortmunder Stadtteil Scharnhorst-Ost. Gebaut Ende der 1960er bis in die 70er Jahre, um preiswerten Wohnraum aus dem Boden zu stampfen: Mehr als 5.000 Wohnungen entstanden so - und gleichzeitig wuchs ein Stadtteil, der über viele Jahre als sozialer Brennpunkt galt. Im Schatten des Hochhauses ein Einkaufszentrum, wo es alles für den täglichen Bedarf gibt - und heute auch eine Bundestagsabgeordnete. Sabine Poschmann ist da. Nein, das hier ist kein Wahlkampftermin, sondern eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Mit Kaffee, Keksen und Rosen an die Basis

Welche Themen soll die SPD-Fraktion im Bundestag zur Sprache bringen, um welche Probleme soll sich die Fraktion kümmern? Um das herauszufinden, gehen in dieser Woche die Abgeordneten der SPD in ihre Wahlbezirke. SPD-Fraktion im Dialog heißt die Aktion. "Vielleicht hätte ich den Termin etwas später gewählt, aber die Parteiführung hat sich für jetzt entschieden. Und prinzipiell ist es ja genau die richtige Herangehensweise", sagt Sabine Poschmann. Vorm Rewe hat sie ihren Informationsstand aufgebaut. Ein Sonnenschirm zum Schutz vor Regen, ein Campingtisch mit Keksdose und Kaffee. Auf dem Boden ein Eimer mit roten Rosen und SPD-Sticker. Davor ein Aufsteller, auf den Passanten ihre Wünsche an die SPD heften können.

"Was muss ich jetzt tun?", fragt eine Passantin. Müssen? Gar nichts. Sie habe aber die Gelegenheit, heute ihre Empfehlung an die Bundestagsabgeordnete zu geben, worum man sich dringend kümmern müsse, erklärt Rüdiger Schmidt, Dortmunder Ratsherr der SPD und einer aus dem lokalen Team, das Poschmann heute zur Seite steht. "Nicht alle Wünsche sind etwas für die Bundesebene, manche Themen muss man direkt vor Ort umsetzen." Zum Beispiel die Absperrung an einer Grünanlage, die Radfahrer zum Absteigen bewegen soll - aber für Leute mit Rollator jetzt ebenfalls schwierig zu passieren. "Das ist etwas für unsere Lokalpolitiker", so Poschmann.

Aus eigener Kraft die Familie ernähren können

Ein Mann in Jogginghose, vielleicht Anfang 30, hält am Stand, schaut sich um. "Muss das jetzt sein, wir wollen doch nach Hause", drängt seine Frau zehn Meter weiter. An der rechten Hand ein Vorschulkind, mit der linken schiebt sie den Wagen ihres Babys. Der Mann bleibt, redet mit Poschmann. Spricht über seinen wichtigsten Wunsch: von dem Geld, das er mit seinem Vollzeitjob bei einem großen Versandhändler verdient, ohne Unterstützung seine Familie ernähren. Aber es reicht einfach nicht. Seine Frau ist inzwischen dazu gekommen. Eine Viertelstunde und zwei Tassen Kaffee später verabschieden sie sich von der Bundestagsabgeordneten. Mehr Lohngerechtigkeit - die Botschaft ist angekommen.

An dem Aufsteller mit den Klebezetteln ist mittlerweile kaum ein Fleckchen mehr frei. Nicht dass die Passanten Schlange stünden, um mit Sabine Poschmann zu sprechen - aber alle paar Minuten wechseln die Gesprächspartner, kommen neue Wunschzettel hinzu. Spielgelegenheiten für Kinder, soziale Gerechtigkeit, gute Ausbildungsmöglichkeiten, Rente nach 45 Jahren Berufstätigkeit, bezahlbarer Wohnraum oder mehr Qualität und Personal in der Pflege: Das sind Themen, die die Menschen bewegen.

"Endlich wieder Volkspartei"

Aber nicht nur gesellschaftspolitische Themen finden sich auf der Wunschliste, sondern auch Appelle direkt an die SPD: "Endlich wieder Volkspartei sein" oder "Unbedingt in der Opposition bleiben" steht da zum Beispiel. Auffällig: Alles in freundlichem Ton, wenig Frust über Politiker, viel Bereitschaft zum Austausch. "Es ist entspannter als zu Wahlkampfzeiten. Da denken die Menschen oft, man wolle ihnen etwas verkaufen", sagt Sabine Poschmann. Eine Erfahrung, die die Politikerin schon oft auch bei Hausbesuchen von Bürgerinnen und Bürgern gemacht hat.

"Es gehört dazu, dass auch wir Bundestagsabgeordnete von Tür zu Tür gehen und mit Menschen zu politischen Themen ins Gespräch kommen. Viele erreichen wir sonst gar nicht mehr“, sagt sie. Man werde dabei zwar nicht immer einladend empfangen, "aber fast immer ändert sich die Grundhaltung, sobald man miteinander redet". Und manchmal gibt es nicht nur interessante Unterhaltungen, sondern sogar neue Genossen - so wie heute, kurz vor Mittag. Poschmann: "Am 13. November das 13. Neumitglied bei einer solchen Infoveranstaltung in diesem Jahr. Ich halte das für ein gutes Omen."

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