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Schau im Pariser Palais de Tokyo - "Spiderman der Kunst" stellt Spinnennetze aus

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Der Wahl-Berliner Tomás Saraceno hat den Palais de Tokyo in Paris ganz für sich. Er zeigt Spinnen und Skulpturen und träumt von einem umweltfreundlichen Zeitalter der Lüfte.

Der Künstler Tomás Saraceno eröffnet seine bislang größte Einzelausstellung. Das gesamte Museum für Zeitgenössische Kunst soll Raum für eine sinnliche Erfahrung bieten.

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Seit die Ausstellung geplant war, durfte das Putzpersonal im Pariser Palais de Tokyo keine Spinnenweben mehr wegfegen. Sorgfältig haben Mitarbeiter Hunderte von Spinnen, die sich in dem Museum für zeitgenössische Kunst fanden, identifiziert und registriert. Einige von ihnen wurden sogar nach Berlin geflogen, damit sie in der Werkstatt des Künstlers Tomás Saraceno ihre Netze spinnen sollten.

Eine Schau auch für Arachnophobe geeignet

Ausstellung von Tomás Saraceno
Der in Berlin lebende Künstler Tomás Saraceno stellt in Paris Dutzende filigrane Spinnennetze aus - und vertont die Schwingungen, die die Tiere verursachen.
Quelle: Ulrike Koltermann

Wer Angst vor Spinnen hat, sollte erst recht in die Ausstellung gehen. Sie beginnt in einem stockdunklen Raum, in dem Dutzende dreidimensionale Spinnennetze in Metallgestellen kunstvoll angestrahlt werden. Es sind filigrane Muster aus zartesten Fäden, an denen sich schimmernde Staubpartikel sammeln.

Ausstellung von Tomás Saraceno
Der Künstler bringt die Seile zum Vibrieren und damit zum Klingen - eine Art Spinnensprache.
Quelle: Ulrike Koltermann

Manche Netze sind bereits von ihren Schöpfern verlassen, an anderen wird noch gesponnen. Das Ergebnis ist so aufregend schön, dass es völlig angemessen erscheint, die Spinnen als mitwirkende Künstlerinnen zu nennen, wie Saraceno das in der Eingangshalle des Museums tut.

 Im Alltag oft übersehene Schönheit

Ausstellung von Tomás Saraceno
Tomás Saraceno hat im Pariser Palais de Tokyo eine Installation geschaffen, die an ein überdimensionales Spinnennetz erinnert und zugleich ein ungewöhnliches Saiteninstrument ist.
Quelle: Ulrike Koltermann

Aber Saraceno verfolgt keineswegs nur eine ästhetische Mission. Er will viel mehr als auf im Alltag oft übersehene Schönheit aufmerksam machen. Er bewegt sich zwischen Kunst und Wissenschaft, Ökolobbyismus und Esoterik. Alles ist mit allem verbunden - eine Binsenweisheit, die in Saracenos Ausstellung auf höchst originelle und sinnliche Weise erfahrbar wird.

"Für uns sind Spinnen blind und taub, aber tatsächlich hören sie viel niedrigere Frequenzen als wir Menschen", erklärt Saraceno, der einen Weg gefunden hat, mit den Spinnen zu kommunizieren. Er überträgt die Schwingungen der Netze und die Bewegung der Tiere in Töne - was einen faszinierenden Klangteppich schafft.

Installation mit Musik 

Ausstellung von Tomás Saraceno
Spinnen faszinieren den Künstler, weil sie die Netze an der Flugbahn der insekten orientieren und sich somit einen Teil des Luftraums erobern.
Quelle: Ulrike Koltermann

Und die Besucher können es den Tieren gleich tun, wenn sie eine Installation betreten, die wie ein riesiges Spinnennetz aus Seilen wirkt, zugleich aber ein raumfüllendes Saiteninstrument ist. Wenn man die Schnüre berührt, entstehen Töne, die zu einer Melodie werden. An manchen Stellen beginnt der Boden zu vibrieren.

"Wenn wir miteinander kommunizieren wollen, müssen wir eine neue Art von Sprache erfinden, eine andere Sensibilität", meint Saraceno. Spinnen faszinieren ihn auch deswegen, weil sie ihre Netze dem Flug der Insekten anpassen und auf ihre Weise den Luftraum besiedeln.

Künstler ruft "Epoche des Luftraums" aus 

Der Luftraum - das ist Saracenos eigentliche Spiel- und Experimentierfläche. Schon vor ein paar Jahren hat er gleich mal ein neues Erdzeitalter ausgerufen: Auf das Anthropozän, in dem der Mensch die Erde prägte, müsse seiner Meinung nach das Aerozän folgten, die Epoche des Luftraums.

"Aber nicht im Sinne einer Eroberung! Im Gegenteil: Wir müssen den Luftraum erst einmal entkolonialisieren von Treibhausgasen und Luftverschmutzung", meint Saraceno. Deshalb entwickelt er immer neue Formen von Flugobjekten und fliegenden Skulpturen, die ohne jeden Brennstoff auskommen.

Saraceno selbst noch Umweltsünder

Eines Tages könne man sich vielleicht Luftströmungen zunutze machen, um Reisen zu planen, meint der Künstler - der bei seinen weltweiten Aktivitäten derzeit allerdings noch Bonusmeilen herkömmlicher Fluggesellschaft sammelt. 

Ausstellung von Tomás Saraceno
Die Ausstellung "On Air" bietet auch Workshops, in denen Besucher Flugobjekte basteln können, die ohne jeden Treibstoff auskommen.
Quelle: Ulrike Koltermann

Saraceno versteht seine Ausstellung "On Air" vor allem als Quell der Inspiration, als großes Happening. Besucher können etwa an einem riesigen Ballon aus benutzten Plastiktüten mitbasteln oder in einer "artübergreifenden Jam Session" Musik mit Spinnen machen. Und das alles noch bis zum 6. Januar 2019.

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