ZDFheute

SPD: Kein Cent Entschädigung für Hohenzollern

Sie sind hier:

Streit mit Prinz von Preußen - SPD: Kein Cent Entschädigung für Hohenzollern

Datum:

Prinz Georg Friedrich von Preußen fordert von der Bundesregierung Entschädigungen. Zwar verhandelt sie darüber. Doch die SPD will "keinen Cent" Entschädigung zahlen.

Prinz Georg Friedrich von Preußen will Entschädigungen in Millionenhöhe. Es geht um Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch haben die Hohenzollern dem Nazi-Regime "erheblichen Vorschub" geleistet?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Die Burg Rheinfels liegt über dem Rhein, gleich in der Nähe der Loreley. Ein Teil ist Ruine, ein Teil ein Hotel, aber alles ist Welterbe der UNESCO. Seit fast einhundert Jahren ist die Burg nicht mehr im Besitz der Hohenzollern. Doch auch Burg Rheinfels fordern sie nun zurück. In erster Instanz sind sie gescheitert. Aber die Belagerung hält an. Die Hohenzollern gehen in Berufung.

Und der Chef des Hauses, Georg Friedrich von Preußen, will noch viel mehr. Wiedergutmachung in Millionenhöhe für Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone. Seit Jahren verhandeln die Hohenzollern, denen zum Beispiel ihr Stammsitz geblieben ist, darüber mit dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. Bislang ohne Ergebnis.

SPD: Keinen Cent Entschädigung

Es geht um die Erstattung von Immobilien, um wertvolle Gemälde und Kunstgegenstände. Um ein Wohnrecht zum Beispiel auf Schloss Cecilienhof, das gerade erst saniert wurde – mit zehn Millionen Euro Steuergeldern. Wenn es nach der SPD geht, bekommen die Hohenzollern davon: nichts. "Es ist ja so, dass die Hohenzollern durchaus Vermögen haben, das nicht unwesentlich ist", sagt Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher der SPD. "Jetzt noch etwas mehr bekommen zu wollen auf Kosten des deutschen Steuerzahlers - ich kann mir nicht vorstellen, dass die SPD für einen einzigen Cent Entschädigung im Deutschen Bundestag stimmen wird", sagt er im ZDF.

Im Kanzleramt ist Monika Grütters verantwortlich für die Geheimverhandlungen. In den letzten Tagen verbringt sie viel Zeit auf dem CDU-Parteitag. Für ein Interview aber hat sie keine Zeit, schickt einen Sprecher vor. "Wir wollen verhindern, dass wichtige Kunstwerke und Kunstgegenstände verloren gehen. Wir haben eine klare Position. Und im Moment muss man ganz klar sagen, die Verhandlungspositionen liegen noch sehr weit auseinander", sagt Robin Mishra vom Staatsministerium für Kultur und Medien.

Hohenzollern: "Sehr weitreichende Vorstellungen"

Das liegt nach jahrelangen Gesprächen nicht zuletzt an Georg Friedrich von Preußen, sagt sogar sein eigener Verhandlungsführer. "Ich will gerne einräumen, dass das auf beiden Seiten ein Stück weit auch von sehr weitreichenden Vorstellungen getragen wird", sagt Jürgen Aretz, Verhandlunsführer der Hohenzollern. "Aber das ist nun einmal das Prinzip bei solchen Verhandlungen, dass man auf beiden Seiten von bestimmten Dingen Abstand nehmen muss, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen."

Dabei ist fraglich, ob die Hohenzollern überhaupt Ansprüche haben. Denn laut Gesetz soll keine Entschädigung bekommen, wer dem Nazi-Regime "erheblichen Vorschub" geleistet hat. Haben die Hohenzollern das? ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat der Diskussion neue Brisanz gegeben und vier Gutachten veröffentlicht, die bislang unter Verschluss waren. Im Zentrum steht Kronprinz Wilhelm, der Sohn Wilhelms II, der damit prahlte, Hitler durch einen Wahlaufruf zwei Millionen Stimmen gebracht zu haben. Und in SA-Uniform mit Hakenkreuz posierte.

Historiker: Kronprinz hat Nazi-Regime Vorschub geleistet

Ein Gutachten hält ihn trotzdem für eine Art Widerstandskämpfer. Alle anderen zweifeln nicht an seiner Nazi-Nähe. Der Historiker Peter Brandt ist einer von insgesamt zwei Gutachtern, für die die Sache klar ist. "Der Kronprinz hat immer versucht, die NSDAP miteinzubinden in diese Konstellationen und sie mit an die Macht zu bringen. Insofern wird man nicht bestreiten können, aus meiner Sicht, dass er einen erheblichen Vorschub geleistet hat", sagt Brandt.

Das Ziel der Hohenzollern aber scheint es, den Kronprinzen rein zu waschen. Ausgerechnet ein Totengräber der Weimarer Republik soll nun dafür herhalten, Ansprüche gegen die Bundesrepublik zu rechtfertigen. "In Zeiten wie diesen empfinde ich das ein bisschen als Angriff auf die Republik, wenn man versucht die Geschichte umzuschreiben. Und da werde ich als Kulturpolitiker, als Mensch mich immer dagegen wehren", sagt Erhard Grundl, kulturpolitischer Sprecher der Grünen.

Im Bundestag fordern viele nun Mitsprache bei den Verhandlungen. Längst geht es um viel mehr als Antiquitäten und Schlösser. Es geht um die Mitschuld der Hohenzollern an den Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Und um ihre Rolle heute, in der Berliner Republik.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.